So, mit einiger Verspätung hier nun auch meine Rezension zu "Sturz in die Zeit" von Julie Cross:
Wirklich positiv überrascht wurde ich vom Ende, da es doch ein abgeschlossenes Buch bildet und nicht - wie ich zunächst vermutet hatte - mit einem bösen Cliffhanger endet. Allerdings ist das auch gleichzeitig das größte Problem des Buches: Es sind zwar noch einige Fragen offen, dadurch dass aber der Haupterzählstrang mit dem Buch endet, flacht auch der Spannungsbogen zum nächsten Buch merklich ab. Der Aufbau eines zweiten Erzählstranges und Spannungsbogens rund um "Thomas" und die alternativen Zukunftsszenarien ist zwar löblich und rettet das Buch auch, hätte aber meiner Meinung nach früher im Buch auftauchen sollen. Man hat am Ende das Gefühl, dass dies das eigentliche Thema der Bücher wird und die Geschichte mit Holly eigentlich nur der Aufhänger für die Geschichte um Jackson ist. Das hinterlässt einen etwas faden Beigeschmack, weil dadurch der Eindruck entstehen kann, die Geschichte wurde nur deshalb so aufgebaut, um zusätzliche (jüngere) Leser zu gewinnen; auch weil die Geschichte um Holly nur sehr schleppend erzählt wird und wenig konsequent verfolgt wird. Vielmehr erfahren wir als Leser immer mehr durch die Augen von Jackson zum Thema Zeitreisen, Zeitsprünge und deren Bedeutungen und Zusammenhänge, Holly bleibt nebensächlich. Dazu verdichten sich die Ereignisse im letzten Buchdrittel auch noch sehr stark, da einerseits die ganze Handlung rund um das Thema Zeitsprünge so weit aufgebaut werden muss, dass es eine gute Balance zwischen offenen und unbeantworteten Fragen gibt, die die nächsten Bücher klären können (was in meinen Augen auch gut gelöst wurde) und die Geschichte um Holly noch sinnvoll zu Ende geführt werden muss (was meiner Meinung eher mittelprächtig funktioniert). Wie eingangs gesagt, finde ich es gut, dass zumindest das Kapitel mit Holly im Buch abgeschlossen wird, die Art und Weise wie es passiert lässt den Leser aber etwas ratlos zurück, weil dadurch die ersten zwei Drittel mehr oder weniger überflüssig erscheinen. Dieses Problem wird noch verstärkt durch die den Umstand, dass - in meinen Augen - leider alle Figuren merklich blass bleiben.
Beim Lesen hatte ich ich die ganze Zeit Gefühl, das Jackson eher Ende 20 anstatt Anfang 20 ist, genauso ging es mir mit Holly und ihren Freunden, insb. Adam. In ihrer Sprache und ihrem ganzen Verhalten und auch in Umgang mit solchen Situationen, in denen z.B. Holly erfährt, dass Jackson und Adam angeblich für die CIA arbeiten (mit 19?!), wirkt ihr beschriebenes Verhalten viel zu abgeklärt für Teenager. Jacksons Vater wirkt auch eher wie ein gleichaltriger Kumpel denn wie ein Vater (wobei dies eventuell auch so gewollt ist). Sogar die Schwester von Jackson, bei der ich dachte, dass man als Leser aufgrund ihres Schicksals - von dem ja schon relativ früh erfährt - zu ihr eine Beziehung aufbauen kann, bleibt blass und im Hintergrund. Zu keinem Zeitpunkt wird wirklich deutlich, warum Jackson so viele Zeitsprünge zu ihr in die Vergangenheit, als sie noch lebte, unternimmt.
Diese - für mich etwas "unausgegorene" bzw. wenig glaubwürdige - Darstellung aller Figuren im Buch ist mein Haupt- und eigentlich auch einziger wirklicher Kritikpunkt am Buch. Dadurch hat die Autorin aber noch jede Potential, die Figuren in den weiteren zwei Bänden auszubauen (und sollte dies auch tun!).
Die Handlung rund um das Thema Zeitreisen und wie es im Buch umgesetzt wird, finde ich sehr gut! Als Leser dauert es zwar ein bisschen - genau wie bei Jackson im Buch - bis man genau versteht was es mit den Zeitreisen auf sich hat und vor allem, warum es Zeitsprünge gibt die etwas ändern können und welche, die nichts ändern. Auch die Einführung der vermeintlich bösen "Feinde der Zeit", bei denen sich der Leser noch nicht sicher sein kann, ob hier wirklich alles so schwarz/weiß ist, von "Thomas", dem unbekannten Mädchen und den Visionen von zwei gegensätzlichen, alternativen Zukunftsszenarien ist spannend und schafft es gerade am Ende, zumindest einen kleinen Spannungsbogen aufzubauen der neugierig macht, wie es im nächsten Teil weitergeht.
Fazit: Wenn man sich durch die etwas schleppenden ersten zwei Drittel des Buches gekämpft hat, zieht der Spannungsbogen des Buches merklich an, weil das die Geschichte ihren Fokus verlagert und sich mehr auf Jackson, seine Herkunft und seine Zeitsprungfähigkeiten und alles, was damit zusammen hängt, konzentriert. Die dabei aufgeworfenen, unbeantworteten Fragen sowie die größenteils noch etwas blasse Darstellung der Charaktere bietet reichlich Potential für die beiden weiteren Teile.