Rezension vom 25.10.2012
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Jack ist gerade fünf geworden und erzählt die Geschichte mit seinen fünfjährigen Worten. Das mag ab und an anstrengend erscheinen, jedoch wirkt es sehr authentisch. Er lebt mit seiner Mutter in einem 14qm großen, isolierten Raum. Jack kennt die Außenwelt nicht, denn er hat den Raum die ganzen fünf Jahre noch nicht verlassen. Seine Mutter wurde vor 7 Jahren entführt. Ihr Sohn Jack und der "Old Nick" genannte Entführer sind die einzigen menschlichen Kontakte während all der Zeit. Mutter und Sohn haben sich in ihrer kleinen Welt eingerichtet. Doch als "Old Nick" ihnen einmal tagelang den Strom abstellt, es bitterkalt wird und er auch nichts mehr zu essen bringt, beschließt Jacks Mutter, dass sie unbedingt aus dem Raum fliehen müssen. Gemeinsam mit Jack ersinnt sie einen Fluchtplan. Doch in der Freiheit beginnen die Probleme erst. Wie soll Jack sich in einer Welt zurecht finden, die mit seiner nur wenig gemeinsam hat?
"Raum" ist ein sehr berührendes Buch, das mir unerwartet nahe gegangen ist. So bin ich nachts aufgewacht und hatte Alpträume mich in einem derartigen Raum zu befinden und "Besuch" von Old Nick zu bekommen. Des weiteren fühlte ich mich bedrückt, als ich das Haus verließ und irritiert beim Anblick all der Farben und Geräusche, die unsere Außenwelt so enthält. Ich habe mich wirklich gefragt, wie jemand, der, wie Jack, die Welt außerhalb eines geschlossenen Raumes nie erlebt hat, Dinge wahrnehmen würde: bunte Blätter, die von den Bäumen fallen, hupende Autos, Ampeln - Dinge, die uns normal und selbstverständlich erscheinen, die es aber vielleicht doch gar nicht sind? Ist nur unsere Welt "richtig"? Jack kannte nichts anderes als den Raum und für ihn war das die Welt. Ein Gedanke, der uns schier unglaublich erscheint, aber der trotzdem irgendwo auch seine Berechtigung hat. Jack war nicht unbedingt unglücklich in seiner Welt, da er keine andere kannte und dennoch wirkt diese ganze Geschichte auf den Leser einfach nur schockierend, denn wir kennen die Welt draußen und in unserem Wertesystem sind Menschen nicht auf 14qm eingesperrt. Aber wie erklärt man das jemandem, der die ersten 5 Jahre seines Lebens außerhalb dieses System verbracht hat?
"Raum" macht einen sehr nachdenklich, betroffen, emotional, bisweilen verzweifelt und oft traurig. Ein sehr lesenswertes Buch, bei dem es schwer ist die Distanz zu wahren, obwohl es ja eigentlich nur "ein Buch" ist. Nichts für sanfte Gemüter!
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