Also, das Buch handelt von verschiedenen Mitgliedern der Familie Bradshaw, die alle so ihre kleinen Probleme und Schwierigkeiten haben, wobei das Leben des Ehepaares Thomas und Tonie klar im Mittelpunkt steht.
Es erzählt nicht so wirklich eine Geschichte, hat keinen erkennbaren roten Faden, eher beschreibt es jeden Charakter einzeln und beschreibt seine innersten Gedanken und Gefühle. Es geht offenbar nicht darum, die Figuren ein Abenteuer erleben zu lassen, sondern darzustellen, wie sie leben, wie sie fühlen, wie sie mit ihren Freunden und ihrer Familie interagieren und welche Fehler sie machen.
Ich persönlich habe mir von dem Buch mehr erhofft.
Laut Inhaltsangabe geht es um Tonie und Thomas, die einen Rollentausch vollziehen (sie die Ernährerin, er der Hausmann) und sich damit gegen ihre Familien durchsetzen und mit den Problemen, die Thomas' Desinteresse an der Hausarbeit mitbringen.
In Wirklichkeit geht es sowohl um Tonie und Thomas als auch um deren Eltern und Geschwister. An sich ist das ja nicht schlecht, nur hat das Buch kaum Handlung. Und jedes Mal, wenn sich so etwas wie eine Geschichte oder ein wenig Spannung aufzubauen scheint, wird das Kapitel abrupt beendet und mit der Gefühlswelt einer anderen Person weitergemacht.
Die Figuren sind mir durchweg unsympathisch, sie alle sind nur auf sich bezogen, sie alle denken nur daran, wie sie am besten ihre Wünsche erfüllen können und dabei ist ihnen selbst das Wohl ihrer Familienmitglieder wurscht. Jeder lebt in seiner eigenen kleinen Gedankenwelt und wenn sie sich doch mal mit jemandem unterhalten, reden sie aneinander vorbei.
Hinzu kommt, dass sich keiner der Charaktere merklich weitereintwickelt. Sie alle stehen am Ende des Buches genauso da, wie am Anfang. Keiner hatte eine nennenswerte Erleuchtung, die sein Verhalten und seine Einstellung gegenüber seinen Mitmenschen grundlegend verändert. Niemandem passiert etwas aufregendes, abgesehen von ein paar Krankheiten, deren Verlauf jedoch nicht näher erläutert wird: Sie werden krank, alle sind erschüttert und ein Kapitel später sind sie wieder gesund.
Langweilig.
Bestünde dieses Buch nur aus der nichtvorhandenen Geschichte, hätte ich es vermutlich spätestens nach dem dritten KApitel weggelegt.
Aber hier kommt das ganz dicke Plus des Buches: Die Sprache.
Die Autorin hat es geschafft, diese langweilige, ereignislose Story allein durch ihren Schreibstil lesenswert zu machen. Die Art, wie sie schreibt, wie sie sich und den Leser in die Gefühlswelt der Charaktere hineinversetzt, hat mich dazu verleitet, das Buch von vorne bis hinten durchzulesen. Man schafft es, mit den Personen zu fühlen und auch einige Ähnlichkeiten mit sich selbst in ihnen wiederzuentdecken. Zwar sind die Figuren durchweg egoistisch und unsympathisch, doch gleichzeitig sind sie wirklich realistisch und ich zumindest habe in jeder von ihnen wenigstens einen Teil gefunden, mit dem ich mich selbst identifizieren kann.
Fazit: Ich kann das Buch jedem empfehlen, den es nicht stört, wenn die Essenz eines Buches die Sprache ist. Für alle, die es kaufen wollen, weil die Inhaltsangabe so interessant klingt: Lasst euch davon nicht täuschen, die Geschichte ist langweiliger, als es den Anschein hat. Der Schreibstil ist allerdings sehr ansprechend und mitreißend.