Rezension vom 13.07.2012
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Rezension Laura Brodie „Ich weiß, du bist hier“
Sarah McConnells verliert ihren Ehemann bei einem tragischen Kajakunfall. Seine Leiche wird nie gefunden. Immer wieder fühlt sie sich seit seinem Verschwinden beobachtet. Eines Tages sieht Sarah ihren tot geglaubten Mann in einem Supermarkt und an Halloween steht er plötzlich vor ihrer Tür.
Hat er sie an der Nase herumgeführt? Träumt sie? Oder wird Sarah von einem unheimlichen Geist verfolgt?
Hauptthema dieses Buches sind erwachsene, intelligente Frauen, die ihre Ehemänner verloren haben und wie sie mit ihrem Leben alleine zurechtkommen.
Es handelt sich um einen sehr ruhigen, behutsamen Roman. Der Leser hat die Chance mitzufühlen mit einer Protagonisten, die eigentlich selbst schon, aufgrund niederschmetternder Lebenserfahrung, innerlich gestorben ist und die nun langsam die Chance nutzt, zu sich selbst zu finden.
Den Schreibstil empfand ich als entschleunigend und die Protagonisten wirkt kühl bis unnahbar, was bei ihrer Vita absolut nachvollziehbar ist. Sie lässt sich Zeit, immer wieder zu analysieren, in sich hineinzuhorchen, anderen zuzuhören und so sich selbst auf die Füße zu helfen.
Gefallen haben mir die Naturbeschreibungen, die häufig übertragbar waren auf den Gemütszustand der Protagonistin.
Beispiel Seite 176: „Sie mochte diesen kleinen Baum mit den verkrüppelten Ästen und den winzigen Zweigen, die sich einem weiten, unerreichbaren Himmel entgegenstreckten. Er brauchte Schub, einen Wachstumsschub mitten in seinem Leben. Sonne und Wasser und die Pflege liebevoller Hände.“
Beispiel Seite 177: „Sie ging auf die Baumreihe zu, wo ein abgebrochener Kiefernzweig die Grenze zwischen Sonnenlicht und Schatten markierte.“
Alle Naturbeschreibungen und auch die Darstellung der Jahreszeiten vermitteln Derbheit, Kühle und ein etwas düsteres, passendes Bild des Seelenlebens der Protagonistin.
Fazit: Mir hat das Buch gut gefallen, wenngleich ich bei dem Klappentext an ein Buch mit etwas mehr Tempo und Spannung gedacht hatte. Hier kommt ein sehr behutsamer Roman daher, der mitfühlen lässt und sich eher an erwachsene Frauen mit Lebenserfahrung richtet.
Gerade durch diese Entschleunigung ist mir persönlich die Geschichte etwas zu lang geraten. Ich habe mich dabei ertappt, am Ende Passagen überblättert zu haben.
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