Inhalt:
Im November 1892 beginnt der Leidensweg der jungen Emily Wheiler. In der Nacht, als ihre Mutter im Kindesbett stirbt. Von nun an ist sie die Frau im Hause Wheiler, dessen Familienoberhaupt Barret H. Wheiler, Präsident der First National Bank von Chicago, nur nach außen hin den perfekten Eindruck hinterlässt.
Immer mehr hat Emily unter den sengenden Blicken ihres Vaters zu leiden, der ihr die Rolle als „Dame des Hauses“ ungewollt aufdrückt. Emily weicht ihm so gut es geht aus, übernimmt gerne die Pflichten der Haushaltsführenden, doch das Verhalten ihres Vaters wird immer schlimmer. Angetrunken verwechselt er sie mehr als einmal mit ihrer Mutter, der Emily ihre Schönheit zu verdanken hat und der sie beinahe bis aufs Haar gleicht.
Die Angst in Emily gewinnt die Oberhand. Verzweifelt auf der Suche nach einem Ausweg, der einer Frau des 19. Jahrhunderts offen steht, trifft sie auf Unverständnis und erntet sogar herablassende Blicke. Ein Hoffnungsschimmer in Person des hübschen Arthur Simpton erhellt die Nacht, in der sich Emily nur zu gerne verkriecht.
Doch es sollte anders kommen, als sie geplant hat.
Meinung:
Neferet ist wohl eine der niederträchtigsten, bösartigsten Kreaturen, die die Welt von P.C. und Kristin Cast hervorgebracht hat. Bereits im ersten Band der „House of Night“-Reihe, als alles noch soweit in Ordnung zu sein scheint, erwähnt Neferet ihre schlimme Vergangenheit. Als „Neferets Fluch“ nun erschienen ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich zu ihren Aufzeichnungen greifen würde. Ich wusste, womit es enden würde, dennoch las ich mit Begeisterung oder eher Bestürzung, was dem armen Mädchen Emily Wheiler angetan wurde und hatte sogar Mitleid mit ihr.
„Neferets Fluch“ sind die Tagebuch-ähnlichen Aufzeichnungen der jungen Emily Wheiler. Sie beginnen zweieinhalb Monate nach dem Tod ihrer Mutter. Emily erzählt uns, was in dieser Zeit geschehen ist. Doch noch bevor sie erzählt, stellt sie die Frage, warum ihr das alles passiert ist, ob sie paranoid war und ihre Gedanken die einer Wahnsinnigen wären. Doch Zug um Zug sollte sich herausstellen, dass wohl beides der Wahrheit entspricht.
Alles im Leben der jungen Dame aus gutem Hause schien perfekt. Emily hatte nichts Wichtigeres zu tun, als gemeinsam mit ihrer besten Freundin Camille den neuen Trends zu folgen, oder die neuesten Frisuren zu tragen. Alles änderte sich, als ihre Mutter starb. Schlimmer noch, Emily wurde praktisch von ihr gezwungen, bei der Geburt ihres vermeintlichen Bruders dabei zu sein und musste mit ansehen, wie ihre Mutter verblutete. Dies allein für die Lektion, was es bedeutete, eine Ehefrau und Mutter zu sein.
Als wäre der Verlust der Mutter auf diese Art nicht schon schlimm genug, muss Emily ihre Rolle als Dame des Hauses übernehmen, was für eine unbesonnene Jugendliche eine große Herausforderung darstellt. Sie ist gezwungen, die organisatorischen Dinge zu erledigen, soll abends mit ihrem Vater an dessen Seite dinieren. Anfangs fühlt sich Emily endlich von ihrem Vater beachtet, was er ihr ganzes Leben lang nicht getan hat. Sie fühlt sich geschmeichelt, von ihm wie ihre verstorbene Mutter behandelt zu werden. Doch die Blicke, die er ihr schenkt, gleichen nicht mehr denen eines Vaters für seine Tochter. In Emily steigt die Angst, verzweifelt sucht sie einen Ausweg. Ihre gleichaltrige Freundin Camille belächelt sie nur. Niemand scheint Emily zu verstehen. Weinend und voller Angst findet sie Trost im Garten des Hauses. Im Schatten einer Trauerweide, mit Blick auf den fulminanten Brunnen, der den Gott Zeus in Gestalt eines weißen Stieres und die junge Europa zeigt. Als Emilys Lage sich immer mehr zuspitzt, heckt sie einen Plan aus, den sie auf jeden Fall durchzuziehen hat. Ihre Angst wandelt sich in Berechnung und sie wird ihrem Leid wirklich entkommen…
Alle Leser von „Gezeichnet“ wissen aber, dass es da schon zu spät war.
Die von P.C. Cast geschaffene Atmosphäre konnte mich von Beginn an wirklich mitreißen. Immer im Hinterkopf, was aus der kleinen Emily wurde, flog ich gebannt über die Seiten. Der von mir geliebte typische „Mama Cast“-Schreibstil blieb auch in dieser längst vergangenen Zeit erhalten, wurde nur durch typische Wörter oder Formulierungen der damaligen Zeit ergänzt.
Entgegen der bisherigen Novellas hat Neferets Geschichte nichts mit Vampyren oder anderen Kreaturen zu tun. Beiläufig wird die Grundstückskauf der Vampyre für ein geplantes House of Night erwähnt, das war’s dann aber auch.
„Neferets Fluch“ gleicht eher einem Buch, einer Geschichte über ein Mädchen des 19. Jahrhunderts, das mit Unterdrückung und Bevormundung durch die Männerwelt zu kämpfen hat. Die das Verhalten ihres Vaters erdulden musste, um den Schein zu waren.
Wir erfahren, wo Neferets manipulative Art ihren Ursprung gefunden hat, warum sie diesen Namen gewählt, warum sie Männer verabscheut und warum sie sich in der von Frauen dominierten Vampyrgesellschaft wohl fühlt. Auch der Hauch einer ersten Verbindung zu den Schatten ist zu erkennen.
Urteil:
Wie in einem Rausch erlebte ich die Verwandlung der jungen Emily in Neferet, der Königin der Nacht. Es begann mit Angst und Trauer, einer Flucht in die Schatten der Nacht, ungehörten Hilfeschreien und Träumen eines Rittes auf Zeus in Gestalt eines weißen Stieres… Die Aufzeichnungen von Emily Wheiler haben mich berührt und mitgenommen und ich musste mich stark gegen den Drang wehren, Neferet all ihre Taten zu verzeihen. Wenn es so weit kommen konnte, mir zum Ende hin vor Erleichterung und Freude Tränen in den Augen standen, kann ich nur 5 Bücher vergeben. Außer der Länge gibt es nichts zu bemängeln!
Man MUSS diese Novella sicherlich nicht gelesen haben. Aber Neferets Vergangenheit war ein Erlebnis der besonderen Art und keine Szene oder kein Buch der Hauptserie konnte mich emotional so sehr überzeugen wie „Neferets Fluch“. Von daher kann ich nur empfehlen, es zu lesen.
Die Serie:
1. Gezeichnet
2. Betrogen
3. Erwählt
4. Ungezähmt
5. Gejagt
6. Versucht
7. Verbrannt
8. Geweckt
9. Bestimmt
10. Verloren
11. Entlarvt
(voraussichtliches Erscheinungsdatum November 2013)
12. englischer Titel noch unbekannt
(voraussichtliches Erscheinungsdatum 2014)
Die Novellas:
Dragons Schwur
Lenobias Versprechen
Neferets Fluch
? (über Kalona)
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