Die fliegende Stadt Rashija beherrscht das Land von oben. Adeen ist ein Schreiber, zuständig für das Kopieren von magischen Formeln - aber selbst ist er ein Nichts, denn er ist nicht nur kein Magier, sondern auch noch ein verachteter Mischling mit schwarzer Haut und hellen Augen, eine sogenannte "Krähe". Magie hält nicht nur die Stadt in der Luft, sondern auch das auf Unterdrückung von Nichtmagiern aufgebaute Regime des Herrschers am Laufen. Auch freie Kunst ist verboten - und Adeens innerer Drang zu malen bringt ihn letztlich mitten hinein in eine Gruppe Rebellen, die bei der bevorstehenden Landung fliehen wollen. Aber am Ende ist es nicht nur eine Flucht, sondern ein Kampf um die Freiheit, der bald ausbricht - die Freiheit der Einzelnen, die Freiheit der Rebellen und die Freiheit der Länder unter dem Schatten Rashijas. Und dann ist da der Aschevogel, der immer öfter vor Adeens innerem Auge erscheint ...
Ich habe oben versucht, den Plot etwas ausfühlicher und etwas richtiger zusammenzufassen als auf dem Klappentext, der, wie ich finde, irgendwie fast etwas irreführend ist. Das ist aber gar nicht so einfach, denn die Handlung ist sehr vielschichtig, und es passiert derart viel, dass es schwer ist, das Wichtigste herauszufiltern, ohne dabei zu spoilern.
Als ich bei einer Rezension las, es passiere nichts und es fehle etwas an Spannung, habe ich mir etwas die Äuglein reiben müssen vor Staunen. Für mich ratschte es sogar haarscharf an zu viel Action und zu wenig "Zwischendrin" vorbei - aber im Gegensatz zu manchen anderen Romanen dieser Art gibt es hier auch Tiefgang, und das nicht zu knapp. Es geht in gewisser Weise um Rassismus, um die Freiheit der Kunst und des Geistes, um die Frage, wie weit man im Kampf um diese Freiheit gehen darf, um Selbstannahme und Opferbereitschaft, und auch um eine ungewöhnliche, schwierige Liebe.
Adeen ist ein guter und liebenswerter Protagonist, der eine Charakterentwicklung durchmacht, aber auch am Ende nicht der große Held ist und alle rettet. Er kämpft mit Angst und Unsicherheit und lernt erst langsam, seinen Wert zu erkennen.
Die Welt, die die Autorin im Buch vorstellt, ist zwar nicht völlig fremdartig, aber doch ungewöhnlich in vielen Aspekten. Zwar schleudern Magier Feuerbälle und es handelt sich um Elementarmagie, wie sie (so weit ich das weiß, bin in der Szene ja nicht wirklich drin) auch in so gut wie jedem Rollenspiel vorkommt, aber die Magie ist in sich stimmig erklärt und hat ihre eigenen Regeln und Beschränkungen. Und sie ist zwar wichtig - aber letztlich geht es ja doch viel mehr um die gesellschaftlichen Unterschiede, die mit dieser Fähigkeit einhergehen.
Kritik habe ich allerdings auch - vieles ging mir, wie oben schon angedeutet, etwas zu schnell. Die Action folgt teilweise Schlag auf Schlag, und die Liebesgeschichte habe ich ehrlich gesagt nur bedingt nachvollziehen können. Adeen sieht "sie", findet sie faszinierend, dann wechseln sie eine Handvoll von ihrer Seite aus nicht mal freundliche, sondern eher herablassend-sachliche Sätze, und schon ist er verliebt. Das fand ich etwas merkwürdig.
Da aber auch hier nicht der Hauptfokus des Romans liegt, sondern die Liebesgeschichte mehr nebenbei erzählt wird, war das für mich kein wirkliches Problem. Und als Figur habe ich über Adeens große Liebe genauso gern gelesen wie über die anderen Nebenfiguren (vor allem Yoluan und Nemiz), die alle ihre Ecken und Kanten haben und dadurch sehr lebendig werden.
Gefallen hat mir auch die Art, wie der Krieg dargestellt wurde - nicht die edle Schlacht der Guten gegen die Bösen, es gibt kein Schwarz oder Weiß in diesem Roman, auch wenn man natürlich die Sache der Rebellen unterstützenswerter findet. Aber auch die Rebellen sind nicht nur gut, und manchmal werden im Laufe dieses Krieges ganz schnell die Guten zu Bösen und die Bösen zu Guten.
Irgendwo zwischen der Mitte und den letzten Kapiteln war ich dann allerdings eine Zeitlang etwas ermüdet von all dem Kampf und der eher düsteren Stimmung und hätte mir dringend etwas Positiveres herbeigewünscht, eine Kleinigkeit wenigstens - aber dann kam das Ende, und ich war total hin und weg.
Bis dahin hätte ich das Buch unter "gut, aber nicht überragend" eingeordnet, aber dieser Schluss, und ganz besonders die eine Szene, die ich hier wegen heftigem Spoiler-Alarm natürlich nicht näher beschreiben kann, hat mich richtiggehend weggerissen. Die Beschreibung der Magie und besonders Adeens "Begegnungen" mit dem Aschevogel waren einfach phantastisch und wiederum ungewöhnlich, und sprachlich wunderschön noch dazu.
Sehr schön fand ich auch den immer wiederkehrenden Bezug zu Kunst und Farben, auch, wie sich das später in die Magie hineinfügt, hat mich begeistert.
Fazit also: Wer mal wieder einen stilistisch schönen High-Fantasy-Roman mit viel Magie, aber eben auch spannenden Charakteren lesen will, nichts gegen Action (die aber nie sinnlos passiert) und einiges an Blut und Verletzungen hat und dabei eine Handlung bevorzugt, die nicht der hundertste Aufguss von Unwilliger-Held-rettet-nach-Prophezeihung-die-Welt und einigermaßen unvorhersehbar ist (für mich war sie das jedenfalls), der sollte sich diesen Roman dringend mal näher anschauen.