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2.457 Eselsohren, 214 Bücher, 16 auf dem Wunschzettel, 84 Rezensionen, 147 Tags, 139 Bewertungen (Ø 4,45), 2 Gruppen, 74 Freunde
VeroNefass Rezensionen
Rezension vom 27.04.2013 (0)
Inhalt:
Zehn Jahre nachdem Sarah,Tracy und Christine aus den Fängen eins sadistischen Psychopathen befreit wurden, steht seine mögliche Bewährung im Raum. Alle drei Frauen kämpfen immer noch mit den Nachwirkungen ihres Martyriums und Jennifer, Sarahs beste Freundin, hat die drei jährige Gefangenschaft nicht überlebt. Ihr Leiche jedoch blieb verschwunden. Um die Bewährung zu verhindern macht sich die schwer traumatisierte junge Frau auf die Suche nach der Wahrheit, nach den Hintergründen für die Tat und vor allem auf die Suche nach Jennifers Überresten, um den Täter doch noch wegen Mordes überführen zu können. Schon bald wird klar, dass es für Sarah nur einen Weg gibt – zurück zu dem Haus, in dem der Alptraum begann …
Kritik:
Mit einem Wort: WOW. Das Buch packt einen, hält einen fest und lässt bis zur letzten Seite nicht mehr los. Psychologisch und tiefgründig erzählt.
Vor allem das Schicksal der Protagonisten ist beängstigend realistisch dargestellt. Auch wenn Koethi Zan bewusst nicht mit ekelerregenden Details um sich wirft, so verrät sie genug um die Phantasie des Lesers anzuregen. Ich hatte beim Lesen regelmäßig Gänsehaut, musste das Buch sogar einige Male kurz zuklappen und mir bewusst machen, dass ich in keinem Keller bin, dass ich nicht angekettet in einem dunklen Verlies sitze, dass ich keine Angst haben muss. Das Buch ist überwältigend lebendig und sehr feinfühlig geschrieben. Obwohl die Geschichte komplett aus der Ich-Perspektive erzählt wird, wechseln sich Sarahs Monologe, in denen sie aus ihrer Vergangenheit berichtet, mit dem aktuellen Geschehen ab. Dadurch wird zusätzliche Spannung erzeugt, denn in dem Maße in dem Sarah ihre Vergangenheit bewältigt, wird der Leser dorthin zurück geführt. Vor allem aber wird es – trotz viel Storytelling – hier nicht langweilig. Gerade weil die Sprache der Autorin sehr ausdrucksstark ist: authentisch, wortgewandt, gespickt mit einer Prise Sarkasmus und Wortwitz, die das ansonsten sehr bedrückende Thema geschickt auflockern.
“Nach zwei Monaten an der Uni hegte ich insgeheim tatsächlich die Hoffnung, dass wir anfangen könnten, wie normale Menschen zu leben. Ich glaubte, dass wir die Ängste und Sorgen unserer Jugend einfach beiseiteschieben und wie unser Kinderspielzeug in Kartons verpacken könnten. In ketzerischer Abkehr von allem, woran wir glaubten, erwachte in mir der Gedanke, dass unsere Kindheitsobsessionen vielleicht nur das waren: Obsessionen. Und wir jetzt endlich erwachsen wurden.” (Seite 15)
Das Handeln der Protagonistinnen ist zu jeder Sekunde nachvollziehbar und glaubhaft erklärt, obwohl keine der Figuren wirklich “normal” ist. Umso erstaunlicher ist es, wie leicht man sich – vor allem in Sarah – hineinversetzen kann, wie sehr man innerhalb weniger Seiten eine Beziehung zu den Figuren aufbauen kann und mit ihnen mitleidet, bzw. mitfiebert. Trotz unterschiedlicher Entwicklungen nach der Befreiung, empfindet man für Sarah, Tracy und Christine Verständnis, Mitgefühl, sogar Respekt und kann jede einzelne Reaktion nachvollziehen, egal wie befremdlich sie wirken mag.
“Danach” ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend und eigentlich gibt es am Buch fast nichts zu meckern. Die Autorin hat die Gesamtstruktur der Geschichte sehr gut aufgebaut und die einzelnen Fäden zu einem logischen Netz verknüpft. Nur das Ende, das war mir dann fast einen Tick zu kurz und auch vorhersehbar. Hier hätte ein längerer Showdown nicht geschadet. Es liegt nicht daran, dass am Ende zu wenig dramatisches passiert, sondern eher daran, dass man so tief in der Geschichte hängt, dass man gar nicht glauben kann, dass sie jetzt tatsächlich vorbei sein soll, denn eigentlich könnte man am Ende noch eine Geschichte erzählen, oder vielleicht sogar ein paar mehr.
‘Siehst du sie?,’ fragte ich, dass ich der Zurschaustellung von Upper-East-Side Perfektion den Rücken zudrehte.
‘Nein. Wahrscheinlich hat sie eines ihrer Kindermädchen geschickt.’, antwortete Tracy verächtlich.
‘Sie hat gleich mehrere?’
‘Das war vielleicht ein bisschen ungerecht, ich spekuliere nur. Oh warte, ich glaube da hinten kommt sie. Schwer zu sagen, diese Frauen sehen alle gleich aus … ” (Seite 119)
Fazit:
“Danach” von Koethi Zan ist ein ganz erstaunliches Debüt, eine Story die tief berührt, eine Geschichte, die man sich nicht mal im Ansatz vorstellen will. Ein feinfühliger, psychologisch sehr gut recherchierter Roman. Gleichzeitig spannend und fesselnd, wie ein guter Thriller sein soll und dabei so eindringlich und emotional erzählt, dass man nicht anders kann, als das Leid und die Verzweiflung der Protagonisten mitzuerleben. Sprachlich ist dieses Buch in jeder Hinsicht eine Wohltat. Nicht nur der vielfältige Wortschatz der Autorin, sondern auch die Leichtigkeit mit der sie Sprache und deren Wirkung einsetzt ist großartig.
Einzig das Ende ist mir einfach einen kleinen Tick zu kurz und zu schnell erzählt. Da wäre noch etwas mehr drin gewesen. Das ändert aber nichts an der Bewertung. Wer spannende, psychologische Thriller mag der wird hier definitiv auf seine Kosten kommen.
“Für uns gab es sowas wie das Schicksal nicht. Schicksal war ein Wort, das man benutzte, wenn man unvorbereitet war, wenn man leichtsinnig wurde, wenn die Aufmerksamkeit nachließ. Schicksal war die Krücke der Schwachen.” (Seite 10)
Rezension vom 29.03.2013 (1)
Inhalt
An einem heißen Sommertag wird eine bestialisch zugerichtete Frau am Straßenrand in Elkwood aufgegriffen. Claire Lambert hat unvorstellbares erlebt und entkommt als Einzige einem Martyrium ungeahnten Ausmaßes. Ihre Freunde sind tot. Aber die Schatten lassen sie nicht los, ihre Geister verfolgen sie bis in ihre Träume …
Ein ehemaliger, an PTBS erkrankter Soldat findet, nach der Rückkehr aus dem Irak, heraus, dass sein Bruder unter den Opfern in Elkwood ist. Er sinnt auf Rache.
Eine Kellnerin, die von ihrem, sie misshandelnden, Freund nicht los kommt, erhält unerwarteten Besuch aus der Vergangenheit, der einzigen wirklich glücklichen Zeit in ihrem Leben. Sie muss endlich kämpfen.
Drei Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, wissen, dass es nur eine Möglichkeit gibt, um ihrer eigenen Hölle zu entfliehen: Sie müssen zurück nach Elkwood …
Kritik
Dieses Buch ist unglaublich. Eine Self-publishing Perle, wie man sie nur selten findet.
Von der ersten Seite an taucht man, überwältigt von den sprachgewaltigen Bildern, die der Autor zeichnet, in die Story ein und kommt nicht mehr davon los. Fast wie in einem Film ziehen die düsteren, beängstigend Bilder vor dem geistigen Auge am Leser vorbei. Kealan Patrick Burke schreibt hier mit einer solchen Intensität, dass man die Hitze fast fühlen kann, dass die Schmerzen und das Leid von Claire fast körperlich zu spüren sind und die Angst fast greifbar wird. Das alles, ohne sich in ekelerregenden Details völlig zu verlieren. Nichts desto trotz ist diese Geschichte grausam, brutal, schonungslos, zum Teil wirklich abartig und absolut nichts für schwache Nerven. In fast jedem Schreibkurs lernt man so ziemlich als erstes, dass man möglichst auf Vergleiche verzichten soll, dass zu viele Adjektive Gift für eine gute Geschichte sind, aber dem möchte ich hier ausdrücklich widersprechen. Der Stil des Autors lebt geradezu von eben jenen Vergleichen und Adjektivketten.
“Again she pushed, and again she was withheld. This time the barbs pierced her skin. Troubled, she took a half-step back, the black wire thrumming like a guitar string strummed by the breeze. A single drop of her blood welled from the iron tip of a barb and hung, suspended in time, refusing the sun, before it plummeted and colored crimson a finger of grass.”(Pos. 108)
Die Charaktere selbst, die sehr zahlreich ausfallen, wirken lebendig und “echt”, auch wenn ich sie jetzt nicht als alltäglich bezeichnen würde. Die Biographien unterscheiden sich zum Teil – bedingt durch die Geschichte – deutlich von der Norm. Trotzdem fällt es einem leicht die Handlungen und Beweggründe nachzuvollziehen.
Der wirklich interessante Aspekt des Buches ist aber nicht die physische Brutalität, sondern vor allem die psychische Gewalt, die hier sehr eindrucksvoll geschildert wird. Dadurch hebt sich das Buch von der Masse der Splatter-Literatur ab. Diese Geschichte hat wirklich Tiefgang, geht unter die Haut und stellt einen mehr als einmal vor die bange Frage: “Was wäre wenn?”.
The thrid kind of silence was, when you were surrounded by people, all of them staring without seeming to breathe, none of them moving or saying a word because what they had to say was written in their eyes, and that message was not good. This was the worst kind of silence, the most dangerous kind. This was the one luke found himself faced with when he finally made it home. (Pos. 312)
Die Kapitel sind relativ kurz gehalten, die Perspektive wechselt zwischen den verschiedenen Personen und Erzählsträngen, ohne zu verwirren. Das erhöht die vorhandene Grundspannung nochmal und man kann das Buch respektive den E-book Reader kaum aus der Hand legen. Von der ersten bis zur letzten Seite ein spannungsgeladener Pageturner, den man nicht so leicht verdaut.
Bisher gibt es das Buch nur auf Englisch, aber mit normalem Internet-Schulenglisch kommt man hier eigentlich gut durch. Gelegentlich ist der Griff zum Wörterbuch nötig, im Großen und Ganzen ist es gut und relativ leicht zu lesen, trotz der außergewöhnlich wortreichen Sprache.
Fazit
“KIN” ist ein großartiger Hardcore-Thriller, eine überzeugende Geschichte, die nicht nur brutale Gewalt beschreibt, sondern vor allem durch psychologischen Tiefgang besticht. Die Charaktere erscheinen, trotz der zum Teil ungewöhnlichen Biographien, sehr wirklich, das Setting ist eindrucksvoll ge- und beschrieben. Fast wie in einem Film. Aber Vorsicht: Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven, absolut nichts für den geneigten Krimi-Leser und wer Sebastian Fitzek brutal findet, der sollte hiervon die Finger lassen. Wer dieses Buch kauft, der sollte das im vollen Bewusstsein tun, dass das hier keine kuschelige Romanze mit ein bisschen Mord und kein softer Feierabend-Thriller ist. Diese Geschichte ist harter Tobak: Kannibalismus inbegriffen. Krank, abartig, grausam aber verdammt gut!
Das Englisch ist gut verständlich und auch für den ungeübten Leser, ohne all zu häufigen Griff zum Wörterbuch, zu meistern.
5/5 Sternen
Rezension vom 25.03.2013 (8)
(Blogrezension) Heute gibt es mal wieder eine Premiere auf meinem Blog: Die erste “Nicht-Rezension” zu einem Buch. Warum und was das bedeutet, dass erfahrt ihr im Text
Trotzdem ein bisschen Inhalt:
Lou ist 26, lebt in einer Kleinstadt bei ihren Eltern, hat einen Job als Kellnerin, den sie liebt und einen Freund, den sie eigentlich nicht liebt. Als sie entlassen wird, steht ihre Welt und vor allem die Finanzen der Familie erstmal Kopf. Kurzentschlossen nimmt sie eine Stelle als Pflegehilfe bei einem schwer kranken Mann an, nicht ahnend, dass das ihr Leben für immer verändern wird.
Will ist ein lebenslustiger, agiler, erfolgreicher junger Mann – jedenfalls war er das, bis zu seinem Unfall. Seitdem ist er an den Rollstuhl gefesselt, schwer depressiv und vegetiert mehr, als das er lebt. Noch ahnt er nicht, dass Lou sein Leben völlig auf den Kopf stellen wird …
Eigentlich käme hier die Kritik:
Liebe LeserInnen, ihr wisst, dass ich gerne und viele Rezensionen schreibe. Dieses Buch jedoch kann und will ich nicht rezensieren – jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinn. Warum? Weil es nicht geht: Jeder Satz, jedes Wort würde den Zauber des Lesens zerstören, jede Analyse der Sprache oder der Figuren wäre eine Kastration der Kraft und der Tiefe dieser Geschichte.
Jedes Wort über meine Emotionen beim Lesen wäre ein Wort zuviel, dass vielleicht einem anderen die Möglichkeit nehmen würde das Buch selbst zu erleben.
Vor allem aber hätte mich der Hintergedanke an eine Rezension davon abgehalten, das Buch wirklich zu genießen, die Geschichte in mich aufzusaugen und tief in die Welt von Will und Lou einzutauchen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich nicht eine Sekunde auch nur einen Gedanken daran verschwendet habe, was ich im Anschluss an die Lektüre schreiben könnte. Das ist mir bisher auch noch nie passiert.
“Ich stand mitten im Raum, die Hände in die Taschen gebohrt und wusste nicht, was ich tun sollte. Will Traynor starrte weiter aus dem Fenster, als wäre ich nicht da.
“Möchte Sie, dass ich Ihnen einen Tee mache?”, fragte ich schließlich, als das Schweigen unerträglich wurde.
“Ah stimmt. Das Mädchen das seinen Lebensunterhalt mit Teekochen verdient. Ich habe mich schon gefragt, wie lange es dauern würde, bis sie mir ihre Talente beweisen wollen. Nein. Nein danke”.
“Dann vielleicht einen Kaffee?”
“Ich habe derzeit keinen Bedarf an warmen Getränken, Miss Clark.”
“Sie können mich Lou nennen.”
“Macht das irgendwas besser?” (Seite 55)
“Ein ganzes halbes Jahr” ist mit Abstand die bewegendste, ergreifendste, überwältigendste (Liebes)Geschichte, die ich je gelesen habe. Mitten aus dem Leben – mitten ins Leben, mitten ins Herz. Ein Buch, dass nicht nur tiefe Emotionen weckt, sondern auch lange und nachhaltig zum Nachdenken anregt. Ein Buch, über das man aber definitiv mit jemandem Reden muss! Sucht euch also einen Freund, eine Freundin die mit euch gemeinsam liest. Ihr werdet es brauchen.
Ich will dieses Buch nicht analysieren, zerpflücken, in seinen Bestandteile zerlegen. Ich will es als ganzes genießen und auch so in Erinnerung behalten. Vielleicht ist auch manchmal die beste Kritik an einem Buch, dass man gar keine Kritik schreiben kann, wer weiß?
[Lou]“Ich mag keine Filme mit Untertiteln”
“Da könnten sie genauso gut sagen, sie mögen keine Filme mit Schauspielern. Machen sie sich nicht lächerlich. Was gefällt ihnen denn nicht daran? Die Tatsache, dass sie gleichzeitig lesen und den Film schauen müssen?” (Seite 96)
Eines aber weiß ich sicher: Ich werde die Geschichte, ich werde Lou und Will, ich werde dieses Gefühl beim Lesen für immer in meinem Herzen tragen und ich kann euch nur wünschen, dass ihr diesem Buch die Chance gebt euer Herz zu erobern, auch wenn ihr “sowas” eigentlich gar nicht lest.
Sowas wie das Fazit:
“Ein ganzes halbes Jahr” ist eine Geschichte die bewegt, zum Nachdenken anregt und aufwühlt. Das Buch besticht, neben der wirklich zu Herzen gehenden Story, durch ein äußerst lebensnahes Setting und absolut glaubhafte Haupt- und Nebenfiguren, die in jeder Sekunde echt und natürlich wirken. Ein Buch, dass dich zum Lachen bringt und zu Tränen rührt, eine Geschichte die dich gefangen nimmt und nie wieder los lässt. Und noch während ich diese Zeilen schreibe wird mir klar, dass ich die Stimmung des Buches kaum in Worte fassen kann- es bleibt euch also nichts anderes übrig, als die Erfahrung selbst zu machen, denn mir fehlen die Worte. Und das kommt – mit Verlaub – nicht all zu oft vor . Von mir gibt es ganz klar nicht nur eine Leseempfehlung, sondern schon fast einen Lesebefehl!
Will und Lou sind die überragend authentischen, liebenswürdigen Figuren einer ergreifenden Geschichte, die für immer einen Platz in meinem Herzen haben werden.
“Es geht mir gut. Ich will einfach [...] Ich will einfach noch nicht hineingehen. Ich will einfach hier sitzen und nicht daran denken …” Er schluckte. Sogar im Halbdunkel wirkte dieses Schlucken mühsam. “Ich will einfach … ein Mann sein, der mit einem Mädchen im roten Kleid im Konzert war. Dieser Mann will ich einfach noch ein paar Minuten länger sein.” (Seite 238)
Rezension vom 18.03.2013 (2)
Inhalt
Sie erwachen an einem unbekannten Ort, nackt und ohne Erinnerung an ihr Leben oder daran wie sie an diesen Ort gekommen sind. Sie wissen nur noch ihre Namen. Sieben Jugendliche, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, treffen sich in einer unwirklichen Welt. Alles was sie haben ist ein Brief, der ihnen sagt, dass sie durch sieben Welten gehen müssen, um an jeweiligen Ende durch ein Portal in eine neue Welt zu gelangen. Der Haken: Es gibt immer ein Portal zu wenig und sie können nur überleben, wenn sie zusammen halten, denn sie sind nicht alleine. Etwas jagt sie unerbittlich: Die eigene Angst …
Kritik
Im Großen und Ganzen ein starkes Buch. Zu Beginn geht es dem Leser wie den Charakteren: Er ist verwirrt, orientierungslos und findet sich plötzlich in einer unwirklichen Welt wieder, deren Existenz er sich nicht erklären kann. Genausowenig wie er weiß, warum er sich dort befindet oder wie er dort hingekommen ist. Zusammen mit den Jugendlichen Jeb, Jenna, Léon, Kathy, Mary, Tian und Mischa macht ersich auf die Reise durch das unwirkliche Gelände, gejagt von namenlosen Schatten, getrieben von Schreien und panischer Angst und dem dringenden Wunsch zu überleben.
Und diese Charaktere haben es in sich. Sieben sehr unterschiedliche Jugendliche, die durch einen unerklärlichen Umstand zusammen in einem tödlichen Abenteuer landen. Zum einen sorgt diese Mischung aus Konkurrenz und aufeinander angewiesen sein für ausgeprägte Spannungen innerhalb der Gruppe, zum anderen natürlich auch für eine ganz eigene Dynamik, da jede Figur ihren Platz finden muss, da sich die Jugendlichen kennen lernen müssen und natürlich auch der Leser sich langsam an die Charaktere herantasten muss. Besonders schwierig gestaltet sich das auch dadurch, dass die sieben Teenager nichts von ihrer Vergangenheit zu wissen scheinen. Erst allmählich tauchen Erinnerungsfetzen an ein vorheriges Leben auf – tragische, traurige, unglückliche Erinnerungen und schnell wird klar, dass jeder aus der Gruppe sein Päckchen zu tragen hat, vielleicht sogar eine undefinierte Schuld auf sich geladen hat. Gerade durch das Fehlen einer eindeutigen Biographie ist es schwierig die Figuren einzuschätzen – einerseits verhalten sie sich wie unreife,pubertierende Teenager – andererseits agieren sie besonnen und erwachsen, fast schon zu souverän. Eigentlich gerät niemand in Panik, obwohl die Situation ohne Erinnerungen an einem unbekannten Ort aufzuwachen, doch eigentlich schon äußerst beängstigend sein muss. Hin und wieder wirken sie fast zu “perfekt”, zu klug. Sie machen mir einfach zu wenige Fehler.
Gelungen hingegen finde ich, dass eigentlich keine Figur als rein “gut” oder “böse” definiert werden kann. Natürlich gibt es Sympathieträger bzw. deren Gegenpart, aber man ist sich schnell im Klaren, dass unter der jeweiligen Oberfläche ein düsteres Geheimnis lauert oder lauern kann.
Beim Lesen springt man ständig zwischen den einzelnen Figuren hin und her, erlebt die Geschichte mal aus der einen, mal aus der anderen Perspektive – dadurch gewinnt man einen sehr allumfassenden Überblick über die Dynamik innerhalb der Gruppe, weiß also mehr als die Protagonisten. Das führt hin und wieder dazu, dass man das Gefühl hat “zuviel” zu wissen und das Agieren einer Figur erstmal als unlogisch empfindet.
Der Roman ist gut zu lesen, wenn auch sehr umgangsprachlich geschrieben. Für ein Jugendbuch aber absolut in Ordnung, auch wenn es meinen persönlichen Geschmack nicht unbedingt trifft. Es fällt einem nach den ersten Seiten sehr leicht sich im “Labyrinth” zu verlieren. Nur gelegentlich sprechen die Figuren etwas zu gestelzt und aufgesetzt für ihr Alter, das man übrigens sehr schwer schätzen kann, weil ihre Erfahrungen fast zu viel scheinen für das geringe Alter.
Was aber absolut über allem steht ist das große, dicke Fragezeichen im Kopf des Leser: Was ist das für eine Welt? Warum sind die Jugendlichen dort? Wer hat sich dieses perfide Spiel ausgedacht? …
In “Das Labyrinth erwacht”, beginnt eine Trilogie um ein perfides Spiel mit dem Leben von sieben Jugendlichen, die einem mehr oder weniger ans Herz wachsen, von denen man aber weiß, dass man sich von ihnen wird verabschieden müssen. Und ich glaube, das wird mir im zweiten Teil nicht leicht fallen.
Fazit
“Das Labyrinth erwacht” ist ein spannender und vielversprechender Auftakt einer – wie es scheint – außergewöhnlichen Trilogie. Der Plot gefällt mir sehr gut, auch wenn die Story an sich wirklich grausam ist. Allein das Wissen darum, dass man sich von den Figuren der Reihe nach wird verabschieden müssen, ist bedrückend. Diese Charaktere, die mir vor allem aufgrund ihres individuellen Wesens und ihrer noch nicht ganz offensichtlichen Biographien gefallen, sind im wahrsten Sinne des Wortes Figuren in einem perfiden Spiel, dessen Hintergründe noch absolut im Dunkeln liegen. Hin und wieder erschienen mir die Jugendlichen aber zu “erwachsen”, zu “ruhig”, für die Situation in der sie sich befinden und zu klug in ihrem Handeln für das geringe Alter (obwohl es ein Jugendroman ist)!
Auch ist mir noch nicht ganz klar, warum das Buch als “Thriller” klassifiziert wird, wenn es doch bisher eher an einen Fantasy Roman im weitläufigen Sinn erinnert.
Zu Beginn des Buches musste ich u.A. an “The Cube” denken und natürlich steckt in der Story viel altbekanntes – es ist nichts Neues, dass eine Gruppe von Leuten bunt zusammengewürfelt wird, gemeinsam los zieht und/oder am Ende immer einer zu viel ist, – aber es ist gut verpackt und darauf kommt es schließlich an.
Ich freue mich sehr auf Teil zwei und ich hoffe, dass zumindest ein paar der Fragen beantwortet werden, die mir im Kopf herum spuken. Und ich hoffe, dass von den Charakteren, die mir so ans Herz gewachsen sind, keiner mehr gehen muss.
Rezension vom 07.02.2013 (11)
Inhalt
Es ist ein Tag im Jahr 1099 nChr. Die Kreuzritter belagern die Stadt Jerusalem und stehen kurz vor dem finalen Angriff, als der Mann, den sie “Der Kopte” nennen, die Gläubigen zu sich ruft, um zu lehren und von ihnen zu lernen. Sie sollen im Fragen stellen, die sie bewegen und wird versuchen Antworten darauf zu finden.
Kritik
Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Eigentlich bin ich ein großer Fan, sowohl von Paolo Coelho als auch vom Diogenes Verlag, und habe mich daher sehr auf das neue Werk des Autors gefreut, aber dieses Buch ist in meinen Augen der blanke Hohn.
Zum einen wird das Buch künstlich in die Länge gezogen. Eine übermäßig große Schrift und dicke Seiten suggerieren Länge, die gar nicht vorhanden ist. Um dem noch eins drauf zu setzen sind von den ohnehin nur knapp 180 Seiten auch noch 34 Seiten leer und 22 mit gerade mal ein bis zwei Sätzen (die Fragen an den Kopten) beschrieben.
Und das, was auf den wenigen tatsächlich beschriebenen Seiten steht, reißt es leider nicht raus. Abgedroschene Plattitüden reihen sich aneinander. Inhaltsleere Phrase im Wechsel mit grandioser Selbstbeweihräucherung. Und nur gelegentlich stößt man mal auf ein bis zwei Sätze, die ein bisschen was vom alten Zauber des Herrn Coelho erahnen lassen.
”Denn für die meisten Menschen bedeutet Großzügigkeit nur Geben. Aber etwas zu empfangen ist auch ein Akt der Liebe: zuzulassen, dass der andere Mensch uns glücklich macht – und das dies ihn ebenfalls beglückt”(Seite 98)
Allerdings ist ein Großteil des Buches ohne jeden Sinn, auch wenn der Verfasser den überaus perfekten Kopten gerne als allwissend hinstellen möchte, jedenfalls lese ich das so zwischen den Zeilen. (Ist ja genug Platz)
Coelho – oder besser gesagt – der Kopte gibt z.B. den “großartigen” Rat, dass man seine Träume leben sollte, dass man sozusagen alle Brücken abreißen und Risiken eingehen muss, um sein Glück zu finden. Ist ja an und für sich ein netter Rat. Mit ein paar Millionen auf dem Konto mag das auch durchaus funktionieren. Aber für jemanden, der eine Familie zu versorgen hat, liest sich das eher wie Spott. Frei nach dem Motto “Tja, hättest du dir halt nicht so viel Balast auferlegt, dann könntest du jetzt viel besser leben”.
“Wir werden allein geboren und sterben allein. Aber solang wir auf der Erde sind, müssen wir zu unserem Gemeinsamen glauben stehen”(Seite 103)
“Und jene die das Alleinsein bedrückt, sollten sich in Erinnerung rufen, dass wir in den entscheidenden Augenblicken des Lebens immer allein sind. Wie das Kind, wenn es aus dem Leib der Mutter kommt. Egal, wie viele Menschen bei seiner Geburt zugegen sind, letztlich entscheidet es allein, ob es leben will. (Seite 42)
Mir scheint, bei der Bedeutung von “allein sein” ist mir etwas Wesentliches entgangen in den letzten Jahren.
Mal ganz abgesehen davon, dass sich der überaus weise Mann in diesem Buch auch noch selbst widerspricht. “Wer nicht kämpft hat schon verloren” – welch großartige Erkenntnis. Ein paar Seiten vorher ermuntert er seine Zuhörer aber zu fliehen, da der Kampf aussichtslos sei. Ok, er nennt es nicht fliehen, sondern “mit einem unsichtbaren Schwert in die Welt hinausgehen und mit ihm die Dämonen der Unduldsamkeit und Engstirnigkeit bekämpfen”, aber nichts desto trotz ist es sehr vermessen zu glauben, dass man die Antworten auf die Fragen im Alltag des Lebens wüsste. Selig sind ja sowieso nur die, die die Schriften gelesen haben und verstehen wollen. Alle anderen sind engstirnige Idioten. Amen.
Fazit
Diese Buch ist – in einem Wort – enttäuschend.
Während mich Werke wie “Veronika beschließt zu sterben”, “Der Alchimist”, oder “Der Dämon und das Fräulein Prim”, in ihren Bann gezogen und geradezu verzaubert haben, musste ich mich hier tatsächlich zwingen weiter zu lesen. Ich gebe zu, dass ich ab etwa der Hälfte die Seiten nur noch überflogen habe.
Von der künstlich erzeugten Länge durch die vielen Leerseiten mal ganz abgesehen, besteht der Text aus selbstbeweihräuchernden Geschwafel und abgedroschenen Phrasen. Und das noch nicht mal schön erzählt. Kein bisschen Zauber, kein bisschen Träumen – einfach nur aneinandergereihte Banalitäten. Sinn sucht man allerdings oft vergebens.
Nach dem Buch zu urteilen bin ich jetzt leider für den Rest meines Lebens verdammt, aber dieses Risiko will ich eingehen. Denn ich gehe mal davon aus, dass mit “Worte hören” und “Schriften lesen” nicht gemeint ist, dass man genervt den Kopf schüttelt und sich fragt, was das eigentlich soll.
Finger weg.
“Doch selig sind die, die die Worte hören oder die Handschrift lesen, denn der Schleier wird für immer zerreißen und es wird nichts Verborgenes mehr geben, das ihnen nicht offenbart wurde. (Seite 183)”
1/5 Sternen
Rezension vom 30.01.2013 (13)
Inhalt
Eva Rossbach, reiche Erbin eines großen Unternehmens, hat unheimliche Alpträume. Sie erwacht, eingesperrt in einem Sarg, panisch vor Angst, mit dem sicheren Gefühl sterben zu müssen, nur um kurz darauf wieder mit seltsamen Verletzungen in ihrem Bett zu liegen. Traum oder Wirklichkeit? Eva kann es nicht unterscheiden und sie kann sich weder erinnern wie sie in den Sarg hinein noch wie sie wieder heraus gekommen ist.
Zur gleichen Zeit tötet ein Irrer in Köln scheinbar wahllos Frauen auf genau diese Art und Weise: Er sperrt sie in einen Sarg, verklebt ihnen Mund und Augen und lässt sie qualvoll ersticken.
Kommissar Menkhoff und seine Kollegin Reithöfer müssen dem Täter das Handwerk legen, aber ihnen fehlt jede Spur. Alles scheint sich auf Eva zu konzentrieren und in ihrem Umfeld aus Lügen, Intrigen und Hass wirkt jeder verdächtig. Wer ist der kaltblütige Mörder und was will er von Eva Rossbach?
Kritik
“Der Sarg” ist eine, von der ersten Seite an fesselnde uns spannende Story, mit überzeugendem, gut umgesetzten Plot, der einem kaum Zeit zum atmen lässt. Der Leser wird lange Zeit im Dunkeln gelassen und es dauert, bis man das Netz aus Informationsfäden entwirren und die Zusammenhänge erkennen kann. Geschickt gemacht.
Hart und schonungslos greift Arno Strobel hier die sehr grausame aber auch absolut aktuelle Thematik der Kindesmisshandlung auf. Obwohl er darauf verzichtet sich in ekelhaften Details zu verlieren und die Gewalttaten in der Regel nur andeutet, ist das Buch manchmal nur schwer zu ertragen. Ich bin wirklich hart gesottene Leserin, aber mir wurde stellenweise schlecht, was aber auch daran liegen kann, dass ich selbst eine Tochter in dem, im Buch beschriebenen Alter habe. Aber die Geschichte ist sehr vielschichtig – Sie greift nicht nur den tatsächlichen und rechtlichen, sondern vor allem den psychologischen Aspekt dieses Tabuthemas auf und zeigt ganz deutlich wie zerbrechlich und kostbar eine Kinderseele ist.
Nach einem durchaus irritierenden Prolog wirft der Autor den Leser erstmal in den tristen Polizeialltag. Die letzten Seiten, um sich nochmal zu sammeln und zu überlegen ob man jetzt wirklich Zeit hat dieses Buch zu lesen. Denn, wenn man einmal anfängt, kann man es kaum noch aus der Hand legen. Es wirkt fast, als würden Autor und Leser in diesem kurzen Abschnitt gemeinsam Atem holen, um dann durch eine spannende und gut recherchierte Geschichte zu preschen.
Den Ermittler Bernd Menkoff kennt man als Strobel Leser schon aus “Das Wesen”. Zwar weist er noch einige Wesenszüge aus dem vorherigen Buch auf, hat sich aber natürlich weiter entwickelt – etwas aufbrausend ist er immer noch, aber gerade das macht ihn überzeugend und menschlich. Ihm zur Seite steht seine Kollegin Jutta Reithöfer, die auf mich teilweise etwas zu kalt, zu distanziert wirkt – ab etwa der Hälfte des Buches wird aber deutlich, dass das oft nur aufgesetzt ist und sie eine durchaus warmherzige und vor allem sehr emotionale Person ist. Ihr ruhige Art wirkt sich mitunter sehr positiv auf den hitzigen Kommissar aus.
Auch die zwischenmenschlichen Beziehung zwischen Menkhoff und Kollegen bzw. der Alltag im Büro kommen im Buch zur Sprache, bleiben aber weit hinter der Geschichte zurück und bilden so einen gelungen Rahmen zum eigentlichen Fall. Schade ist nur, das man über seine direkte Partnerin so wenig erfährt. Sie ist ein interessanter Charakter, den ich gerne näher kennen gelernt hätte (und noch kennen lernen wollen würde). Allgemein wirken die Dialoge der Ermittler untereinander zum Teil etwas hölzern und sehr gestellt, als wäre nachträglich noch einiges aus den Gesprächen gekürzt worden. Das tut der Spannung aber keinen Abbruch (jedenfalls in meinem Fall nicht).
Fazit:
“Der Sarg” ist das vierte Buch von Arno Strobel, das im Fischer Verlag erscheint und zugleich auch sein Bestes. Auch wenn mich sowohl “Das Skript” als auch “Das Wesen”, der Roman aus dem man den Ermittler des aktuellen Buches bereits kennt, schon sehr begeistert haben, legt Arno Strobel hier nochmal eine Schippe drauf. Düster, beängstigend, brutal – ein Spiel mit der Psyche und dazu ein brandaktuelles Thema, das keinen kalt lässt. Eine hoch brisante Mischung vereint in einem komplexen Thriller. Ein absolutes Muss für Strobel Fans. Einsteigern empfehle ich “Das Wesen” als vorherige Lektüre. Es ist aber nicht zwingend notwendig. Absolute Leseempfehlung von mir.
Rezension vom 29.01.2013 (12)
Inhalt
Als drei Männer vor seine Tür stehen ahnt Johannes Cabal bereits, dass das nichts Gutes bedeuten kann. Sein Besuch, der aussieht wie altmodische Leichenbestatter, entpuppt sich schnell als ein Komitee des Instituts für Angst und Schrecken auf großer Mission. Sie wollen den Ursprung der Angst finden und vernichten. Cabal gilt zwar nicht als ausgewiesener Experte, aber dennoch als Einziger zur Verfügung stehender auf diesem Gebiet und gerät so in den Fokus der Abgeordneten. Die Herren Shadrach, Bose und Corde – tatsächlich Schmuckhändler, Anwalt und Leichenbestatter – bieten einen Interessanten Lohn für Cabals Dienste und so schließt er sich ihnen an. Nicht ahnend, dass dieses Abenteuer jenseits aller Vorstellungen und Erwartungen verlaufen wird.
Kritik
Ja, was soll ich sagen? Teil eins (Seelenfänger) und zwei (Totenbeschwörer) der Trilogie haben mich ja schon begeistert und Teil drei steht dem in nichts nach. Gewohnt humorvoll beschreibt Jonathan L. Howard die Welt des Johannes Cabal. Dabei stellt sich mir – auch dieses Mal – die Frage, wie er es schafft, dass man diesen absolut unsympathischen, egoistischen, egozentrischen, arroganten und undurchsichtigen Protagonisten so derart ins Herz schließen kann.
“Das Institut für Angst und Schrecken” ist ein würdiger Abschluss der Trilogie. Während im ersten Teil eher das Fantasy-Element überwog, der zweite Teil fast ein Krimi war, ist nun Teil drei eindeutig blutiger und brutaler und geht in Richtung Horror: Monster, Ghule und rachsüchtige Götter sind nur ein Teil der Kulisse.
Dennoch büßt die Story dadurch nichts ein: Der Autor schreibt auf konstant hohem sprachlichen Niveau, spielt gekonnt mir Wort und Witz und überrascht immer wieder mit erfrischender Situationskomik, triefendem Sarkasmus und unerwarteten Wendungen.
Dennoch unterscheidet sich der Roman deutlich von den Vorgängern – allein schon deshalb, weil Cabal hier nicht als Einzelkämpfer unterwegs ist, sondern eine ganze Reisegruppe um sich hat, die er auch noch am Leben halten will (meistens jedenfalls). Noch dazu befindet er sich auf einem, ihm völlig unbekannten Terrain, in einer Welt die nicht mit Vernunft und Logik zu erklären ist. Das bringt ihn – wie man unschwer merkt – manchmal aus dem Konzept. Gelegentliches Abschweifen in seine Gedankenwelt hilft aber ihn zu verstehen, nicht nur in der aktuellen Situation sondern auch – und vor allem – seine eigentliche Motivation.
Mein einziger Kritikpunkt ist hier, dass die Welt, in der der Roman spielt eine sehr gigantische Idee ist, die aber in meinen Augen nicht groß genug wirkt. Sie wirkt fast ein bisschen zu blass, zu normal, zu banal für das was sie darstellen soll. Da wäre noch Potential für viel mehr gewesen. Aus diesem Grund fiel es mir hier auch deutlich leichter den Roman aus der Hand zu legen.
Und das Ende? Ich gestehe, ich bin süchtig. Ich will nicht, dass die Geschichten um Johannes Cabal ein Ende finden. Trotzdem ist es wirklich gut – nicht nur gut durchdacht, sehr pompös und völlig unerwartet, sondern auch passend zum Tenor der Geschichten, richtig gemein. Es werden zwar viele Fragen beantwortet, aber einiges bleibt offen und ich gestehe, dass ich neugierig bin.
Fazit
Die Reihe – und damit auch dieses Buch – ist wirklich fantastisch. Abwechslungsreiche Geschichten voller Witz, Charme und Zynismus, eingebettet in eine halb-fantastische, halb reale Welt. Vor allem der Protagonist hat es mir angetan. Man könnte fast sagen, dass ich ein bisschen in ihn verliebt bin und ich hoffe, dass das Ende dieser Trilogie nicht gleichbedeutend mit dem Ende von Johannes Cabal ist. Ich will mehr. Und es gibt noch so viele Fragen die man beantworten könnte. Vor allem Frage ich mich ja, ob es einen Grund hat, dass Johannes Cabal Deutscher Abstammung ist
Einzig die etwas schwache Schilderung der “Traumlande”; dem Ort an dem sich Cabal in diesem Abenteuer befindet schmäler das Lesevergnügen ein wenig und sorgt dafür, dass man sich nicht ganz so in die Geschichte verlieren kann wie in die Vorgänger, dass es nicht genau so fesselnd ist.
Ich würde übrigens nicht empfehlen das Buch außerhalb der Reihe zu lesen. Hier ist es wirklich nötig die Vorgänger zu kennen, um die Geschichte zu begreifen, auch wenn die Haupthandlung an sich (wie auch schon bei den beiden anderen Teilen) relativ abgeschlossen ist.
Rezension vom 29.01.2013 (13)
Inhalt
Ascension ist eine normale Kleinstadt in Maine. Schon immer ranken sich Legenden von drei Geistern, die im Wald hausen sollen, um die Stadt. Nachdem ein Mädchen der örtlichen Highschool versucht hat sich umzubringen, tauchen plötzlich drei Mädchen in der Stadt auf. Bald schon keimt der Verdacht auf, dass diese Geistergeschichten nicht nur Geschichten sind. Die drei Mädchen sinnen auf Rache, denn Fehler werden nicht geduldet. Ihre Wahl fällt auf Chase und Emily.
Emily ist verliebt in Zach. Dumm nur, dass er der Freund ihrer besten Freundin Gabby ist. Auch Zach scheint sich für Em zu interessieren. Sie weiß, dass sie sich nicht auf ihn einlassen sollte, aber sie ist gegen ihre Gefühle machtlos …
Chase gehört zur selben, angesagten Clique, wie Zach, Em und Gabby, aber er weiß, dass sich sein Glück jederzeit wenden kann. Denn er ist nicht reich, sondern nur als guter Footballspieler geduldet und er hat ein dunkles Geheimnis …
Kritik
Bei diesem Buch war ich mal wieder ein bisschen zwiegespalten. Einerseits eine wirklich tolle Geschichte, eine schöne Idee, basierend auf dem Mythos der griechischen Furien. Eine sehr gelungene Übertragung eines antiken Mythos in die Moderne. Andererseits gibt es bei der Umsetzung aber doch einige Kritikpunkte.
Sehr störend fand ich, dass die Figuren allesamt aus einem amerikanischen Teeniefilm entsprungen sein könnten: Die beliebte Clique besteht im Prinzip nur aus den Reichen und Schönen, bis auf den obligatorischen Außenseiter. Die Mädchen gehen am liebsten Shoppen, die Jungs leben für Football und alle stehen auf Parties. Bis auf Em und Chase, die beiden Hauptcharaktere sowie JD (Ems bestem Freund) wirken die Figuren sehr eindimensional und blass. Es dauert eine Weile, bis man sich vorstellen kann, warum ein Mädchen wie Emily freiwillig eine Freundin wie Gabby hat. Zudem widersprechen manche der Figuren in ihrem Handeln ganz drastisch der Charakterisierung, allen voran die drei Racheengel. Ich habe versucht mir diese Diskrepanz durch deren Fähigkeiten zu erklären, andere zu manipulieren, aber das hätte auch besser herausgestellt werden können.
Das Buch selbst ist in einer sehr einfachen, aber größtenteils angenehm zu lesenden Sprache geschrieben. Die Beschreibungen der winterlichen Kleinstadtwelt gefallen mir gut und zaubern eine ganz einzigartige Atmosphäre. Zeitweise ist die Autorin etwas zu sehr bemüht “cool” und “jugendlich” zu schreiben, vor allem bei Textnachrichten oder Dialogen. Da wäre weniger wahrscheinlich mehr gewesen. Im großen und ganzen überzeugt der Schreibstil.
Dennoch zieht einen die Geschichte relativ schnell in ihren Bann und ist keine Sekunde langweilig, sondern im Gegenteil sehr fesselnd und faszinierend. Der Prolog ist rätselhaft und stellt einen erstmal vor die große Frage nach dem Warum. Der Kontrast zwischen dem versuchten Suizid und dem darauf folgenden heiteren Teenager Leben ist exorbitant. Und im Gegensatz zu den anderen Figuren ist Emily Winters ein wundervoller Charakter. Sie ist liebenswert, offen, freundlich, clever, manchmal vielleicht ein bisschen naiv (aber das ist in ihrem Alter völlig Ok) und so herrlich realistisch verliebt, dass ich fast selbst Schmetterlinge im Bauch hatte. Man kann sich wunderbar in sie hineinversetzen und die Geschichte an ihrer Seite miterleben und sie verstehen.
Auch Chase ist deutlich besser gelungen als seine männlichen Kollegen und nicht ganz so eindimensional, auch wenn er mir nicht ganz so gut gefällt wie Em. Mit seinen Denk- und Handlungsweisen komme ich manchmal überhaupt nicht klar.
Lange war ich mir bei der Bewertung des Buches nicht ganz sicher, da es mir zwar einerseits wirklich gut gefallen hat, andererseits aber auch einige Kritikpunkte beim Lesen auftauchten. Dann kam das Ende. Und das reißt vieles raus. Ein wirklich gigantischer Abschluss für diesen ersten Teil, der sehr viel Lust auf mehr macht. Großartig gelungen.
Besonders erwähnen möchte ich hier das Cover, das ich sehr gelungen finde: Die Mischung aus Vintage Design, gefährlich wirkender Frau im unschuldigen Weiß und dem leicht romantischen Touch ist wirklich wunderschön und ein echter Hingucker. Deutlich besser gelungen als das amerikanische Original, (sowohl Hardcover als auch Paperback) dass mich persönlich, auch vom Titel (Fury) her, nicht zum Kauf animiert hätte. Obwohl die bisherigen amerikanischen Titel durchaus vermuten lassen, dass es da einen Zusammenhang gibt: Der zweite Teil der Reihe heißt “Envy”, der dritte “Eternity” und ich bin gespannt wie sie übersetzt werden.
(http://www.thefuryseries.com/)
Fazit
Der Anfang von “Im Herzen die Rache” ist etwas holprig. Die Figuren wollen nicht Recht, die Sprache ist etwas hölzern und zu gewollt jugendlich, den ersten Szenen fehlt noch ein bisschen Farbe und Lebendigkeit. Aber das ändert sich relativ schnell und schon bald ist man tief in die Geschichte eingetaucht und muss nur noch gelegentlich über manche Handlungen bzw. Aussagen den Kopf schütteln. Das fulminante Ende macht diese kleinen Ärgernisse aber wieder wett und lässt einen in gespannter Erwartung auf den zweiten Teil zurück. Bisher eine gelungen Adaption des antiken Mythos der Furien. Im Gesamteindruck ein wirklich gutes, fesselndes Jugendbuch, das ich gerne empfehle. Nicht nur für Jugendliche.
Rezension vom 29.01.2013 (10)
Die Geschichte geht nach Band 1 "Kirschroter Sommer" nahtlos weiter.
Kritk:
Der zweite Teil “Türkisgrüner Winter”, ist ganz anders als der Vorgänger. Genauso fesselnd, so dass ich es ebenso wenig aus der Hand legen konnte, aber mit einer ganz anderen Intensität und Intention erzählt. Natürlich, die Geschichte geht weiter, aber während im beim ersten Teil teilweise herzlich lachend auf dem Bett gesessen habe, musste ich mir hier schon hin und wieder ein Tränchen aus den Augenwinkeln wischen. Ich habe regelrecht mit Emely gelitten.
Ihre Gefühle sind so überzeugend und ergreifend beschrieben, dass man gar nicht anders kann, als genau das selbe zu empfinden wie sie. Auch hier hatte ich wieder überhaupt keine Probleme mich mit ihr zu identifizieren. Gerade bei den Szenen, bei denen ich ihr gerne in den Hintern getreten hätte, weil sie sich so dämlich verhalten hat, musste ich feststellen, dass ich es selbst kaum anders gemacht hätte. Authentischer geht nicht.
Alex Oberflächlichkeit und Egozentrik ging mir zwar teilweise wirklich auf die Nerven, aber Gott sei Dank gab es ja noch ein paar andere Nebenfiguren (wie z.B. den zuckersüßen Sebastian), die das wieder ausgleichen konnten und am Ende macht sie ganz viel Boden gut.
Der Schreibstil ist ähnlich wie im ersten Teil, wirkt hier aber etwas reifer, der gesamte Tenor des Buches ist weniger witzig, viel emotionaler und tiefgründiger. Gerade das macht auch diese beiden Bücher zu etwas besonderem: Sie gehören zusammen, sind aber doch ein bisschen wie Feuer und Wasser. Während der erste Teil eher von einer flapsigen und ironischen Atmosphäre geprägt ist, stehen im zweiten Teil tiefe Gefühle und Freundschaft im Vordergrund – ein bisschen wie Alex und Emely, wie Emely und Elyas, wie … sagen wir einfach, die Gegensätze der Bücher findet man auch an vielen Stellen in den Beziehungen der Charaktere wieder.
Fazit:
Ich hatte während beider Bücher Schmetterlinge im Bauch beim Lesen. Ich habe beide Bücher an einem Tag verschlungen. Ich konnte gar nicht anders. Aufhören? No way. Ganz, ganz großes Kopfkino. Zwei Bücher die ich jedem ans Herz legen möchte, der mit dem Genre etwas anfange kann und auf der Suche ist nach einem Buch mit viel Gefühl, um dem Alltag und all den eigenen Probleme zu entfliehen.
Aber braucht es einen dritten Teil? Eigentlich nein. Die Geschichte um “Emely und Elyas” ist erzählt und ich kann auf kitschiges Liebesgesäusel oder erzwungene Beziehungsprobleme verzichten. Es wäre nur irgendwie interessant zu erfahren, wie es mit den ganzen Charakteren des Buches, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, weiter geht. Aber wofür hat man seine eigene Fantasie?
Von Carina Bartsch würde und werde ich aber in jedem Fall noch etwas lesen, sobald es wieder etwas Neues gibt!
Bleibt am Ende also nur noch eine Frage: Wo ist mein Elyas? Ich möchte bitte auch so empfinden können, für einen echten Menschen. Obwohl ich bei dem Buch schon echt nah dran war, an den ganz großen Emotionen ….
Rezension vom 29.01.2013 (12)
Inhalt
Emely ist glücklich: Ihre beste Freundin Alex zieht zu ihr nach Berlin, um dort ein neues Studium anzufangen. Einziges Manko: Alex kann manchmal ziemlich anstrengend sein. Zu allem Überfluss zieht sie zu ihrem Bruder Elyas in die Wohnung. Und den kann Emely überhaupt nicht ausstehen, seit er ihr vor Jahren das Herz gebrochen hat. Wie es der Teufel will laufen sich die Beiden natürlich ständig über den Weg und es scheint als hätte Elyas nur ein Ziel. Er will Emely in den Wahnsinn treiben.
Aber zum Glück gibt es da ja noch den geheimnisvollen Luca, den sie zwar nur über Mails kennt, der ihr Herz aber trotzdem höher schlagen lässt.
Kann man sich wirklich in einen Unbekannten verlieben? Und wieso geht Elyas ihr einfach nicht aus dem Kopf?
Kritik
Band1
Oh mein Gott – ich bin verliebt. In die Geschichte, in dieses Buch, in Elyas und Emely und sogar ein bisschen in deren Freunde. Die Story ist – in einem Wort – einfach süß.
Emely und Alex sind wirklich schön gezeichnete Charaktere, die eine tiefe Freundschaft verbindet. Wahrscheinlich gerade weil sie so unterschiedlich sind. Während Emely verschlossen und introvertiert ist, nicht gerne über sich und ihre Probleme spricht, dafür aber über ein hohes Maß an Empathie verfügt, wirkt Alex geradezu wie ein offenes Buch. In erster Linie dreht sich ihre Welt um sie selbst, sie plappert ständig, ist in gewisser Weise ein sehr oberflächlicher Mensch und scheint kaum Gespür für die Gefühle ihrer Freunde zu haben. Aber das täuscht: Wenn es hart auf hart kommt, dann lässt sie alles stehen und liegen um den Menschen zur Hilfe zu eilen, die ihr am Herzen liegen und dann zeigt sich auch, warum die Freundschaft der beiden so gegensätzlichen Mädchen so wunderbar funktioniert. Obwohl man zeitweise beim Lesen das Gefühl hat, dass nur Alex von Emely profitiert, wird nach einer Weile klar, dass sich Emely ohne die quirlige Alex völlig von der Welt abschotten würde. Und Elyas? Tja, solche Männer gibt es wohl nur im Buch.
Allgemein erinnert mich Emely wirklich ein bisschen an mich, ihre Shopping Gewohnheiten oder die Art und Weise, wie sie sich selbst mehr Probleme macht als eigentlich nötig.
Die Sprache der Autorin ist größtenteils sehr einfach und umgangssprachlich. In manchen Büchern empfinde ich das als störend, aber in diesem Fall überhaupt nicht, weil es zum Genre und zur Erzählperspektive passt, die Wortwahl entspricht der einer Anfang 20-jährigen. Die gesamte Geschichte ist aus der “Ich-Perspektive” geschrieben, so dass natürlich auch fast jede Situation mit Emelys ausgeprägtem Sarkasmus gespickt ist. Das wirkt aber – in meinen Augen – nicht überzogen. Gerade die Dialoge empfinde ich als sehr authentisch, da sie bei uns im Freundeskreis nicht anders ablaufen und gegenseitiges ‘auf den Arm nehmen’ einfach dazu gehört. Auch am Verhalten hab ich wenig auszusetzen. So lang ist es noch nicht her, dass ich 23 war und ganz ehrlich: Ich war absolut genau so – frei von Sorgen, manchmal schrecklich unreif, naiv und kindisch (gelegentlich bin ich das auch heute noch), manchmal klug und weise.
Fazit:
Sagte ich schon, dass ich verliebt bin? Ich hatte tatsächlich beim Lesen Schmetterlinge im Bauch, ein grenzdebiles Grinsen im Gesicht, habe mich kringelig gelacht oder fast geheult und richtig mit Emely mitgefiebert, gelitten und empfunden. “Kirschroter Sommer” ist eine wirklich gefühlvolle, sehr romantische und rührende Geschichte ohne Kitsch. (Na gut, ein bisschen kitschig ist es schon, aber das darf es auch sein). Ich habe das Buch (und auch den zweiten Teil) an einem Tag verschlungen. Ich konnte gar nicht anders. Aufhören? No way. Ganz, ganz großes Kopfkino. Zwei Bücher die ich jedem ans Herz legen möchte, der mit dem Genre etwas anfange kann und auf der Suche ist nach einem Buch mit viel Gefühl, um dem Alltag und all den eigenen Probleme zu entfliehen.
Natürlich wurde hier das Rad nicht neu erfunden und man kann, als leidenschaftliche Chic-Lit (früher hieß das ja wohl mal Frauenromane) Leserin diverse Parallelen zu den großen amerikanischen Vorbildern erkennen. Dennoch ist das Buch spritzig und witzig geschrieben. Die Autorin entwickelt ihren eigenen Stil – möglicherweise inspiriert durch Susan Elizabeth Philips und Jane Heller, aber ohne die beiden zu kopieren – und ist um Welten besser als die Meisten hochgelobten deutschsprachigen Kolleginnen, mit denen ich einfach kaum etwas anfangen kann, weil ihre Bücher höchstens gähnende Langeweile bei mir auslösen, aber keine tiefer gehenden Emotionen.












