2,5 Sterne
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Im Auftaktband „Das Labyrinth erwacht“ nimmt uns der Autor Rainer Wekwerth mit auf die Reise von sieben Teenagern durch ein unbekanntes Land auf Leben und Tod.
Sieben Teenager wachen unter freiem Himmel in einer tristen Umgebung auf, können sich nur an weniges erinnern und wissen nicht, wo sie sind. Versorgt mit einem notdürftigen Survivel-Set treffen die sieben Protagonisten nach und nach aufeinander. Einer der Teenager erwacht mit einem Zettel in seiner Tasche, welcher den Umherirrenden ihre Situation erklärt: Ein Labyrinth über sieben Ebenen, 72 Stunden Zeit um den Ausgang zu finden, doch am Ende jeder Ebene gibt es einen Ausgang als verbleibende Teenager weniger. Die Teenager sehen sich daher einem schrecklichen Überlebenskampf gegenüber; ohne Zusammenarbeit überlebt keiner, doch alle wissen, dass am Ende nur einer übrigbleiben kann.
Der Inhalt klang für mich nach Spannung pur, sodass ich mit großen Erwartungen dieses Buch begonnen habe zu lesen.
Allein das Cover und der im Klappentext genannte Zeitdruck lies mich von einem Nervenkitzelnden Pageturner ausgehen: schmale Gänge, Irrwege, gehetztes Rennen, unheimliche Verfolger und irgendwo das Quietschen einer sich langsam senkenden Tür; das hatte ich erwartet.
Ernüchterung schon auf den ersten Seiten: Eine offene Steppe unter blauem Himmel und langsames, gegenseitiges Beschnuppern der Protagonisten. Das zweite Kapitel erschien vielversprechender zu werden, immerhin wurde einer der Teenager direkt nach dem Aufwachen von schemenhaften Gestalten angegriffen und sah sich schon fast dem Tod gegenüber. Natürlich konnte er entkommen, und da diese Gestalten kaum noch eine Rolle spielten und auch lange Zeit „schemenhaft“ blieben, dachte ich schon, der Protagonist hätte dies alles vor seinem Aufwachen geträumt.
Gut möglich, dass ich mit zu hohen Erwartungen an dieses Buch rangegangen bin, aber irgendwie konnte mich dieses Buch einfach nicht für sich gewinnen.
Die Geschichte beginnt sehr sachte und leicht. Man erfährt schnell, dass es irgendeine Macht gibt, die diese Kinder bewusst in diese Situation gebracht hat. Wieso, erfährt man hier natürlich noch nicht, um etwas Spannung aufzubauen.
Am Ende des Buches wusste man aber leider immer noch nicht mehr, nicht mal einen klitzekleinen Hinweis gab es, was mich nach der letzten Seite mehr als unbefriedigt zurückgelassen hat (an dieser Stelle sei schon mal kurz erwähnt, dass ich ca. die letzten 120 Seiten, wenn eine bestimmte Person im Mittelpunkt der Erzählung gestanden hat, nur noch überflogen habe. Falls also doch was zum Hintergrund des Ganzen dort erwähnt wurde, bin ich selber Schuld, dass ich es überlesen habe). Wenigstens einen kleinen Hinweis hätte ich mir gewünscht, der einen Anreiz gibt, nach dem Lesen noch weiter über diese Geschichte nachzudenken um eigene Theorien aufzustellen.
So sachte, wie die Story begann, lief sie auch überwiegend weiter.
Die Kinder wissen durch diesen mysteriösen Zettel was zu tun ist und beginnen zu Wandern.
Verfolger, die sich merkwürdiger weise im selben Tempo bewegen, daher nie näher kommen aber immer noch nah genug sind, um von ihnen Laute wahrzunehmen, stellen die einzige Bedrohung dar. Der Hauptaugenmerk liegt hier vielmehr im Überlebenswillen der Teenager: unbekannte Gefährten, wenig Wasser und Essen, Hitze und überdurchschnittliche Anstrengung. Die Geschichte lebt daher mehr von der sich entwickelnden Gruppendynamik, als von Spannung durch Zeitdruck und lauernden Feinden.
Dies ist, soweit ich mich erinnern kann, das erste Buch in dieser Art, das ich gelesen habe. Sonst bestanden die Gruppen nur aus weniger Leuten, die sich meist schon kannten oder Ordnung, Hierarchie und Gruppenstrukturen waren schon vorhanden und der Protagonist musste sich dort einfinden oder Kennenlern- und Entwicklungsprozess dieser Gruppe als solche ging einfach langsamer von statten.
An sich also für mich eine neue Idee, die mich nur leider nicht überzeugen konnte. Auf mich wirkte es eher etwas gekünstelt, ich fühlte mich an meine Unterrichtsstunden erinnert, in der ich die Grundprinzipien der Gruppenbildung und Verlaufsprozesse vorgepredigt bekommen habe. Schade.
Im späteren Verlauf wurden die äußerlichen Feinde deutlicher und traten bedrohlich in Erscheinung. Ich muss aber ganz ehrlich sagen, zu diesem Zeitpunkt hatte das Buch mich schon verloren. Hätte ich es nicht für im Rahmen einer Leserunde gelesen, ich hätte es vorher schon an die Seite gelegt. Gut möglich, dass hier noch etwas Spannung aufkam, aber ich wollte ich auch einfach nicht mehr auf dieses Buch einlassen. Zu allem Überfluss wurde ab einem gewissen Punkt, wie oben schon erwähnt, die Erzählperspektive geändert.
Die Story und deren Umsetzung konnten mich nicht überzeugen, die Charaktere leider auch nicht.
Wir haben einen unerschütterlichen Anführer.
Seine zuverlässige, eher ruhige und nicht auffallende rechte Hand (weiblich).
Einen aggressiven Einzelgänger.
Einen eher durchschnittlichen Typen, „den man einfach mögen muss“.
Eine unglaublich arrogante und ekelhafte B** (dieses Wort ging mir permanent durch den Kopf, egal was sie tat oder sagte).
Ein verschüchtertes, schwaches Mädchen.
Einen verschüchterten, schwachen Jungen.
Und alle haben sich in ihrem früheren Leben etwas zu Schulden kommen lassen und wurden möglicherweise deshalb auserwählt für diesen Kampf auf Leben und Tod.
Bin ich zu oberflächlich mit meiner Beschreibung?
Es gab für mich nur einen Hass-Charakter; einen, den ich mochte, leider nicht.
Ein Pluspunkt dafür, dass ein Protagonist im Laufe der Zeit merkt, dass er homosexuell ist. Finde ich grundsätzlich immer gut, da mir diese Selbstverständlichkeit noch zu selten in Büchern vorkommen, die einen anderen Schwerpunkt haben. Dadurch habe ich den Charakter zwar auch nicht mehr ins Herz geschlossen, aber dennoch wollte ich dies noch hervorheben.
Den Schreibstil empfand ich an sich als sehr angenehm, locker, leicht und flüssig. Er half dabei, die eher langsame Story zu überbrücken. Ich empfand ihn auch als sehr bildreich, nur haben mir die Bilder leider nicht gefallen. Ein guter Schreibstil ist sehr wichtig, doch er allein reist ein Buch leider auch nicht rum.
Was mir aber so gar nicht gefallen hat: Gespräche, die sich nach und nach zuspitzten und einen abschließenden Knall mit verheerenden Folgen erwarten ließen wurden IMMER durch ein „plötzliches Geräusch“, einen „plötzlichen Schrei“ oder Ähnliches unterbrochen. Komischerweise meist durch die „schemenhaften Verfolger“, als wenn diese dem Leser wieder ins Gedächtnis gerufen werden mussten und der Autor selber nicht wusste, wie das Gespräch beendet werden soll.
Leider, leider, leider kein besonderes Buch für mich.
Kaum Spannung, kein Miträtseln, keine für mich sympathischen Charaktere.
Schade.