Rezension vom 14.11.2012
(8)
Die 16-jährige Gonzo lebt im geschlossenen Jugendwerkhof Torgau. Nein, sie lebt nicht, sie erlebt - und zwar die Hölle. Angefangen von Dunkelarrest bis hin zur Brutalität der Erzieher - Gonzo muss all dies mitmachen. Aus purer Verzweiflung verletzt sie sich sogar selber, damit sie ins Krankenhaus kommt. Raus - nur raus aus dieser Hölle. So kaputt ist ihre Seele.
Als sie eines Tages in einen anderen Jugendwerkhof gebracht werden soll, gelingt ihr die Flucht. Aber was tun, wenn man frei, zerbrochen und ohne Geld und Plan ist? Sie schlägt sich durch und trifft auf René. René meint es gut mit Gonzo und weiht sie in seine Fluchtpläne in den Westen ein. Sie zögert, entschließt sich aber, die Reise mit René anzutreten. Am nächsten Tag treten die Beiden die Reise in die vermeintliche Freiheit an und haben dabei einige Hindernisse zu überwinden.
Abgehauen ist nach Weggesperrt, das 2. Buch von Grit Poppe, indem sie ein Thema anspricht, über das lange geschwiegen wurde. Der unmenschliche, erniedrigende Umgang mit aufsässigen Jugendlichen in den Jugendwerkhöfen der DDR. Auf eine sensible, aber doch realistische Art und Weise wird dem Leser nahe gebracht, was damals hinter den hohen Mauern mit dem Stacheldraht drauf, geschehen ist. Auch die Flucht und die Erlebnisse auf ihrer Reise in den Westen, sind teilweise zum Kopfschütteln. Mir ging es so, dass ich mich sehr oft dabei erwischt habe, das Buch oft als Geschichte abzuhandeln, dabei musste ich mir desöfteren klar machen, dass es wirklich so abging. Trotz des schwierigen Grundthemas, kommen aber auch Freundschaft, Liebe, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt nicht zu kurz.
Mich hat Abgehauen sehr berührt und zum nachdenken angeregt, wie auch schon Weggesperrt.
Von mir gibt es die volle Punktzahl und die Hoffnung auf ein weiteres Buch von Grit Poppe zu diesem Thema.
Ich kann Abgehauen nur wirklich jedem ans Herz legen und kann es ausnahmslos weiterempfehlen.
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