Harold Fry und seine Frau Maureen haben sich nichts mehr zu sagen. Ihr Sohn ist weg, Maureen schon seit langem ins Gästezimmer umgezogen und Harold seit kurzem im Ruhestand. Maureen und Harold giften sich schon lange nur noch an. Da kommt eines Tages ein Brief für Harold, von Queenie Hennessie: Sie hat Krebs und möchte sich verabschieden. Harold ist geschockt, Maureen fehlen die Worte, viel mitleid hat sie jedoch nicht.
Harold möchte den Brief sogleich beantworten. Jene Worte, welche ihm einfallen, erscheinen ihm als falsch, daher fällt der Brief sehr knapp aus. Maureen kommt auch nicht dazu ihn zu lesen, nicht dass sie es nicht probiert hätte. Harold hat ihn schnell geschlossen und bringt ihn sogleich zum Briefkasten. Er schnappt sich nur schnell seine Regenjacke und schlüpft in die Segelschuhe. Sogar sein Handy lässt er Zuhause.
So läuft er zum Briefkasten. Doch dieser ist zu Nahe, also läuft er zum nächsten und ihm ist es wieder zu schnell gegangen, so läuft er bis zum Nachmittag. Und dann ist er los gelaufen, ohne es geplant, sich bewusst gemacht oder es gewollt zu haben. Dem Leser bleibt nur, ihn auf dieser spannenden Reise zu begleiten.
Ein toller Roman, er hat die verschiedensten Gefühle in mir geweckt.
Ganz persönlich gibt es eine dicke Leseempfehlung von mir. Ich finde Sprache, Geschichte und dadurch geweckte Gefühle, Erinnerungen und Erkenntnisse sind für jeden wünschenswert.
Die Autorin versteht es Spannung auf zu bauen und ich war überrascht, wie fesselnd sie dieses Thema umgesetzt hat. Sprache und kleine besondere Details der Figuren überzeugen, begeistern, geben dem Diamanten einen Schliff. Alles in allem ist der Stoff „Pilgerreise“ in einer wunderbar Gedanken beflügelnden, fortschrittlichen Art umgesetzt.
Ganz persönlich kamen mir Gedanken:
Ich habe nach Jahren endlich ein bisschen Verständnis für meine Großeltern aufgebracht, welche zu ihrem Sohn eine ähnliche 20-jährige Beziehung haben wie Mr. Und Ms. Fry zu ihrem.
In mir ist der Wunsch gewachsen, selbst eine Weile allein zu laufen, mich zu erinnern und manche Erinnerungen dann auch hinter mir zu lassen.
Es gab Erkenntnisse. Manche nahe am Buch, z.B. dass der Tod immer nur denen weh tut, welche zurück bleiben, weshalb auch diejenigen, welche zurück bleiben alles dafür tun das Leben der gehenden zu verlängern. Manche nur dem Buch zugeordnet, da sie während dem lesen kamen.
„Seit ich ganz klein war habe ich mich gefragt, was das ist, mit den Erwachsenen die immer weg schauen wenn ein Kind schlecht behandelt wird. Heute habe ich es erlebt, habe meine ganz persönliche Erkenntnis gehabt. Ich wollte mir die Ohren zuhalten als ich hörte wie eine Frau ein Kind anbrüllte und jenes Kind daraufhin sofort anfing zu weinen. Ein Familienstreit brach aus und ich dachte mein Herz zerspringt, Mitleid, Machtlosigkeit, dass ist es was einen weg schauen lässt, das Gefühl so viel Leid nicht ertragen zu können, das Gefühl selbst zu zerbrechen auch wenn man „nur“ Zuschauer ist.“