Rezension vom 05.12.2010
(5)
Das eigene Buch sollte man nicht rezensieren.
Deshalb füge ich hier in Auszügen die Rezension von Ralf Julke ein.
Zwei weitere Beurteilungen von anderen Lesern stehen bei Amazon.
... Was Barabara Siwik ... als Buch veröffentlicht hat, ist so eine Fantasy vom Feinsten - ein bisschen Märchen, ein bisschen moderne Fantasy. Sie selbst ist ... ausgebildete Diplom-Bibliothekarin ... Wer so mit Büchern zu tun hat, der greift natürlich auf den gelesenen Fundus zurück. Das muss schon beim ersten Puppenspiel so gewesen sein, das Barbara Siwik zur Eröffnung der Merseburger Kinderbibliothek schrieb. Da kam auch schon der Caspar drin vor. Doch er benahm sich ein wenig anders als in den üblichen Kaspariaden mit Räuber (kommt auch drin vor), Polizist (dito), Hexe (gleich doppelt) und Krokodil (das kommt nicht drin vor).
Barbara Siwik spinnt um die nur scheinbar vom Puppenspiel festgelegten Gestalten eine Geschichte, die in einem Nest namens Dorfstadt spielt. Caspar ist zwar der eigenwillige Enkel von Oma Fröhlich. Aber irgendwo gibt es da eine große Familienlegende, die zurückreicht bis zu seinem Urahn Casparius, der als Magier wirkte und dabei den Schlüssel fand ins sagenhafte Reich jenseits der Wirklichkeit.
Hier greift die belesene Autorin fröhlich auf keltisches Erzählmaterial zu, das auch in einigen germanischen Überlieferungen zu finden ist: Überall in der "richtigen" Welt gibt es Tore in die andere Welt der Feen und guten Geister. Dort sind auch die Wasserelfen, Faune und Einhörner zu Haus. In der Regel sind es stille Seen im Wald oder verwunschene Quellen, die den Zugang zur anderen Welt bilden.
Und einer hätte in diesem Buch nur zu gern den Zugriff auf die Welt des Guten: der Teufel höchstpersönlich, mit dem es Caspar zu tun bekommt, als sich die Kette der Ereignisse entspinnt, die mit einem alten Zauberbuch beginnt, das ihm auf den Kopf fällt, und mit einer Teufelsbeschwörung in finsterer Nacht weiter geht.
Hier leuchtet dann das durchaus christliche Sagenmaterial des deutschen Mittelalters durch, als Beelzebub noch zum gewöhnlichen Aberglauben gehörte. Jedes Nest in Deutschland kennt solche Sagen über die Streiche, die pfiffige Leutchen dem Teufel spielten. Und um die Macht heiliger Dinge, an denen die Umtriebe des Teufels scheitern. Kirchen etwa oder das Läuten der Glocken. Auch die Hexen gehören hierher. Doch man merkt: Die belesene Autorin bleibt bei den Standardhexen der deutschen Märchenwelt nicht stehen. Ihre Hexen sind ganz unübersehbar von den sehr britischen Hexen eines Terry Prattchet oder anderer Autoren der modernen Fantasy angesteckt: die eine ist eine moderne Wahrsage-Hexe in der Stadt, die andere ein vergessliches Kräuterweiblein im Wald hinter Dorfstadt, das sich dennoch nicht vom Unaussprechlichen über den Löffel balbieren lässt.
Und noch eine Erzähltradition schimmert durch: Die des Jugendromans des 19. Jahrhunderts, die im Wesentlichen ein Mädchenroman war - mit verwunschenem Schloss, Prinzessin, zugemauerten Türmchen und einem verschlossenen Vater, der über den Tod seiner Gemahlin nicht hinwegkommt. Auch hier steckt eine lange Familien-Saga in einem uralten Buch, einer versteckten Truhe und einem Frauenbildnis, das immer mal wieder von der Wand fällt. Es ist also auch ein sehr weiblicher Fantasy-Roman, der sich auf 300 Seiten entfaltet, Caspar und seine Freundinnen Grit und Louise aus einem Abenteuer ins nächste stürzt und dabei nicht nur die verschiedenen Familiengeschichten entdecken lässt, sondern auch den Zugang in die verborgene Welt. Dabei bekommt Herr Beel regelmäßig eins auf die Hörner in seiner Gier auf den roten Edelstein, da schreckt er auch vor der Entführung der Prinzessin nicht zurück - auch wenn das genauso misslingt. Caspar ist eben nicht der kecke Spaßmacher aus dem Puppenspiel, sondern ein pfiffiger Jugendlicher, in dem der Charakter seines Vorfahren schlummert. Natürlich geht die Entführung schief und Beel veranstaltet ein Unwetter, wie es Dorf und Stadt noch nicht gesehen haben, lässt den Bockert ausbrechen, eben noch Schauplatz des letzten Hexen-Jahrmarkts. Man merkt: Auch die Sagen um den Blocksberg haben ihr Plätzchen in der Geschichte gefunden. Ist ja nicht so weit von Merseburg aus oder von Braunsbedra, wo die Autorin wohnt.
Das Ganze also: ein gefühlvoller Fantasy-Roman mit vielen Facetten, die insbesondere Mädchen gefallen werden (besonders die vorsichtig sich anbahnende Liebesgeschichte ...).
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