Ein außergewöhnliches Buch, mit einer außergewöhnlichen Entstehungsgeschichte und einem außergewöhnlichen Inhalt – und für eine besondere Zielgruppe: Jugendliche ab zwölf Jahren. „Sieben Minuten nach Mitternacht“ von Patrick Ness und Siobhan Dowd, mit Illustrationen von Jim Kay, ist Ende August 2011 im cbj-Verlag erschienen. Der Verlag aus der Randome House Gruppe hat sich auf Kinder- und Jugendbücher spezialisiert . Das Thema jedoch erscheint selbst dem ein oder anderen Erwachsenen recht hart – es geht nämlich um den Tod eines geliebten Menschen.
Der etwa 12-jährige Conor hat es nicht leicht. Seine Mutter ist an Krebs erkrankt und er hat mit ihr schon die ein oder andere schwere Behandlungszeit durchgestanden. Sein Vater lebt mit einer anderen Familie in den USA und der Kontakt ist lediglich in den letzten Wochen etwas intensiver geworden. Conor kennt die Gründe. Seine Großmutter erscheint ihm kaltherzig, sie haben nie einen richtigen Zugang zueinander gefunden. In der Schule ist er ein Außenseiter. Das muss nicht immer so gewesen sein, aber seit die Diagnose seiner Mutter bekannt wurde, verhalten sich Lehrer und Mitschüler ihm gegenüber anders. Zudem plagen Conor Albträume. Ein besonders schrecklicher Traum sucht ihn nahezu jeden Nacht heim und raubt dem Jungen Schlaf und Verstand. Da erscheint um genau sieben Minuten nach Mitternacht das Monster. Das Monster in Gestallt einer alten Eibe, die behauptet, Conor habe sie gerufen. Das Monster, das so viele Namen und Gestalten hat, will ihm drei Lebensgeschichten erzählen, bevor es bereit ist, seine, also die des Jungen, anzuhören. Die Eibe will die eine Geschichte von Conor hören: die des Albtraumes. Das Monster erscheint nun immer wieder, immer um sieben Minuten nach Mitternacht. Conor, dem anfangs alles unverständlich erscheint und sich fürchtet, bemerkt, dass die Eibe aus einer anderen, vergessenen Welt kommt und ihm helfen will. Aber die Hilfe, die Conor verlangt, nämlich seine Mutter zu retten, wird ihm durch den Baum nicht zuteil. Im Gegenteil, es scheint sich alles gegen ihn zu wenden. Die Medikamente schlagen bei der Mutter nicht an, sodass sie erneut ins Krankenhaus muss. Sein Vater steht plötzlich vor der Tür, Conor soll zu seiner Großmutter ziehen. Und in der Schule erlebt er die Hölle.
Die Geschichte berührt den Leser durch das Unausweichliche – den Tod. Doch keiner spricht Conor darauf an. Alle teilnehmenden Personen, wie die Großmutter, der Vater, ja sogar die Mutter selbst, vermeiden es, dem Jungen die Tatsachen zu vermitteln. Selbst Conor weiß es, doch nur durch die Hilfe der alten Eibe kann der Junge sich seinem größten Albtraum stellen – dem Abschied von einem geliebten Menschen.
Das Buch ist gut und einfach, jugendgerecht, aber nicht simpel geschrieben. Die ganze Geschichte, ihr Aufbau und insbesondere das Ende, ist sehr bewegend und macht nachhaltig nachdenklich. Das Monster in Gestalt der alten Eibe ist sicher eine fantastische Figur, aber der Handlungsablauf, die Geschichte selbst ist unwiderruflich und erschreckend real – ohne aber zu erschrecken, denn es kommt im Leben nun mal so, wie es kommt.
Der Literaturkritiker, Kinder- und Jugendbuchautor Patrick Ness hat die Idee seiner Kollegin, der Autorin Siobhan Dowd, die nach schwerer Krankheit ihrem Krebsleiden erlag, weitergeschrieben und vollendet. Die Illustrationen von Jim Kay fügen sich perfekt in die Stimmung der Erzählung ein und sind sicher ein wichtiger Teil des Ganzen. „Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist aber auch ein Buch für Erwachsene, die erfahren möchten, wie Kinder und Jugendliche mit dem Thema Sterben und Tod umgehen. Eine gemeinsam Lektüre dieses außergewöhnlichen Buches – das wäre wohl etwas, was den Autoren gefallen würde; auch wenn Patrick Ness in einem Interview feststellt, dass jede Altersgruppe sich anders in die Vorgänge und Figuren versetzen kann, letztendlich aber die Angst vor einem drohenden Verlust universell und somit für jeden verständlich sei.