Rezension vom 20.10.2012
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Heute stellt sich mir mal wieder die Frage, wie ich ein Buch bewerten soll, das sich nicht in übliche Genre-Schubladen stecken lässt. Fakt ist, dass "Der Architekt" nicht nur der handelsübliche Psychothriller ist, sondern Elemente des Mysteriösen bis hin zum komplett Surrealen enthält. Als Leser sollte man sich - um des Spaßes willen - auf diese Elemente einlassen können und wollen, die sich rational nicht wirklich erklären lassen. Dass ich das konnte, war wohl mein Glück, denn vielen meiner Mitleser scheinen eben jene Erklärungen und Motive zu weit her geholt, um auch nur ansatzweise plausibel zu sein. Ebenso spielt der Autor gern mit der Fantasie des Lesers, indem er lediglich Dinge andeutet, die man sich anschließend selbst zusammenreimen soll. So ist "Alles ist möglich" immer eine Auslegungssache - und ich für meinen Teil bin froh darum, denn eine genauere Ausführung hätte bei mir sicher nicht zu der Leseerfahrung geführt, wie ich sie genießen konnte.
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Jonas Winner entwirft in diesem Buch keine sympathischen Personen, aber hier war es das erste Mal, dass mir unsympathische Hauptcharaktere nicht viel ausgemacht haben. Vielleicht lag das an der allgemeinen Atmosphäre des Wahnsinns, die im gesamten Buch vorherrscht und mich als Leser problemlos dazu motivieren konnte, immer weiter zu lesen. Der Schreibstil war stimmig und flüssig, sodass ich beim Lesen wirklich teilweise die Zeit vergaß.
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Insgesamt möchte ich das Buch allen empfehlen, die gewillt sind, sich auf neue Ideen einzulassen, welche sich nicht mit dem Verstand erschließen lassen, denn gerade die "Möglichkeit des Unmöglichen" macht das Buch für mich am Ende so erschreckend. Kleinen Punkteabzug gibt es lediglich für die Figurenzeichnung, da mir auf Anhieb wirklich gar keine Person erfällt, die einfach sympathisch gewesen wäre, und für die kleineren Logiklöcher, welche aber nicht groß ins Gewicht fallen.
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