Wien, Stadt der Vampire // Teil 1 der New-Steampunk-Age-Reihe
von Fay Winterberg
Broschiert: 120 Seiten , 8,70€
Verlag: Art Skript Phantastik Verlag; Auflage: 1. (28. Juli 2012)
ISBN-13: 978-3981509243
Genre: Fantasy
Über die Autorin:
Fay Winterberg beschäftigte sich schon früh mit Vampir-Geschichten, bald wuchs in ihr der Wunsch, selbst zu schreiben. Sie probierte verschiedene Genres aus, wobei sich die Vampire immer wieder herauskristallisierten und schließlich zu ihrem bevorzugten Thema wurden. Wien, Stadt der Vampire ist der Auftakt ihrer New-Steampunk-Age-Reihe.
Klappentext:
2090, das Jahr, in dem der Krieg ausbrach. Die verborgene Welt der Vampire offenbart sich der Menschheit und führte auch einen Großteil anderer übersinnlicher Wesen mit ans Licht der Öffentlichkeit. Erst nach Jahren des Krieges gelang es den Nachtwesen, eine Co-Existenz mit den Menschen aufzubauen. Die Halb-Vampirin Lilith Avant-Garde arbeitet als Archäologin, spezialisiert auf übersinnliche Artefakte, und ist Verbindungsglied zwischen Menschen und Vampiren im Europa des Jahres 2207, einer Zeit, die als New-Steampunk-Age betitelt wird. Ihre Aufgabe führt die 26-Jährige nach Wien, denn die Stadt der Vampire hat nicht nur ein neues Oberhaupt, sondern auch ein Problem mit illegalen Werwolf-Fights. Band 1 der New-Steampunk-Age-Reihe von Fay Winterberg legt die Weichen in eine fantasievoll gestaltete Zukunft, deren Frieden jedoch sehr fragil ist.
Rezension:
In einer Welt, in der es Facebook, Wikipedia und Luftschiffe sowie Vampire und Menschen gleichermaßen gibt, ist Lilith Euthalia Avant-Garde, ihres Zeichens Archäologin, spezialisiert auf übersinnliche Artefakte, eine Halbvampirin – ein Dhampir.
Nach einem langen, unerbittlichen Krieg zwischen Menschen und Vampiren, herrscht seit 2207 endlich Frieden zwischen den verschiedenen Gruppen. Zwar ist Misstrauen weiterhin allgegenwärtig, doch gibt es Halbvampire, wie Lilith, die Brücken zwischen Menschen und Vampiren bauen wollen und zur „geschichtlichen Aufklärung“ beitragen.
Nachdem Balthasar, ein Freund ihres Vaters Elias (der Prinz von Dresden und einer der ältesten Vampire), aus seinem langjährigen Schlaf erwacht ist, bekommt Lilith eine Einladung zum Debüt des Prinzen von Wien, dem attraktive Phineas Sevilian.
Der Prinz ist die oberste Instanz der jeweiligen Vampir-Gemeinde. Der Prinz einer Hauptstadt hat damit nicht nur die Stadt, sondern auch alle Prinzen und Gemeinden aus der Umgebung als Untertan. Aus diesem Grund bleibt Lilith nichts Anderes übrig, als der Einladung von Phineas zu folgen.
Und außerdem sind da noch diese illegalen Werwolf-Fights, denen Lilith auf die Spur kommen soll…
Lilith Avant-Garde ist eine zielstrebige, junge Frau, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat eine Brücke zwischen Menschen und Vampiren zu schlagen. Aus diesem Grund reist sie durch die Welt und doziert an Schulen und Universitäten gleichermaßen. Mit ihrer archäologische Abschlussarbeit, die sich mit der Menschheitsgeschichte aus der vampirischen Perspektive beschäftigt, errang sie auch schon einen hohen Bekanntheitsgrad.
Lilith ist die Heldin der Geschichte und mit so viel Glanz und Glorie gepudert, dass man meinen möchte, sie glitzert – was hier nicht der Fall ist. Jeder scheint sie zu kennen und sie hat überall Verbündete und Freunde, die erwähnt werden, aber nicht wirklich etwas zur Geschichte beisteuern, außer einer Überzahl von Namen, die sich der Leser nicht merken kann.
Auf den ersten knapp über 70 Seiten (von 113) wird Lilith als Charakter eingeführt. Der Leser erfährt, wie sie sich kleidet, dass sie kein Blut trinkt und welche Vorlieben die Halbvampirin noch hegt.
Die Autorin verbringt sehr viel Zeit damit dem Leser die Welt, in der Lilith lebt, zu erklären. Auch mit Hilfe von Elias - Liliths Vater- , Balthasar – der ihr Onkel zu sein scheint – und vielen weiteren Nebencharakteren, die sich nur als ‚Mittel zum Zweck‘ anfühlen. Nur leider ist dieses viele tell Infodump, der auf den ersten 18 Seiten mit gefühlten 200 Jahren Geschichte schier zu explodieren scheint. Es wäre besser gewesen, hätte Frau Winterberg mehr Aufmerksamkeit dem Spannungsbogen zugestanden – was die Begegnung mit Phineas und die Werwolf-Fights hätte sein sollen -, als sich auf historische Geschichte zwischen Mensch und Vampir zu versteifen.
Der Kleidung der Leute, besonders Liliths Kleidung und ihr kunstvoll gewickeltes Haar, wurde besonders betont und beschrieben. Leider wurde dadurch der Welt –Liliths Umwelt – viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Es wird zwar erzählt, dass Luftschiffe am Himmel schweben und es keine Autos mehr gibt, aber Pferdeomnibusse, Droschken oder ein grauer Himmel voller Luftschiffsbäuche, wird hier nicht beschrieben. Frau Winterberg erzählt viel, doch zeigt dem Leser erstaunlich wenig von dieser steampunkigen Welt.
Der Stil von Frau Winterberg (der ein an eine Fanfiction erinnert) ist leicht zu lesen, jedoch schreibt sie nicht wirklich nahe an ihren Protagonisten. Liliths Gefühle bleiben ein Buch mit Sieben Siegeln. Aus diesem Grund ist es für den Leser schwer eine Verbindung zur Protagonistin aufzubauen oder sich gar mit ihrem Verhalten zu identifizieren.
Durch die große Anzahl von Nebencharakteren kann sich der Leser durchaus erschlagen fühlen. Denn auch wenn sie nichts zur Geschichte zusteuern, werden sie namentlich erwähnt (wie die Chauffeurin). Hier hätte Frau Winterberg eher auf Klasse, statt Masse setzen sollen. Gerade ein kleiner Cast an Figuren kann eine gewaltige Geschichte stemmen, wenn die Spannungselemente zwischen den Figuren gut aufgeteilt sind.
Der Spannungsbogen der Geschichte, der eigentlich gleich am Anfang greifen sollte, fühlt sich schwerfällig an. Die Geschichte um Lilith tröpfelt vor sich hin, ohne erkennbaren roten Faden oder einer wirklichen Forderung der Protagonistin. Erst ab Seite 92 kam eine gewisse Spannung auf, als Lilith ihre vampirischen Fähigkeiten aktiviert. Dies hätte in den vorherigen Seiten besser aufgeführt werden und – vielleicht – als Schwerpunkt der Geschichte genutzt werden können, denn Lilith scheint mit ihrem vampirischen Ich ein Identifikationsproblem zu haben.
Was sehr positiv hervorsticht ist die Liebesgeschichte zwischen Phineas und Lilith, die sich zart und gleichzeitig sehr intensiv entwickelt. Sie scheinen ein Band, eine Art Blutband, zu besitzen, das sie unweigerlich zueinander hinzieht.
Außerdem scheint Phineas Dinge über Liliths Familie zu wissen, die ihr Vater ihr bisher verschwiegen hatte.
Leider hat das Ende einen faden Beigeschmack, da der Roman die besagten illegalen Werwolf-Fights unbefriedigend auflöst.
Das Lektorat und Korrektorat hätten außerdem ordentlicher arbeiten sollen, denn etliche Druck- oder Schreibfehler sind in diesen 113 Seiten zu finden.
Was besonders hervorzuheben ist, sind die liebevollen Details im Cover, sowie in der Setzung. Die filigranen Ornamente, mit denen jedes Kapitel bedacht ist, sind verspielt und im Jugendstil gehalten, der diese „Steampunk“-Epoche vom 19. Jahrhundert, genauer gesagt um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert, sehr genau trifft. Der Text ist genau in die Mitte zentriert worden. Dadurch muss man den Buchrücken nicht stark auseinander drücken oder hat das Gefühl, dass sie Seiten an den Rand „gequetscht“ sind.
Fazit:
„Wien, Stadt der Vampire" ist das Debüt der Autorin Fay Winterberg und der Auftakt einer New-Age-Steampunk Reihe, die mit einem neuem Vampirmythos und vielen Kuriositäten aufwartet, allerdings auch mit allerlei Klischees, unrunden Dialogen und Anfängerfehlern.
Pro & Kontra:
+ die Liebesgeschichte fügt sich angenehm in die Geschichte ein
+ interessante Ideen
o sehr viele Cliffhanger
o unbefriedigendes Ende
o viel tell, wenig show
o Rechtschreibfehler
- schwach gezeichnete Charaktere
- unpersönliche Erzählperspektive
- Schwacher Spannungsbogen
Wertung: