Rezension vom 06.11.2012
(7)
Das Buch ist in zwei große Abschnitte geteilt. Auf den ersten Seiten geht es um Anna, die nachts neben Ludwig, der wohl eine Überdosis Schlaftabletten genommen hat, sitzt und ihm ihre Geschichte erzählt. Ihre Schilderungen lassen Melancholie aufkommen. Auch das wirre Durcheinander ihrer Gedanken passt optimal in die Situation: Wer würde keine Probleme haben angesichts der Tatsache, dass der Freund in Lebensgefahr schwebt. Ihre Gedankensprünge sind authentisch und es wird schnell klar, dass Ludwig ein eitler, arroganter und gerissener Zeitgenosse ist.
Im zweiten Teil wird der Tag zuvor aus einer anderen Perspektive erzählt. Während man im ersten Teil eine Ich-Erzählung vorfindet, gibt es hier einen allwissenden Erzähler, der Annas Tag beschreibt. Leider liegt in diesem Abschnitt der Geschichte das Problem: Die Fragen, die sich am Ende des ersten Teils stellen (Warum sitzt Anna nachts neben Ludwig, obwohl er am Tag zuvor mit ihr Schluss gemacht hat? Warum trennt er sich von ihr, wenn er sie doch perfekt findet? Warum ruft sie nicht den Krankenwagen? Stirbt Ludwig?) werden nicht geklärt.
Auch dass die eigentliche Handlung ständig von Zwischeneinschüben künstlich in die Länge gezogen wird, hat mir nicht gefallen. Im Grunde passiert nicht viel: Anna wird ins Pflegeheim gerufen, weil ihre Mutter die Nachtwache angegriffen hat. Sie fährt hin, bleibt ein paar Stunden da und fährt abends wieder zurück. Mit den ganzen Anekdoten wird das Ganze auf fast 180 Seiten ausgedehnt. Auch hier gibt es viele Gedankensprünge, denen ich manchmal nicht ganz folgen konnte.
Insgesamt kann man sagen, dass das Cover sehr gut zum Buch passt. Wie auf dem Bild von Jarek Puczel bleiben Anna und Ludwig (vor allem Letzterer) nur schemenhaft. Die wahren Absichten der beiden bleiben verborgen.
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