Inhalt:
Silvia Stolzenburg entführt den Lesern mit ihrem Debütroman nach Venedig und Zypern der Jahre 1570/71: Die junge venezianische Adlige Desdemona verliebt sich in den älteren Christoforo Moro und brennt mit ihm durch. Das Paar heiratet heimlich, doch angesichts der drohenden Belagerung der Festung Famagusta auf Zypern - damals zu Venedig gehörend - durch eine riesige türkische Streitmacht segelt Moro als hauptverantwortlicher General mit seiner schönen Braut direkt in den Unruheherd. Doch nicht nur eine Bedrohung von außen stellt das junge Glück auf eine harte Probe, Ungemach und Intrigen drohen auch aus den eigenen Reihen: Jago, ein Untergebener Mrors, hat noch eine Rechnung mit seinem General offen und sät Misstrauen und Eifersucht zwischen den Frischvermählten, wo es nur geht ...
Auch die blutjunge Elissa wird plötzlich aus ihrem behüteten Leben gerissen: Auf einer Schiffsreise nach Rom wird ihr Schiff von Piraten gekapert und unvermittelt findet sich das junge Mädchen als Gespielen des Sultans Selim II. wieder und muss im Harem Intrigen, Demütigungen und Leid erfahren ...
Meinung:
Die Autorin kleidet mit ihrem Debüt das Shakespeare-Drama "Othello" in ein neues, historisches Gewand und spinnt zudem einen weiteren Handlungsstrang hinzu (Elissa und Selim II.). Dabei schafft sie es wieder gekonnt, Fakten mit Fiktion zu verbinden, so dass ein fesselnder, glaubwürdiger Historienroman mit lebendigen Figuren vor dem inneren Auge des Lesers abläuft!
Mit Venedig und Zypern hebt sich das Setting erfrischend von den doch häufig gewählten Orten im Rahmen historischer Literatur - wie England, Frankreich oder Deutschland - ab. Besonders Venedig zu seiner Blütezeit scheint ein Setting mit viel Potenzial zu sein: eine machtvolle, stolze Stadt, die Bürger wohlhabend und ziemlich arrogant, Ränkespiele, Gesellschaftscodes, Missgunst ... Schön, dass Silvia Stolzenburg dies aufgegriffen hat
Die Figuren sind sehr lebendig, tiefgreifend und authentisch gezeichnet, darunter besonders Desdemona, Moror und Elissa. Doch auch Jago als Gegenspieler wird in seinem Hass glaubhaft dargestellt, und ich habe immer gemerkt, wie mein Herz schneller geschlagen hat, wenn ich merkte, wie wieder einmal eine seiner Intrigen anschlägt und Misstrauen in Moros Herz träufelt! Moros innere Zerissenheit wird dabei wunderbar dargestellt, und man möchte ihm immer wieder schütteln und zurufen, doch endlich mal mit Desdemona zu REDEN!!! An diesem Drama kann man ganz hervorragend eine gestörte Kommunikation analysieren :-)!
Der Handlungsstrang um Elissa und ihr Martyrium als Sklavin des Sultans ist zudem eine Bereicherung für den "Othello"-Strang, denn so bekommt der Leser einen zusätzlichen Einblick in die türkische Fraktion der Geschichte. Hier zeigt Silvia Stolzenburg ihr Können bzgl. authentischer Figurenzeichnung! Elissa muss viel leiden - und der Leser mit ihr -, doch wird glaubwürdig erzählt, wie sie ihren Weg geht und das alles ertragen kann!
Einige Kampfszenen gibt es auch , die mir extrem gut gefallen haben, weil man als Leser direkt dabei zu sein scheint, den Lärm hört, den Staub und das Blut riecht, die Verwirrung und Anspannung spürt. Topp!
Fazit:
Ein exzellenter Historienroman, der den Leser in das 16. Jh. nach Venedig und Zypern entführt und dabei gleichzeitig ein intensives Drama zwischen den Hauptfiguren entwickelt. Der Leser wird regelrecht in die Handlung hineingesogen, man liebt und leidet mit den Figuren - und hofft doch nur das Beste!
5 von 5 Sternen mit klarer Leseempfehlung