Rezension vom 13.01.2013
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In „Die halbe Stadt, die es nicht mehr gibt– Eine Kindheit in Berlin (West)“ nimmt Ulrike Sterblich den Leser mit auf einen Zeitreise in ihre Kindheit und Jugend in West-Berlin; eine Stadt, die es so wie sie war nicht mehr gibt. In kurzen Episoden schreibt sie von den einzelnen Schauplätzen ihrer Jugend, erzählt was sie dort erlebte und wie sie es erlebte. Private Eindrücke und Erinnerungen wurden durch fiktive Details angereichert, sodass ein wundervolles abgerundetes Bild des Berlins vor dem Mauerfall entsteht.Der Alltag von Ulrike und ihren Freunden wird witzig und interessant beschrieben. Die Schulzeit auf der katholischen Mädchenschule, die Entwicklung der Partykultur Berlins; die Schauplätze einer ganz normalen West-Berliner Jugend werden mit bekannten Straßennamen, Stadtvierteln und Sehenswürdigkeiten verknüpft. so erlebt man einerseits eine spannende Reise durch Ulrikes Jugend, die eigene Erinnerungen weckt und lernt andererseits viel über die Absurdität in der damaligen "halbe" Stadt West-Berlin kennen, die man selbst nicht unbedingt erlebt hat. Man gewinnt viele Eindrücke darüber, welche Konsequenzen die Teilung der Stadt für die Berliner hatte. Klassenfahrten, die innerhalb der West-Berliner Grenzen stattfanden, versehentliche U-Bahn Fahrten durch die Ost-Berliner Geisterbahnhöfe, der erste Tagesausflug nach Ost-Berlin.. Was damals Normalität war kann man sich heute als Nicht-Berliner kaum vorstellen.
Die einzelnen Kapitel des Buches sind zudem wundervoll aufgebaut. Jedem Kapitel wird eine Straße, eine Sehenswürdigkeit oder ein Stadtteil West-Berlins zugeordnet. Am Anfang jedes Kapitels ist ein kleiner Ausschnitt des Stadtplans von West-Berlin abgedruckt, der eben diesen Schauplatz zeigt, sodass man die ausgeschnittene Karte auf dem Cover des Buches nach und nach wieder füllen kann, während man die Stadt kennenlernt. Am Ende der Kapitel gibt es noch einmal eine kurze Erklärung zu dem jeweiligen Schauplatz. Man erfährt, warum ein Platz so wichtig war, ob er in der Form noch existiert oder was daraus geworden ist.
Die Mischung von privaten Anekdoten und historischen Fakten ist Ulrike Sterblich wirklich sehr gut gelungen. Der Schreibstil ist humorvoll und fesselnd und die einzelnen Episoden sind sehr amüsant erzählt und werden durch historische und geographische Informationen angereichert sodass dem Leser eine wundervoll authentische Reise durch das West-Berlin der 80er Jahre geboten wird.
Alles in allem ist so ein sehr gelungener Rückblick entstanden, der auch für Nicht-Berliner absolut lesenswert ist.
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