Vier Jahre ist es nunmehr her, seit Martina André „Das Rätsel der Templer“ veröffentlicht hat und es kommt mir wie gestern vor – auch der damals gehegte Wunsch, doch schnellstmöglich den eigentlich obligatorischen Nachfolger zu veröffentlichen, ist mir noch in entsprechender Erinnerung. Vier Jahre und zwei Romane später ist es nun endlich soweit und das Abenteuer um den Templer Gero von Breydenbach, seiner – mittlerweile angetrauten – Frau Hannah Schreyber und seine altgedienten Templerbrüder aus dem 14. Jahrhundert geht in die zweite Runde.
Das Ende des ersten Teils ließ einige Fragen offen – unter anderem die, was die Menschheit wohl tun würde, wenn sie die Möglichkeit hätte, in die Geschehnisse der Vergangenheit einzugreifen. Allein die paradoxe Vorstellung, nachhaltig die Zukunft durch eigene Taten innerhalb einer Zeitreise zu verändern, kann den menschlichen Verstand schon an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit treiben. Im vorliegenden Roman findet die Handlung in der Zukunft, Gegenwart und der Vergangenheit statt – trotzdem umspannt quasi ein Netz aus roten Fäden die Handlungen der einzelnen Zeitebenen bis hin zum Grande Finale, doch soll im Rahmen dieser Rezension nicht zu viel vorweg genommen werden. Soviel sei nur gesagt: Wie immer schafft es Martina André, den Leser mit einem vielseitigen Ende zu verblüffen.
Ausgangspunkt ist eine öde und grausame Zukunft nach einem Krieg der drei monotheistischen Weltreligionen, in denen Emotionen („Equilibrium“ lässt grüßen) und Geburten (man erinnere sich an „Children of Men“) streng kontrolliert werden und zwischenmenschliche Beziehungen keine Rolle mehr spielen. Ein Artefakt aus der Vergangenheit und seine Verbindung zum Templerorden, die Zeitreisenden Lyn und Rona aus der Zukunft und unsere altbekannten „Freunde“ Gero, Hannah und Co. In der Gegenwart finden so also irgendwie zusammen – Jahrhunderte vor unserer Zeit und das nicht irgendwo, sondern um Heiligen Land. Interessant ist die Weitsicht, die Martina André – gepaart mit ein paar politischen Seitenhieben – hier an den Tag legt und fließend und effektiv in den Gesamthandlungsstrang einarbeitet – sei es der Konflikt zwischen dem Christentum, dem Judentum und dem Islam, die stetig wachsende Globalisierung, die Machtgier einer großen Nation jenseits des „großen Teiches“, die auch heute noch gerne Weltpolizei spielt oder auch die Rolle der ehemaligen kommunistischen Staaten: Für Zündstoff ist gesorgt!
Was den Stil des vorliegenden Werkes angeht, ist Martina André ihrem bisherigen Schema treu geblieben – die Protagonisten sind nie einseitig dargestellt und haben sowohl gute als auch schlechte – halt menschliche – Seiten, sind daher auch immer für eine Überraschung gut. Die Schauplätze – allein Jerusalem – sind so plastisch genau und lebendig dargestellt, dass „Die Rückkehr der Templer“ den Leser in den sprichwörtlichen Mahlstrom der Geschichte zieht und nicht wieder loslässt. Auch der Alltag – speziell im 12. Jahrhundert – wird so geschildert, dass man wirklich – und das ist man bereits von anderen Martina André-Romanen gewohnt – schnell ein Teil des Ganzen wird.
Wer neben der stets spannenden Handlung oder dem Wechselbad der zwischenmenschlichen Gefühlen über den Tellerrand hinausschaut, wird beängstigende Parallelen zu unserer heutigen Gegenwart finden und feststellen, dass wir nicht allzu weit von einer ähnlichen Zukunft entfernt sind – hier hat Martina André also fiktionale Elemente zusammen mit Aspekten der Gegenwart und der Darstellung einer äußerst lebendigen Vergangenheit kombiniert, derer brisanten und zweifelsohne vorhandenen Faszination man sich nicht entziehen kann. Auf jeden Fall wird hier extrem zum Nachdenken angeregt – das „was wäre, wenn... ?“ sowie die Frage, was die Templer damals in Jerusalem wirklich gefunden haben, ist allgegenwärtig. Und auch die Frage, inwiefern wir aus der Vergangenheit lernen und unsere eigene Zukunft beeinflussen können, sorgt für Denkanstöße! Ich möchte daher an dieser Stelle auch keine einzelnen Aspekte der Handlung hervorheben, sondern empfehle einfach einmal, den bisherigen Rezensionen zu vertrauen und sich einfach auf das Gesamtwerk „Die Rückkehr der Templer“ einzulassen!
„Die Rückkehr der Templer“ – so banal der Buchtitel auch lauten mag – ist eine würdige Fortsetzung eines mir sehr teuer gewordenen Romanes aus deutschen Landen. Durch die sprachliche Qualität, die geschickte Kombination aus geschichtlichen und fiktionalen Elementen, der Kernthese des Konflikts der drei Weltreligionen und nicht zuletzt durch die liebenswerten Charaktere hat Martina André vieles richtig und nichts falsch gemacht. So obskur das Buch anfängt – für mich persönlich ein wenig zu viel Zukunft am Anfang - , so geordnet, spannend und reißend geht es weiter bis zur letzten der 761 Seiten. Ein Nachwort vom deutschen Autor Tobias Daniel Wabbel, seines Zeichen selbst ein Fachmann für den Templerorden und bekannter Buchautor, rundet den Gesamteindruck von „Die Rückkehr der Templer“ ab und lässt den Leser wieder mit dem „Was wäre wenn?“-Gedanken zurück. Liebe Martina, ist das jetzt das Ende der Fahnenstange oder ist da noch Raum und Platz für mehr? Pflichtkauf!!!