Rezension vom 13.05.2013
(5)
Willow ist mit einer spontanten Gen-Mutation geboren worden, die Osteogenesis imperfecta zur Folge hat, besser bekannt als Glasknochenkrankheit. Bei jedem Stoß, jedem Knuff oder Sturz brechen ihre Knochen wie Zweig im Wind.
Nicht nur sie, sondern auch ihre Familie leiden darunter. Die Belastung ist nicht nur emotionaler Art, auch finanziell ist die Krankheit ein großes Problem, denn Willows Mutter Charlotte kann wegen der intensiv nötigen Pflege nicht arbeiten gehen. Seans Einkommen reicht gerade so, um über die Runden zu kommen.
Nach einem Unfall wollen die Eltern klagen, doch die Klage hat keine Aussicht auf Erfolg, dennoch ergibt sich etwas, das noch nie zur Debatte stand: Charlotte möchte ihre Gynäkologin wegen eines Kunstfehler verklagen.
Solche Klagen sind keine Seltenheit, trotzdem ist sie für alle Beteiligten schwierig, denn Piper Reece ist nicht nur Frauenärztin und Geburtshelferin, sondern auch Charlottes beste Freunde. Bis zur Klage, denn eine dicke Mauer wird dadurch zwischen ihnen aufgebaut.
Aber nicht nur Willows Knochen sind zerbrechlich, auch Familien, Herzen, Freundschaft und ganz besonders Vertrauen. Willows Schwester rutscht in einen Teufelskreis, die Ehe ihrer Eltern geht in die Brüche und schon mit ihren sechs Jahren versteht sie, dass sie mit ihrer Krankheit alle nur unglücklich macht, sie eigentlich gar nicht erwünscht ist.
Doch wie macht man einem kleinen, überaus intelligenten Mädchen klar, dass nicht immer alles so scheint, wie es ist und man manchmal Dinge tun muss, die vielleicht anders sind, als sie zu sein scheinen?
Ich bin es von Jodi Picoult nicht anders gewohnt: dramatisch - und doch authentisch. Herzergreifend - und doch nicht schnulzig. Erfunden - und doch so real.
Natürlich ist es schockierend wenn eine Mutter sagt, sie hätte ihr Kind abgetrieben, wenn sie die Möglichkeit gehabt hätte. Doch auf der anderen Seite zeigt sie ihre Liebe und kämpft wie eine Löwin für Gerechtigkeit.
Nur was ist gerecht? Wer definiert den richtigen Weg, Fairness und all diese Dinge? Ist es nicht im Ermessen jedes Einzelnen, das zu entscheiden?
Besonders gut gelungen fand ich die Darstellung, dass nicht nur Willow unter ihrer Krankheit leidet, sondern auch die Folgen für die Familie. Die Holpersteine in der Ehe, die Verzweiflung der großen Schwester.
Die juristischen Fragen wurden überschaubar dargestellt, so konnte man auch als Laie gut folgen, ohne sich zwischen irgendwelche Paragraphen zu verirren.
Alle Charaktere sind gut geplant und durchdacht, keine der Figuren wirkt seicht oder gar unsympathisch. Natürlich kann man nicht jeden lieben, dennoch habe ich mir jeden einzelnen gut vorstellen können.
Besonders in mein Gedächtnis eingebrannt hat sich eine Szene, als Willow Amelia im Bad entdeckt. Dieser Moment verursachte mir Gänsehaut, denn ich konnte mir Willows Stimme, Mimik und Gestik so gut vorstellen, als würde die Sequenz aus einem Film stammen. Allein der Gedanke treibt mir die Tränen in die Augen.
Vielleicht ist diese Rezension ein bisschen ausgeufert, was aber daran liegt, dass man die Geschichte und vor allem die dabei entstanden Emotionen so unglaublich schwer in Worte fassen kann. Die Autorin erzeugt immer eine ganz einzigartige Stimmung, die schwer zu beschreiben, aber noch viel schwerer zu gestalten ist. Und trotzdem schafft sie es mit jedem Buch wieder.
Meinen persönlichen Soundtrack zu dem Buch hat Brian Crain geliefert.
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