Diana Bishop ist nicht nur eine hochgeschätzte Historikerin, sondern auch eine Nachfahrin der Hexen von Salem. Seit jeher gelten die Hexen der Familie Bishop als äußert mächtig, doch seit Dianas Eltern gewaltsam aus dem Leben gerissen wurden, leugnet sie die Magie, die durch ihre Adern fließt. Bei den Nachforschungen zu einem wichtigen Vortrag gelangt allerdings ein geheimnisvolles Manuskript namens Ashmole 782 in Dianas Hände. Die unerfahrene Hexe spürt sofort, dass etwas mit dem Manuskript nicht stimmt, scheut jedoch die Konfrontation mit ihren magischen Fähigkeiten. Sie ahnt nicht, dass sie mit dem magischen Buch einen Schatz in den Händen hält, hinter dem nicht nur die Hexen, sondern auch Dämonen und Vampire her sind. Besonders der 1500 Jahre alte Vampir Matthew Clairmont interessiert sich für das Manuskript. Doch schon bald gerät auch die Hexe Diana in das Zentrum seiner Aufmerksamkeit.
– Tante Sarah hatte mir immer gepredigt, die Magie sei ein Geschenk. […] Wer seine ererbte magische Macht einsetzte und die Zaubersprüche und Beschwörungen verwendete, die das sorgsam gehütete Geheimnis der Hexenzunft bildeten, musste irgendwann dafür bezahlen. Indem ich Ashmole 782 geöffnet hatte, hatte ich die Mauer durchbrochen, die ich zwischen meiner wissenschaftlichen Arbeit und meinem magischen Erbe errichtet hatte. – (Seite 27)
Anders als zunächst befürchtet, stellt Matthew allerdings keine Gefahr für Diana dar – im Gegenteil. Der Vampir entwickelt sich immer mehr zu ihrem Beschützer und Retter in jeder Notlage. Außerdem hilft er der Hexe ihre Wurzeln und somit auch ihre Fähigkeiten zu ergründen. Schon bald nähern sich der altmodische Vampir und die quirlige Hexe einander an, doch ein Happy End ist noch in weiter Ferne. Diana und Matthew brechen mit ihrer Liebe einen Pakt, der seit vielen Jahrhunderten besteht und jede Verbindung nicht-menschlicher Kreaturen verbietet. Plötzlich schweben die beiden nicht nur wegen ihrer Nachforschungen zu Ashmole 782 in Gefahr, sondern auch wegen ihrer Zuneigung zueinander. Da die beiden durch ihre Gefühle einen Krieg der Kreaturen hinaufbeschwören, brauchen sie dringend Verbündete und so müssen schließlich Hexen, Dämonen und Vampire in ihrem Umfeld die Vorurteile ablegen und gemeinsam mit Diana und Matthew gegen die aufziehenden Wolken am Horizont kämpfen …
Eine Hexe und ein Vampir, eine unsterbliche Liebe und ein aussichtsloser Kampf
Mattew und Diana haben sich gefunden. Es ist die große Liebe zwischen den beiden, die niemand mehr zu trennen vermag. Die Charaktere, die ich einzeln betrachtet sehr spannend finde, empfinde ich als Paar als mittelschwere Katastrophe. Auf der einen Seite verhält sich eine gestandene Wissenschaftlerin plötzlich wieder wie ein kleines Mädchen und auf der anderen Seite haben wir den geheimnisvollen Fremden, der sich und seine Herkunft gekonnt in Szene setzt, um die attraktive Protagonistin für sich einzunehmen und doch nicht die Zähne auseinander bekommt, wenn es um wirklich wichtige Angelegenheiten geht. Die beiden wissen nichts voneinander und doch steht bereits nach vier Wochen fest, dass sie sich unendlich lieben und einen kaum vorhersehbaren Krieg der Kreaturen hinaufbeschwören wollen. Ich bin mir nicht sicher, ob mir diese plötzliche große Liebe gefällt oder eher nicht. Zumindest hätte ich mir an den beiden deutlich mehr Ecken und Kanten gewünscht – und damit meine ich nicht noch mehr Selbstbewusstsein bei dem Vampir, der sich anderen stets überlegen fühlt. Doch wo es den Protagonisten vielleicht gelegentlich an Profil mangelt, kommen die Nebencharaktere ins Spiel. Sie sind liebevoll ausgearbeitet und jeder für sich etwas ganz Besonderes.
So schnell wie sich die Liebesgeschichte zwischen der Hexe und dem Vampir entwickelt, so träge gestaltet sich der Rest der Handlung. Häufig stehen Matthew und Diana derart im Mittelpunkt, dass die Rahmenhandlung gelegentlich in den Hintergrund gedrängt wird. So trägt die Liebesgeschichte der beiden, die sich wie bereits erwähnt recht schnell entwickelt, gemach durch die Handlung. Allerdings hat Deborah Harkness es nach einigen langatmigen Passagen immer wieder geschafft, mich mit einem kleinen Highlight in die Handlung zurückzuholen. Das Spiel mit dem Leser beherrscht sie in dieser Hinsicht perfekt. Und ebendieses Spiel treibt sie in den letzten Kapiteln auf die Spitze. Die einst so ruhige Handlung verspricht plötzlich ein Abenteuer, das die Leser nicht mehr loslässt.
Fazit: Wer dran bleibt, wird belohnt …
Ich habe lange gebraucht, bis ich Die Seelen der Nacht wirklich als spannend empfand. Besonders im ersten Drittel habe ich tatsächlich zwischendurch überlegt, ob ich den Roman abbrechen soll. Doch nachdem ich mich an die nahezu perfekte Diana und den gelegentlich machohaft wirkenden Vampir gewöhnt habe, hat es Deborah Harkness heimlich still und leise doch geschafft mich zu packen und mitzureißen. Schließlich kam ich nicht umhin, zu schauen, ob der zweite Band Wo die Nacht beginnt halten kann, was der Cliffhanger im ersten Band verspricht. Mehr dazu in der nächsten Rezension, die sich um Wo die Nacht beginnt dreht.