Dies war mein erstes Buch von Jodi Picoult, und wahrscheinlich für längere Zeit auch das letzte. Die Lektüre dieses Romans wurde mir aufgetragen, da sich mein Deutschkurs Klasse 11 dafür entschieden hat. Ich bin gespannt, wie die selbst es fanden. Ich fand es gelinde gesagt schlecht.
Vielleicht liegt meine schlechte Meinung daran, dass ich mich selbst recht nahe an einem echten Amoklauf fühlte, als er passierte. Ich war nicht direkt betroffen, war aber emotional aufgrund der örtlichen und altersmäßigen Nähe dran. Dieses Buch gibt NICHTS von dem wieder, was damals viele fühlten und durchmachten.
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In 19 Minuten erschießt Peter in seiner Schule zehn Menschen und verletzt 19 schwer. Anschließend geht es um die Frage, wie es dazu kommen konnte. Viele Seiten der Deutung einer solchen Tat werden aufgemacht: die psychologische Schiene, die neurologische Schiene, die emotionale Schiene usw. Leider bleibt alles an der Oberfläche. Die Frage, warum es zu einem Amoklauf bei Jugendlichen kommt, ist sicher eine der spannenderen gesellschaftlichen Themen der letzten Jahre. Immer wieder passiert eine solche unfassbare Tat. Die Hauptfigur Peter umfasst alle gängigen Klischees: Gewaltspiele, Metal-Poster, Mobbingopfer, von der großen Liebe zurückgewiesen, im Schatten des Bruders stehend, von den Eltern unbemerkt in eine eigene Realität abgetaucht, Waffennarr. Zwar mögen diese Punkte bei Amoktätern immer wieder auftreten - hier ist aber einfach zu viel des Guten auf ein Geschöpf projeziert worden. Der junge Mann, der die Tat aufgrund des heldenhaften Eingreifens eines einzelnen Detecitves (Hollywood!) überlebt, bleibt auch im Gewahrsam völlig rätselhaft. Ist er nun der verschüchterte Junge, dem alle Welt etwas Böses will, oder ist er ein böser Mensch, der sich gut verstellen kann? Es scheint mir nicht so, als würde Picoult diese Ambiguität absichtlich aufbauen. Sie kann sich anscheinend selbst nicht entscheiden.
Auch die anderen Figuren sind oberflächlich und stereotyp dargestellt. Der Officer ist ein Held mit dramatischer Vergangenheit, die Mutter der einzigen Freundin des Täters, die Staatsanwältin, ist eine Karrierefrau, die keinerlei Mutterinstinkt und -gefühl hinbekommt, der Vater des Täters ist ein auf Formeln versessener sozialer Verlierer, der Verteidiger ein Mann ohne Gewissen. LANGWEILIG! Am unklarsten bleibt, was für eine Person eigentlich Judy sein soll, ein Opfer, das überlebte, weil Peter es wollte - eine frühere Vertraute und Freundin von ihm, die sich im Laufe der Zeit eine neue Clique gesucht und dabei ihren (ermordeten) Freund Matt getroffen hat, der die unglaubwürdigste Figur von allen ist. Besonders das Ende erinnert an einen klassischen "Barbara Salesch"-Fall - eine Wendung, die wirklich keiner braucht, die sich aber sicher besonders gut in einem Hollywood-Blockbuster macht. Absolut unterstes kompositorisches Niveau (nicht logisch, nicht nachvollziehbar, nicht sinnvoll).
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Sprachlich ist der Roman nichts wert. Die Autorin beschreibt und erzählt alles, was sie für wichtig hält, auch alles, was überhaupt nichts zur Story beiträgt. Die sprachlichen Bilder sind schwach und unpassend. Ketzerisch gesagt: Ein Bestseller halt. Mehr ist es auch nicht wert.
Einziger Pluspunkt für mich: Die Darstellung der Mutter des Täters. Sie ist die einzige Figur, die etwas an Profil gewinnt. Mit ihr kann man mitfühlen, ihre Ängste verstehen. Für alle anderen hatte ich irgendwie nur eines übrig: ein müdes Gähnen.