Rezension vom 08.06.2008
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... im Schweigen bewahren, was uns glücklich macht!
Wie eine sanfte Dünung kommt sie daher, diese unerhörte Begebenheit, mit zärtlicher Kühle und der unaufhaltsamen Macht zeitloser Tragik.
Eine Geschichte aus vergangenen Zeiten ist es, die dem jugendlichen Ich-Erzähler widerfährt: die unmögliche Liebe zu einer nixenhaften, reifen Frau in einem namenlosen Fischerdorf an der See. Dort erkennt er sie, in ihrem seegrünen Badeanzug, entdeckt durch sie, seiner Lehrerin, die verborgene Botschaft der Orwell schen Literatur. Dort, zusammen mit dem Vater am Ausbessern jahrhundertealter Wellenbrecher, setzt der Gymnasiast Christian den Stein, der seiner heimlichen Geliebten zum Verhängnis wird.
Die Rahmenerzählung setzt mit der schulischen Gedenkfeier ein, der Ich-Erzähler versunken im starren Blick auf die Fotografie der Lehrerin, einer alterslosen Schönheit im grünen Pullover, die alle in ihren Bann gezogen hatte und doch nur ihn auserwählte. Zögerlich erhalten wir Einblick in die Vorgeschichte.
Lenz erzählt eine klassische Novelle, sparsam und pointiert in der Sprache, bestückt mit einem Repertoire von Personen, die in ihrer Skizzenhaftigkeit den Leser allen Raum zum Ausmalen lassen. Die Lokalität zieht ein enges Dreieck von der Öffentlichkeit des Hafenortes über die Verstecktheit des Liebesnestes auf der Vogelinsel bis hin zur offenen See, dem grundlosen, mythischen Raum. Der geübte Leser zerteilt mit raschen Zügen die wenigen Seiten und freut sich, wenn er wieder eines dieser zart eingestreuten Dingsymbole gefunden hat, das Leitmotiv wiederentdeckt. Die wechselnde Erzählhaltung führt zu einer wellenhaft anlandenden Nähe und Distanz.
Gerne lässt man sich in der Dünung dieser lakonischen Melancholie treiben, die mit ihrem teils altertümlichen Vokabular Sehnsüchte und Erinnerungen aus der Tiefe holt.
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