"Oh ja, es gibt Tage, die des Lebens und des Sterbens wert sind" - Charles Dickens.
Die 17-jährige Hadley soll auf der Hochzeit ihres Vaters Brautjungfer spielen, da sie jedoch den Flieger nach London verpasst, sitzt sie zunächst auf dem überfüllten New Yorker Flughafen fest und kämpft gegen ihre Klaustrophobie an. Vielleicht aber ist es gut, dass sie sich um vier Minuten verspätet hat!? Ob nun Zufall oder Schicksal, sie trifft jedenfalls auf Oliver, einem charmanten, jungen Briten mit dem gleichen Ziel: London. Mit ihm kann sie ganz ungezwungen reden, trotz der Schmetterlinge im Bauch, und sie vertraut sich ihm an, ohne dabei zu merken, dass es Oliver ist, der die Ablenkung viel nötiger hat als sie.
Ihnen bleibt nur eine Fluglänge Zeit - ein Sieben-Stunden-Flug. Diese Zeitspanne kann einem jedoch wie ein ganzes Leben vorkommen, wenn man jung und verliebt ist.
Das wunderschöne, schillernde Cover gibt dem Leser schon einen kleinen Vorgeschmack - die Geschichte ist ganz einfach zauberhaft, sogar "zuckersüß". Wer nun aber annimmt, dass es sich hier lediglich um eine seichte Liebesgeschichte, geschrieben für Jugendliche, handelt, liegt falsch, vielmehr erwarten den Leser traurige und berührende Szenen, wie auch solche, die (mir) das Herz aufgehen lassen.
Durch die authentische Schilderung von Gedanken und Gesprächen ist es der Autorin gelungen, dass ich mich insbesondere Hadley sehr nahe fühlte. Obwohl Jennifer E. Smith für dieses Buch keine Ich-Perspektive gewählt hat, begleitet der Leser die ganze Zeit über die 17-Jährige - kennt ihre Gedanken, ihre Vergangenheit und ihre Familiensituation. Ich habe mit Hadley gefiebert, mit ihr gelitten und auch - wie sie - die Schmetterlinge im Bauch gefühlt ... manchmal wollte ich sie allerdings schütteln und auf den "richtigen Weg" bringen, doch nicht aus Unverständnis für ihr Handeln, zu nachvollziehbar war ihre innere Abwehrhaltung dem Vater und der Braut gegenüber.
Äußerst realitätsnahe habe ich die beiden Familiengeschichten empfunden, die in "Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick" behandelt werden. Und auch die Romanze selbst - die Gefühle zwischen Hadley und Oliver - finde ich keineswegs kitschig, sondern nur wunderschön! Genau so soll sich die Liebe nämlich anfühlen.
"Keiner von beiden rührt sich, keiner spricht. Sie stehen einfach im Dunkeln und schauen einander an, während die Triebwerke unter ihren Füßen brummen. Ihr kommt der - unmögliche, unwahrscheinliche - Gedanke, dass er sie gleich küssen wird, und sie kommt ihm ein winziges Stück näher, während ihr Herz in der Brust umher hüpft."
Der Autorin ist es gelungen, ein Kribbeln in meinem Bauch zu verursachen, nicht nur einmal, sondern an ganz unterschiedlichen Stellen im Buch, ich muss daher sagen, dass ich das Lesen wirklich genossen habe. Die Geschichte besticht durch ihre "Einfachheit", denn Jennifer E. Smith verzichtet auf kitschige, übertrieben romantische Szenen, wie sie in der "normalen Welt" eh (kaum) vorkommen.
Ab und zu braucht man eine Geschichte, die einen träumen lässt ... zugleich aber auf den Boden zurückholt, denn auch "Verlust" ist ein großes Thema in diesem Buch.
Auf nur 222 Seiten weiß die Autorin zu überzeugen! Und obwohl ich den Titel zunächst eher unpassend fand, habe ich auf den letzten Seiten doch noch verstehen können, wie es zu dieser (absolut passenden) Wahl gekommen ist: "Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick".