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4.104 Eselsohren, 289 Bücher, keine auf dem Wunschzettel, 80 Rezensionen, 525 Tags, 241 Bewertungen (Ø 3,84), 10 Gruppen, 10 Freunde
lieblings Rezensionen
Rezension vom 15.05.2013 (1)
Zum Inhalt: Die 17-jährige Vesper Gold ist Tochter berühmter Eltern. Ihr Vater ist Regisseur, ihre Mutter eine Konzertpianistin - doch Vesper selbst macht eher durch ihr rebellisches Benehmen auf sich aufmerksam. Dies ist nur noch schlimmer geworden, seit sie zu ihrer Mutter nach Hamburg ziehen musste.
Doch dann stirbt ihr Vater und hinterlässt ihr einen Ring, einen Schlüssel und dazu einen seltsamen Brief, der sie vor den Wölfen warnt. Welche Wölfe er meint, erfährt Vesper schon kurz darauf, denn diese haben sich bereits auf die Jagd nach ihr gemacht. Auf ihrer Flucht trifft sie auf den kuriosen Leander Nachtsheim, der ebenfalls von den Wölfen gejagt zu werden scheint. Gemeinsam befinden sie sich plötzlich mitten in einem Abenteuer und erleben Dinge, die keiner von ihnen sich je hätte vorstellen können.
Meine Meinung: Die ersten Lobgesänge zu dem Buch bin ich ja bereits losgeworden. "Grimm" konnte mich wirklich direkt schon von der ersten Seite an fesseln. Ich hatte mich damals in den ersten Sonnenstrahlen mit einem Kaffee bei Starbucks hingesetzt und wollte gemütlich schonmal ein paar Seiten lesen. Tja...der Kaffee war dann schon lang leer und ich war immer noch fasziniert am lesen. :)
Bei so einem Start habe ich ja immer die leise Befürchtung, dass das Buch seine eigenen Versprechungen nicht halten kann. Gerade bei so dicken Büchern besteht die Gefahr, dass die Spannung sich verliert. Die Befürchtung war aber größtenteils unbegründet. Zwar geht Christoph Marzi hier auch wieder ordentlich ins Detail, beschreibt Personen, Gegenstände und Orte ganz genau, und pocht auch immer wieder darauf, Vespers Gedanken und Gefühle darzustellen. Aber irgendwie ist das auch wieder passend, denn das sorgt für eine ganz komische Atmosphäre. An vielen Stellen "lebt" die Geschichte in Vespers Kopf und der Leser erlebt das so mit. Nur ganz selten hatte ich das Gefühl, dass die Handlung so unnötig verzögert wurde.
Aufgebaut ist die Geschichte in einzelne Kapitel und scheinbar auch zwei Abschnitte. Letzteres ist aber nur eine Vermutung, denn zwischen zwei Kapiteln im letzten Drittel des Buches befand sich eine leere Seite. Falls das kein Fehler des Verlags war, könnte ich mir gut vorstellen, dass so die Wendung der Handlung dargestellt wird, die an der Stelle stattfindet. Die Kapitel sind relativ lang. So lang, dass ich zwischendurch vergessen hab, dass es überhaupt welche gibt. Ich glaube, es gab insgesamt in dem Buch nur sechs oder sieben davon. Normalerweise mag ich lieber kurze Kapitel, da das meiner Meinung nach das Lesen auflockert. Hier hat man das aber gar nicht gestört.
Die Handlung läuft recht langsam an, was aber auch gut ist, weil es so unglaublich viel für Vesper zu entdecken gibt. Zum Ende hin wird es dann immer rasanter und das Ende hat mir persönlich mit am besten gefallen, denn da zeigt sich erst einmal richtig, wie viel Fantasie die Autor hat.
Obwohl die Geschichte mir schon sofort so gut gefallen hat, war ich mit Vesper als Protagonistin zuerst nicht ganz glücklich. Anfangs wirkte sie mir zu sehr wie ein störrischer Teenie. Rebel without a cause, sozusagen. Mit der Geschichte erfährt man aber auch mehr über ihre Familie und ihre Vergangenheit. Zwar fand ich sie manchmal immer noch ein bißchen unsympathisch, aber eigentlich mochte ich sie doch ganz gern. Mein persönlicher Favorit unter den "Charakteren" war aber ganz klar Edgar. Ich möchte hier nicht zu viel zu ihm verraten und sage deshalb nur ganz verzückt: Awww! <3
Ganz klare Kaufempfehlung, auch wenn man sonst weniger mit Fantasyromanen anfangen kann.
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Rezension vom 05.05.2013 (2)
Zum Inhalt: Miles ist ein Einzelgänger und sein liebstes Hobby ist es, die letzten Worte berühmter Menschen auswendig zu lernen. Eigentlich ist er auch ganz zufrieden so, doch irgendwie glaubt er auch, dass das Leben mehr zu bieten haben muss. Deshalb schreibt er sich freiwillig in einem Internat ein, auf der Suche nach dem "Great Perhaps". Da findet er in Chip (dem "Colonel") zum ersten Mal einen echten Freund und in Alaska ein Mädchen, das weit mehr für ihn ist als eine Freundin. Doch dann passiert das, womit Miles niemals gerechnet hätte...
Meine Meinung: Je mehr Bücher von John Green ich lese, desto mehr verstehe ich die innige Liebe, die viele (junge) Leser mit ihm verbindet. Seine Geschichten sind einfach immer so normal und doch besonders. Und genauso sind auch seine Charaktere.
Auch Miles wirkt auf den ersten Blick zunächst seltsam, aber liebenswert. Welcher Teenager ist schon mit sich im Reinen darüber, ein Außenseiter zu sein, zu dessen Abschiedsparty kein Mensch kommen möchte? Und dann ist er trotzdem auch noch so mutig, sich aus seiner Wohlfühlzone zu bewegen. Hand auf's Herz, wie viele von uns wären freiwillig auf ein Internat gegangen? Und da trifft er auch noch auf Menschen, die genauso einzigartig, in sich widersprüchlich und doch wieder passend sind. In den meisten Jugendbüchern wäre Chip wohl derjenige gewesen, der Miles mobbt, hier werden die beiden Freunde. Tja, so ist das eben bei John Green. Alaska Young hat mich wiederum sehr an Margo Roth Spiegelman aus "Paper Towns" erinnert. Auch sie ist irgendwie verrückt, man will Miles davon abraten, sich in dieses Mädchen zu vergucken, und doch ist sie faszinierend und man mag sie einfach irgendwie und kann Miles auch verstehen.
Ich möchte nicht zu viel verraten, obwohl die Beschreibung des Buches schon vieles erahnen lässt, aber mich hat der Verlauf des Buches echt ein wenig mitgenommen. Gegen Ende hatte ich dann kurz das Gefühl, dass John Green sich etwas verliert, aber dann fand die Geschichte doch auf den rechten Pfad zurück und das Ende fand ich nochmal richtig schön.
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Rezension vom 18.04.2013 (2)
Zum Inhalt: America lebt in den ehemaligen USA, doch dort ist nun alles anders. Es gibt ein Klassensystem, bei welchem eigentlich nur die obersten drei Klassen gut wegkommen. America selbst ist eine Fünf, doch obwohl ihre Familie ständig mit dem Mangel an Geld und Nahrung zu kämpfen hat, ist sie glücklich. Das größte Problem stellt für sie ihre Liebe zu Aspen dar, denn der ist eine Sechs.
Doch dann erhält sie ihre Einladung zur "Selection", bei welcher unter allen geeigneten jungen Damen im Königreich die passende Braut für den jungen Prinzen Maxon ausgewählt werden soll. Es handelt sich um eine Art Casting und ohne es wirklich zu wollen, bekommt America tatsächlich die Einladung zur Teilnahme. Obwohl es niemals ihr Traum war, Königin zu werden, reist sie zum königlichen Palast und tritt dort gegen die anderen Kandidatinnen an und muss lernen, dass ihre Vorstellungen vom Leben im Palast, von der obersten Klasse und besonders von Prinz Maxon ganz anders sind als die Realität.
Meine Meinung: Ich muss wirklich sagen, dass ich sehr überrascht bin, wie wenig Kitsch diese Geschichte enthält. Obwohl mich die Idee beim Stöbern im Kindle Shop sofort angelacht hat und ich mir daher das Buch gleich geladen habe, hatte ich doch wesentlich mehr "Disney" erwartet. Die Geschichte bietet tatsächlich sehr viel Potenzial dafür. Junges armes Mädchen trifft auf reichen, gutaussehenden Prinzen. Und dann noch die Dreiecksgeschichte mit dem zweiten, viel ärmeren Jungen... Neu und innovativ ist die Story ja jetzt wirklich nicht, da beisst die Maus keinen Faden ab.
Trotzdem schafft Kiera Cass es, dass die hier nichts zu platt rüberkommt. Ein wenig unglaubwürdig wirkt Americas Verhalten zwar schon, aber das gehört irgendwie auch zu dieser Geschichte dazu. Es war sehr schön zu sehen, wie sie sich weder von den plötzlichen Möglichkeiten umhauen lässt, noch dass diese sie völlig kalt lassen.
Ich fand es auch gut, dass sich das Buch nicht nur um die vermeintliche Dreieckskiste von America, Maxon und Aspen bezieht, sondern dass es hier auch um viel mehr geht. Man erfährt viel vom Leben in den einzelnen Klassen, die politischen Zustände und das Familienleben der einzelnen Charaktere. Die Versuche, echte Spannung aufzubauen, kamen zwar doch etwas schwach auf der Brust daher, bringen aber immerhin Abwechslung zu der eigentlich recht klassischen Liebesgeschichte rein.
Etwas enttäuschend fand ich das Ende. Zwar weiß ich jetzt, das das Buch erst Band 1 ist, aber gerade dafür ging es mir einfach zu still zu Ende. Kaum ein Cliffhanger, kaum Spannung. Da hätte ich mir dann doch etwas mehr erhofft.
Was vielleicht auch noch zu erwähnen wäre, ist, dass die ganzen Dystopien sich vom Ausgangspunkt mittlerweile sehr ähneln. Finde ich zumindest. Das Klassensystem hier ist jetzt auch nicht so viel anders, als bei den Cassia & Ky-Büchern, die wiederum dem in der Panem-Reihe ähneln. Sicherlich liegt das auch daran, dass die Autoren sich echte Klassensysteme wie die Kasten in Indien und historische Gesellschaftsformen angeschaut haben. ich würde hier also nicht so weit gehen wollen, irgendwem zu unterstellen, man habe voneinander abgeschrieben. Aber langsam wird es für mich halt doch auch langweilig, wenn die Ausgangssituationen sich so sehr ähneln.
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Rezension vom 06.04.2013 (4)
Zum Inhalt: Das Buch ist eine Zusammenfassung von allen Geschichten, die Bill Bryson in seiner Kolumne über das Leben in den USA für die britische Zeitung "Mail on Sunday" geschrieben hat. Hier geht es unter anderem um die verrückte Bürokratie der amerikanischen Einwanderungsbehörde, über den Wahnsinn des Telefonanbieters AT&T, die Kuriositäten der amerikanischen Lebensmittelindustrie und natürlich auch um Brysons "ganz normale amerikanische Familie".
Meine Meinung: Es wurde endlich mal wieder Zeit für eine Runde Bryson-Humor. Er schafft es einfach wie kein anderer, die Kuriositäten und die Eigenheiten verschiedener Länder und dessen Menschen einzufangen und auf unheimlich witzige Art und Weise zu beschreiben.
Während die meisten anderer seiner Bücher eher Reiseromane sind, die ihm bei Roadtrips und Wandertouren folgen, ist "Notes From a Big Country" eine Zusammenfassung von Kolumnen. Diese hat er geschrieben, nachdem er nach zwei Jahrzehnten Leben in England in die USA zurückgekehrt ist. Einerseits macht das das Lesen natürlich viel schneller, denn die einzelnen Kolumnen sind sehr kurzweilig und nicht miteinander verbunden. Andererseits gibt es so natürlich auch keine wirkliche Handlung und zumindest ich war froh, danach wieder ein Buch mit einer Geschichte zu lesen, der man folgen kann.
Durch die lange Abwesenheit bekommt Bryson hier natürlich eine ganz andere Sichtweise auf sein Heimatland und dessen Eigenarten. Vieles ist ihm unbekannt und kommt ihm im direkten Vergleich kurios vor, andererseits ist er aber auch nicht völlig unbedarft, wie z.B. ein Tourist es wäre. Bereits in vorigen Büchern hat er sich ja ausgiebig mit diesem Land beschäftigt und kennt es mittlerweile sehr gut. Und doch schaffen seine Mitbürger, besonders seine neuen direkten Nachbarn, es immer wieder, ihn noch zu überraschen und häufig auch in den Wahnsinn zu treiben.
Sein Schreibstil ist wie immer satirisch übertrieben mit trockenem Humor und viel Selbstironie. Ich liebe das ja. Seine Bücher erinnern mich immer auch ein bißchen an Ephraim Kishon, dessen Bücher damals in der Schule die einzigen waren, die ich sogar freiwillig außerhalb des Unterrichts gern gelesen habe. Schön finde ich vor allem, dass er sich nicht einfach nur über "die Amis" lustig macht, wie es so viele gern tun. Sicherlich gibt es in diesem riesigen Land vieles, worüber wir alle nur den Kopf schütteln können, aber Bryson erklärt auch immer wieder, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Dadurch kann man beherzt lachen und lernt auch noch was dazu.
Ich kann das Buch jedem empfehlen, der gern etwas über die USA lernen und sich dabei amüsieren möchte.
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Rezension vom 26.03.2013 (4)
Zum Inhalt: Aurélie hat sich gerade erst mit dem Tod ihres Vaters abgefunden und damit, dass sie nun Chefin des kleinen Familienrestaurants "Les Temps des Cérises" ist, da bekommt ihr nun wieder perfekt erscheinendes Leben einen neuen Knacks: Ihr Freund Claude macht plötzlich und ohne Vorwarnung Schluss mit ihr, weil er sich in eine andere Frau verliebt hat. Und das sagt er ihr auch noch mit einem kleinen kurzen Abschiedsbrief. Völlig aus der Bahn geworfen spaziert Aurélie durch das herbstliche Paris und landet irgendwie in einer kleinen Buchhandlung, wo sie mehr aus Verlegenheit ein Buch kaufen möchte. Doch das ist nicht irgendein Buch, den schon beim Lesen der ersten paar Sätze wird ihr klar, dass dieses Buch irgendwie mit ihr verknüpft ist. Und plötzlich zählt für sie nur noch eins: Sie muss diesen mysteriösen Autor kennenlernen. Doch zwischen ihr und ihm steht dessen Lektor André, der sie immer nur abzuwimmeln scheint.
Meine Meinung: Ich habe sicherlich noch nicht genug Bücher von französischen Autoren gelesen, um das sicher beurteilen zu können. Aber bisher fand ich alle, die ich lesen konnte, irgendwie "besonders". Da scheint immer so ein ganz kleiner Hoch des Besonderen mitzuschwingen.
Bei "Das Lächeln der Frauen" hatte ich irgendwie das Gefühl, dass sich die Geschichte als alter Film aus den 50ern oder 60ern in meinem Kopf abspielt. Die Dialoge konnte ich regelrecht in der damals oft überzogenen Betonung und mit dem leichten Rauschen im Hintergrund hören. Vielleicht lag es daran, dass Französisch, wie ich finde, eine sehr höfliche Sprache ist. Und diese wurde hier auch in der Übersetzung fantastisch umgesetzt. Viele Ausrufe und Zitate blieben in der Originalsprache, aber keine Angst, man muss kein Sprachenexperte sein. Ich selbst hab auch eher holpriges Schulwissen im Französischen und habe trotzdem alles verstanden bzw. konnte mir einen Reim draus machen. Auch die Ansprachen (Monsieur, Mademoiselle, etc.) sind im Original gelassen worden. Ich finde das ganz bezaubern und das gibt dem Buch irgendwie Persönlichkeit. Ich mag es, wenn Bücher ihre Herkunft nicht in der Übersetzung (oder manchmal leider schon im Original) verlieren.
Die einzelnen Kapitel werden abwechselnd aus Aurélies und aus Andrés Sicht geschrieben, aber auch hier verliert sich der Autor nicht daran, gestelzt feminin oder maskulin zu schreiben. Man merkt schon, dass beide eine unterschiedliche Herangehensweise an die Situationen haben, aber nichts wirkt hier übertrieben und Nicolas Barreau spielt auch nicht die sonst so beliebte Mann-Frau-Karte aus. Trotzdem konnte ich mit beiden nicht ganz warm werden. Mit Aurélie nicht, weil sie mir eigentlich in jeder Situation ein anderer Mensch zu sein schien. Mal ganz tough, mal ganz klein und verloren. Klar hat jeder Mensch unterschiedliche Seiten, aber bei ihr kommt das irgendwie sehr extrem rüber. So ganz weiß ich bis jetzt noch nicht, was für eine Person sie letztendlich ist. Bei André wiederum habe ich das Problem, dass ich ihn einfach sehr unsympathisch finde. Zunächstmal mag ich keine Menschen, die meinen, dass der eigene Stress eine Entschuldigung dafür ist, andere schlecht zu behandeln. Wenn man das dann regelmäßig macht und immer alles auf den Stress im Job schiebt, hat man halt den falschen Job. Und wenn man dann sogar noch während man sich entschuldigt durchblicken lässt, dass der andere ja aber auch wirklich empfindlich ist, finde ich das wirklich nicht mehr lustig.
Insgesamt war die Geschichte für mich aber stimmig, wenn natürlich auch hier und da überzogen. Ich möchte nicht zuviel verraten, aber vieles war sehr vorhersehbar, was ich dann schon wieder schade fand. Die wenigen spannenden Stellen, bei denen man nicht wusste, was jetzt kommt, waren aber auch wirklich gut und ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Überhaupt liest es sich sehr schnell und flüssig und ich hätte es wohl in zwei Tagen ausgehabt, wenn ich nicht nebenbei noch ein anderes Buch gelesen hätte. Trotz vieler Schwächen also ein unterhaltsames Buch für den (hoffentlich jetzt kommenden) Sommer.
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A Game of Thrones. Die Herren von Winterfell; Das Erbe von Winterfell, englische Ausgabe
George R. R. MartinRezension vom 23.03.2013 (4)
Zum Inhalt: Eddard und Cately Stark haben als Lord und Lady ein gemütliches Leben mit ihren Kindern im nördlichen Winterfell. Bis Eddard's alter Freund Robert, der mittlerweile König ist, zu Besuch kommt und von ihm verlangt, dass er mit ihm in das südliche King's Landing reisst und sein Berater wird. Denn das Regieren fällt diesem schwer, zumal das Haus Targaryen eine ständige Bedrohung darstellt. Denn Vyseris Targaryen säße auch nur zu gern selbst auf dem eisernen Thron.
Zeitgleich erreichen Lord und Lady Stark auch die Gerüchte, dass es die Königin gewesen sein soll, die für den Tod des vorherigen Beraters des Königs verantwortlich sein soll. Denn auch diese will nur sich oder ihre Familie, die Lannisters, auf dem Thron sehen.
Meine Meinung: Was habe ich vor diesem Buch Angst gehabt! Die Stimmen waren ja durchweg positiv, aber eben auch meistens von eingefleischten Fantasylesern. Außerdem hat mir durchweg jeder erzählt, dass er das Buch soooo toll fand, aber eben auch sooooo lange dran gelesen hat. Das hat sich für mich dann irgendwie gebissen. Will man ein richtig tolles Buch nicht gleich auslesen? Hmm...
Im Nachhinein muss ich sagen: Alle hatten Recht! Das Buch zieht sich und zieht sich, aber gleichzeitig will man auch, dass es nie aufhört. Dass es sich stellenweise zieht, ist natürlich auch richtig, denn der Autor legt sehr viel Wert auf Details, auch an Stellen, bei denen man als Leser sie jetzt nicht unbedingt so sehr gebraucht hätte. Andererseits schafft er es so aber auch, eine ganz wunderbare Welt zu erschaffen, von der man gar nicht glauben kann, dass sie nicht real ist. Und real erscheint sie wirklich häufig, denn grundsätzlich orientiert sich George R.R. Martin an einem historischen Buch. Es gibt Burgen und Schlösser, man bewegt sich hoch zu Ross fort und bekämpft sich gegenseitig mit Schwertern. Zunächst ist es deshalb eigentlich auch nur der Blick auf die im Buch enthaltene Landkarte, die einem beweist, dass die Geschichte nicht in einem realen Land spielt. Mit der Zeit geschehen allerdings auch immer mal wieder unerklärliche Dinge, die einen an Magie und Fantasy denken lassen.
Aufgebaut ist das Buch in einzelne Kapitel, die immer wieder zwischen den Perspektiven einzelner Charaktere wechseln. Schön ist hier, dass sich die Geschichte so trotzdem fortentwickelt, anstatt immer nur gleiche Ereignisse aus unterschiedlicher Sicht darzustellen. Meist reflektiert der Anfang eines Kapitels ein wenig und stellt dar, wie vorherige Ereignisse den aktuellen Charakter beeinflusst haben, dann geht es aber auch rasch vorwärts. Die Kapitel sind meistens so 10-20 Seiten lang, was den dicken Wälzer gehörig auflockert. An manchen Stellen war ich etwas genervt davon, weil nicht alle Kapitel direkt aneinander anknüpfen. So haben z.B. die Ereignisse um Vyseris und Danaerys Targaryen anfangs gar nicht direkt etwas mit der Geschichte in King's Landing und um das House Stark zu tun. Und manche Charaktere ware mir persönlich auch einfach nicht so sympathisch, weshalb mich ihr Schicksal weniger interessiert hat. Aber insgesamt greifen alle Kapitel gut ineinander und es ist interessant, wie sich die Wege der einzelnen Personen trennen und später wieder aufeinandertreffen.
Auch schön ist, dass es etwa 60 Seiten Appendix gibt, in welchem auf die einzelnen Häuser der Geschichte eingegangen wird. Dort werden Personen den Häusern und ihrer Funktion zugeordnet. Und da es nunmal so viele Personen sind, hilft einem das ordentlich, den Überblick zu behalten. Ich hatte von einer Freundin anfangs den Tipp bekommen, da immer mal wieder nachzuschlagen und diesen gebe ich auch gerne weiter. Auch hat es mir geholfen, dass ich wenigstens schon einmal zwei oder drei Folgen der Serie gesehen und somit Gesichter zu den Namen hatte. Ich merke mir Namen so schlecht, hatte so aber gleich eine Person vor Augen.Dabei hatte ich auch nicht das Gefühl, dass irgendwas gespoilert war, deshalb gebe ich auch das als Tipp weiter.
Ich fand "A Game of Thrones" einfach super, trotzdem ich keine Wahnsinns-Fantasyleserin bin. Ich verstehe den Hype jetzt vollkommen und mir hat in diesem Buch nichts gefehlt bzw. fand ich es auch nie zu trocken oder zäh, wie man es bei so dicken Büchern des Genres ja häufig befürchtet. Einziger Nachteil: Ich will den nächsten Teil. Sofort! :)
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Rezension vom 22.02.2013 (7)
Zum Inhalt: Quentin wohnt schon seit er denken kann neben Margo. Früher waren die beiden auch dicke Freunde, doch in der High School gehen sie getrennte Wege. Margo gehört zu den coolen Kids und ist sogar irgendwie deren Anführerin. Quentin dagegen ist ein Außenseiter und mit dieser Rolle auch ganz glücklich, denn er hat seine Freunde und seine Routine. Eigentlich vermisst er auch Margo nicht bewusst. Bis diese plötzlich eines Abends bei ihm am Fenster steht und ihn dazu drängt, mit ihr eine verrückte Nacht durchzumachen, in welcher die beiden jede Menge Illegales unternehmen. Am nächsten Tag verschwindet Margo plötzlich und während sich alle um ihn herum damit abfinden, dass dieses verrückte Mädchen ihrem alten Leben eben einfach den Rücken gekehrt hat, kann Quentin sie nicht vergessen. Und mehr noch, er ist davon überzeugt, dass Margo von ihm gefunden werden will und nur ihm Hinweise hinterlassen hat. Und so beginnt für ihn eine Art Schnitzeljagd, bei der er die wirkliche Margo erst kennenlernt.
Meine Meinung: Hachja, John Green! Mein neuer Held der Jugendbücher!
Vorab muss ich gleich ehrlicherweise sagen, dass "Paper Towns" mich nicht ganz so packen konnte wie "Will Grayson, Will Grayson" zuvor. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich auch, dass bei den beiden Büchern einfach die Erwartungshaltung anders war. Hier wusste ich jetzt schon, wie wunderbar der Schreibstil und der Ideenreichtum von John Green sind.
Natürlich hat auch "Paper Towns" wieder eine ganz wunderbare Geschichte. Es geht wieder um eigentlich ganz normale Jugendliche. Der ein oder andere der Charaktere wirkt auch hier skurril, aber nicht so über die Maßen, dass man selbst nicht auch so jemanden in der Art kennen würde. Da ist zum Beispiel Quentins Freund Ben, der auf geradezu tragische Art und Weise von den Mädchen besessen ist. In seinem Kopf ist er selbst ein ganz schöner Aufreißer, er nennt die Mädchen "Honeybunnies" und alles dreht sich bei ihm darum, endlich eine Freundin und vor allem eine Begleitung für den Abschlussball zu finden. Aber gleichzeitig ist er auch grandios erfolglos und unbeliebt bei den Mädels. Das macht ihn schon wieder liebenswert und knuffig. Zumal er seine Situation ja auch noch selbst mit Humor nimmt.
Quentin selbst war mir stellenweise zu ernst und verbissen für sein Alter. Natürlich passt das auch wieder zu der Geschichte, denn jeder "normale" Jugendliche in seinem Alter wäre so kurz vorm Abschlussball wohl mit allem anderem beschäftigt als mit seiner verrückten Nachbarin, zumal diese ja auch schon eine ganz gehörige Summe an seltsamen Geschichten gebracht hat und mehr als einmal für längere Zeit von zu Hause ausgerissen ist. Kein Wunder also, dass kaum jemand ihrem erneuten Verschwinden besonders viel Bedeutung beimisst. Da braucht es schon einen so sensiblen Charakter wie Quentin, der dann auch aus den kleinsten Sachen einen Hinweis herauslesen kann.
Sehr gut gefallen hat mir hier, dass John Green in der Geschichte auch die Unterschiedlichkeit der Charaktere aufgreift. Es kommt zu häufig vor, dass die Protagonisten als die Helden dargestellt werden und die Nebencharaktere in all ihrer Skurrilität eigentlich nur albern und manchmal sogar nervtötend wirken. Ich will hier nicht spoilern, aber genau das wird kurz angesprochen und auf tolle Weise von Quentins Freund Radar zerschlagen. Genau das liebe ich jetzt schon an John Green. Bei ihm wirkt einfach alles sympathisch. Jeder Charakter, jede Szene, jede Geschichte sorgen irgendwie dafür, dass man sich mit seinen Büchern einfach wohl fühlt.
Der Grund, weshalb mich das Buch nicht ganz packen konnte ist einfach, dass die Spannung immer wieder unterbrochen wird. Sicherlich ist es auch toll, mehr über die Freundschaft zwischen Quentin, Ben und Radar zu erfahren und mitzubekommen, was alles so kurz vor ihrem Abschluss bei ihnen abgeht. Aber eigentlich will man unbedingt wissen, was denn jetzt mit Margo ist. Und immer wenn es gerade richtig spannend wird und Quentin einen weiteren Schritt gemacht hat, hakt es wieder und man möchte am liebsten 10-15 Seiten überspringen, um zu sehen, wie es weitergeht. Erst im letzten Viertel entwickelt sich die Suche dann richtig rasant.
Ohne zuviel zu verraten möchte ich auch noch kurz das Ende ansprechen. Denn in den Enden liegt scheinbar ein weiteres Talent von John Green. Sie sind immer weit weniger spektakulär als man sie sich vorstellt und doch immer so besonders. Auch hier hat mir das Ende wieder so viel besser gefallen als alles, was ich mir vorher vorgestellt hatte.
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Rezension vom 15.02.2013 (5)
Zum Inhalt: Die 15-jährige Allie ist seit dem Verschwinden ihres Bruders eine echte Rebellin. Ständig stellt sie etwas an und bekommt einen Schulverweis nach dem anderen. Schließlich wird es ihren Eltern zu bunt und sie schreiben sie auf der Cimmeria Schule ein, einem Internat irgendwo in England. Obwohl Allie sich alle Mühe gibt, die Schule und alles dort zu hassen, findet sie schnell Anschluss und sieht Cimmeria schon bald als ihr Zuhause an.
Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Nach einem Brand und einem Todesfall scheinen sich plötzlich alle gegen Allie verschworen zu haben und jeder scheint ihr etwas zu verheimlichen. Und je mehr von dem großen Geheimnis Allie aufdeckt, desto größer wird ihr Verdacht, dass sie doch mehr mit Cimmeria verbindet, als sie anfangs dachte.
Meine Meinung: Das Buch ist wirklich ein fantastisches Beispiel dafür, dass sich Gratisbücher für Verlage durchaus auch lohnen können. Denn ich habe die Kindle-Version bei den Gratis-Tagen runtergeladen und hätte sie mir sonst wohl nie gekauft. Jetzt, soviel kann ich verraten, bin ich so begeistert, dass ich mir sogar den Nachfolger (und wahrscheinlich auch weitere Teile der Reihe, sofern vorhanden) kaufen werde.
Gerechnet habe ich, das gebe ich zu, mit einer Art Vampir-Roman. Bei dem Titel liegt das nah und da das Buch gratis war, habe ich mir zugegebenermaßen auch gar nicht groß die Beschreibung durchgelesen. Auch Vampir-Romane können ja ganz gut sein, aber viel erwartet habe ich hier wirklich nicht. Der Anfang hat dann auch zunächst meinen Erwartungen entsprochen. Aufmüpfiger Teenager landet in einer alten gruseligen Schule irgendwo "janz weit draußen". Aber schnell hat sich dann auch gezeigt, dass Allie gar nicht so sehr die typische Teenieheldin ist. Klar, auch hier ist sie wieder nicht dem Beauty Standard entsprechend hübsch, sie ist überhaupt nicht eitel und sie hat gleich mehrere Jungs, die bei ihr Nümmerchen ziehen und im Wartezimmer Platz nehmen. Soweit die Clichés... Aber hinter Allie versteckt sich auch ein verletzter Teenager, der nicht nur von ihrem Bruder, sondern kurz darauf auch noch von den Eltern enttäuscht wurde. Im Gegenteil zu vielen anderen Protagonistinnen ähnlicher Romane sind ihre Probleme auch nicht zum Teil eingebildet oder gar selbstverschuldet. Man hat gleich Mitleid mit ihr und kann ihre Situation nachvollziehen.
Glaubwürdig wirkt daher auch die sehr schnelle Art und Weise, sich in Cimmeria zurechtzufinden. Unter normalen Umständen hätte ich es angemäkelt, dass ein Mädchen in ihrem Alter so schnell einen völlig fremden Ort als ihr Zuhause ansieht. Aber hier merkt man gleich, dass ihr einfach nichts anderes übrig bleibt.
Die Charaktere um Allie herum fand ich auch liebenswert und irgendwie "echt". Zunächst wusste ich nicht so recht, was ich mit der Rektorin, Isabelle, anfangen soll. Eine so junge Rektorin, die auch noch eher auf Kumpel macht und sich von den Schülern beim Vornamen nennen lässt?! Aber sie geht einfach so lieb mit Allie um, dass man sie gleich mag und im Verlauf des Buches erklären sich auch viele solche Dinge, die einem rund um diese Schule herum seltsam erscheinen, von selbst. Der Einzige, mit dem ich wirklich bis zum Ende nicht richtig warm geworden bin, ist Sylvain. Er wirkt mir persönlich einfach zu aalglatt und auch nicht realistisch.
Eigentlich wäre dies ein Fünf Sterne-Buch gewesen. Aber worüber ich leider nicht hinwegsehen konnte, war die hölzerne Sprache. Da ich das Buch nicht im Original gelesen habe, kann ich nur raten, dass es sich vermutlich um eine wirklich üble Übersetzung gehandelt hat. Es tut mir leid, aber eine Jugendliche, die noch vor kurzem mit Sprayern in ihre alte Schule eingebrochen ist, wird doch in der Regel nicht Worte wie "unabkömmlich" benutzen, oder? Jedenfalls wirkt das nicht authentisch. Und in Cimmeria drücken sich alle Schüler so aus. Was noch zu verkraften gewesen wäre, wenn man es als Eigenart dieser Schüler verkauft hätte. Aber diese Art gehobene Sprache bei Jugendlichen als gegeben zu verkaufen, empfinde ich einfach nicht als realistisch. Und auch manche Beschreibungen sind einfach sehr platt ausgedrückt. So ist z.B. bei Sylvain von seinen "Schlafzimmeraugen" die Rede. Da muss man das ein oder andere Mal doch mit den Augen rollen.
Trotzdem handelt es sich um eine richtig spannende Geschichte, die mich sogar zum Ende hin nochmal richtig überrascht hat. Manchmal konnte ich den Kindle gar nicht aus der Hand legen und da ich ja in den letzten Tagen krank war, haben sich mein Körper und mein Kopf immer wieder gestritten und ich bin öfter mal mit dem Kindle in der Hand eingenickt. Jetzt muss ganz bald der zweite Teil her!
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Rezension vom 09.02.2013 (5)
Zum Inhalt: Es ist das Jahr 2044. Die Menschen haben die Erde so gut wie zugrunde gewirtschaftet. Es gibt kaum noch Öl oder sonstige Ressourcen. Nur wenige ganz Reiche haben noch ein angenehmes Leben. Alle anderen leben in heruntergekommenen, völlig überladenen Vierteln. Doch zum Glück gibt es die OASIS, eine virtuelle Welt. Dort kann sich jeder völlig kostenfrei eine neue Identität erschaffen. Man kann heissen, aussehen und sein, was oder wer man will.
Auch Wade ist einer dieser Menschen. Im realen Leben ist er Waise, der von seiner Tante nur irgendwie geduldet wird. Er ist schüchtern, zu dick, hat kein Geld. Aber in der OASIS ist er Parzival. Zwar kann er es sich auch dort nicht leisten, seinen Charakter groß auszurüsten, aber er ist weniger schüchtern und er hat Freunde. Außerdem ist er ein Gunter, einer der Charaktere, die sich der Aufgabe verschrieben haben, das "Easter Egg" zu finden, welches der verstorbene Erschaffer der OASIS hinterlassen hat. Wer die geheimen Schlüssel findet und schwierigen Aufgaben löst und somit am Ende das "Easter Egg" findet, der erbt das gesamte Vermögen des Verstorbenen. Nach mittlerweile sechs Jahren glauben die meisten Gunter kaum noch daran, dass sie der Glückliche sein könnten, und auch Wade hat diese Hoffnung eigentlich nicht mehr wirklich. Doch dann gelingt ihm das Unglaubliche: Er findet den ersten Schlüssel. Und damit beginnt ein verrücktes Abenteuer, das Wade quer durch die ihm so lieb gewordene virtuelle Welt und durch die 1980er Jahre mit allen ihren Arcade-Spielen, ihrer wilden Gitarrenmusik und ihren Cartoonserien führt.
Meine Meinung: Was für ein krankes und gleichzeitig wunderbares Buch! Mein Kopf dreht sich immer noch von dieser wilden Reise und vielleicht sollte ich mir ein bis zwei Tage Zeit lassen, bevor ich eine Rezension dazu schreibe. Aber ehrlich gesagt, habe ich Angst, dass ich dann plötzlich alles wieder vergesse. Also, nicht alles, aber wichtige Teile. Obwohl...so richtig sicher kann ich mir auch jetzt gar nicht sein, ob ich da jetzt alles verstanden habe.
Aber mal langsam. Fangen wir von vorne an...
Die Lobeshymnen, die auf und in dem Buch abgedruckt sind, versprechen nicht zuviel: Absolute Nerds und Computerfreaks kommen hier voll auf ihre Kosten. Von den Anfängen der Computer, wie wir sie kennen, irgendwann Ende der 70er bis zu der neuesten Technologie (selbstverständlich der von 2044!) ist hier alles vertreten. Hardwarekomponenten, Spieledetails, Charakterskills...all solche Sachen werden bis ins kleinste beschrieben. Und ja, mein Kopf hat sich nicht nur einmal wild gedreht und ich habe nur noch irgendwelche Zahlen vor meinem inneren Auge vorbeihuschen gesehen. Aber komischerweise stört das kein bißchen. Klar, manche Stellen werden halt überflogen, weil man sich unter den einzelnen Bezeichnungen gerade nichts vorstellen kann. Aber meistens schafft es Ernest Cline tatsächlich, alles auch für absolut technikphobe "Noobs" (hehe!) sinnvoll zu erklären. Selbst am Ende des Buches, bei welchem die Handlung wirklich rasant wird, hatte ich nicht das Gefühl, dass ich jetzt nicht mehr folgen kann. Im Gegenteil fand ich es sogar wahnsinnig beeindruckend, mit wie viel Fantasie er diese beiden Welten erfunden und aufeinander aufgebaut hat.
Dabei fand ich besonders beeindruckend, wie realistisch diese Zukunft wirkt. Klar, dass unsere Gier, was Öl und Energie betrifft, irgendwann mal ein böses Ende nimmt, haben viele Bücher und Filme als Ausgangspunkt. Aber darüber hinaus hat Ernest Cline bis ins Detail beschrieben, wie die Welt dann aussehen könnte. Ein Beispiel dafür sind die "Stacks", übereinander getürmte Wohnwagen und mobile Häuser, in welchen die Menschen nun leben, da sie keine Möglichkeit mehr haben, mit dem Auto weitere Strecken zu überbrücken und somit alle geballt in Zentrumsnähe der großen Städte wohnen müssen. Die OASIS selbst hat er dann auf den 1980er Jahren aufgebaut, der Ära, in welcher der Erschaffer, James Halliday, selbst aufgewachsen ist. Auch hier wird alles so umfangreich beschrieben und so perfekt aufeinander aufgebaut, dass man wirklich glaubt, die OASIS wäre bereits in der Mache. Und so gesehen ist auch das wieder realistisch. Zwar gibt es bisher nichts, was auch unser reales Leben miteinbezieht, wie im Buch z.B. Wade's Schule, aber große virtuelle Welten gibt es schon als soziale Netzwerke wie Second Life oder Spiele wie World of Warcraft. Es fällt einem also nicht schwer zu glauben, dass man selbst sein Leben im Jahr 2044 auch hauptsächlich online verbringt.
Mit Wade selbst wurde ich auch sofort warm. Klar, er ist natürlich ein klein wenig der Cliché-Held für so ein Buch. Einsam, entspricht nicht dem Schönheitsideal, hat wenig Geld...der geborene Außenseiter eben. Aber eben auch in einer Welt voller Außenseiter, denn eigentlich flüchten sich ja fast alle in diese perfekte virtuelle Welt, weil ihnen das reale Leben nichts bietet. Im Gegensatz zu vielen anderen geht er damit auch erfrischend ehrlich und mit einer gehörigen Menge Sarkasmus um, was ihn schon wieder ganz herzlich und offen wirken lässt. Ebenso ergeht es einem mit seinen Freunden, welche man nach und nach besser kennenlernt. Besonders sein bester Freund Aech wächst einem wirklich ans Herz und sorgte zumindest bei mir am Ende auch für einen wirklich herzlichen Lacher.
Was jetzt wie eine Art SciFi-Buch für Nerds klingt...naja, ist genau das, stellenweise. Aber darüber hinaus bietet das Buch auch noch so viel Abenteuer, Spannung und, ja, sogar Romanze, dass man es einfach lieben muss und kaum aus der Hand legen will! Definitiv mein erstes Highlight dieses Jahr.
So...und jetzt entschuldigt mich, ich geh mal eben eine Runde virtuelle Monster töten. Vielleicht finde ich da auch irgendwo ein paar Billiönchen, die jemand irgendwo versteckt hat. ;)
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Rezension vom 31.01.2013 (8)
Zum Inhalt: Auch im zweiten Teil von Sylvia Day's "Crossfire"-Trilogie dreht sich wieder alles um Eva und ihren gutaussehenden, reichen, einflussreichen Lover Gideon. Kaum haben die beiden es geschafft, sich endlich als Paar zusammenzuraufen, da kommen auch schon die nächsten Probleme auf sie zu. Es scheint, als ob alle gegen sie sind. Und dann verhält sich Gideon auch noch so mysteriös. Ständig ertappt Eva ihn dabei, wie er Zeit mit seiner Ex-Flamme Corinne verbringt. Und anstatt es ihr zu erklären, verhält er sich auch noch höchst verdächtig. Da dauert es nicht lang, bis Eva das alles nicht mehr ertragen kann.
Meine Meinung: Ich muss sagen, dass es mir diesmal unglaublich schwer gefallen ist, eine Zusammenfassung des Buches zu schreiben, weil es einfach keine wirkliche Geschichte gibt. Eigentlich dümpelt das Buch so vor sich hin. Es beschreibt den Verlauf einer nicht ganz so normalen Beziehung. Verfilmt à la "Sex and the City" in einzelnen Episoden könnte ich es mir sogar sehr gut vorstellen, weil es so viele kleine Handlungen hier gibt. Als Buch, dass ja, ob Teil einer Reihe oder nicht, auch in sich Sinn ergeben und abgeschlossen sein sollte, fand ich es aber sehr enttäuschend.
Eva und Gideon, die mir in "Bared to You" ja noch richtig gut gefallen haben, wurden mir während der Lektüre hier zunehmend zuwider. Schließlich habe ich mich einfach gezwungen, mir irgendwelche wirklich gutaussehenden Schauspieler in ihren Rollen vorzustellen, damit zumindest die Sexszenen noch halbwegs amüsant waren. Wobei ich sogar die hier wirklich nicht mehr so spannend fand wie noch im ersten Teil. Das lag auf gar keinen Fall am Schreibstil von Sylvia Day. Den finde ich nach wie vor richtig gut, und das nicht nur bei diesen Szenen. Was mich hier einfach wahnsinnig gestört hat war, dass jeder, aber wirklich ausnahmslos jeder, der Charaktere auf einmal einen tiefen psychischen Knacks hatte. Und bei fast allen war Sex dann Teil der Lösung. Und sämtliche Therapeuten, die die Charaktere nunmal alle so haben, nicken das ab. Man möge es mir verzeihen, ich bin sicherlich keine Expertin, aber ich kann es mir nicht vorstellen, dass irgendein ernstzunehmender Psychologe völlig begeistert zustimmt, wenn seine Patienten mit ausgiebigem Matratzensport selbst zu therapieren versuchen.
Aber es war ja nicht nur das, was hier schließlich völlig unrealistisch wirkte. Dazu kam noch der mittlerweile einfach nicht mehr glaubwürdige Charakter von Eva. Einerseits Karrierefrau, total ambitioniert und tough, schleppt sich noch halbtot ins Büro. Andererseits so naiv und gutmütig, dass ihr jeder alles verkaufen kann. Das macht weder Sinn, noch lässt es sie besonders liebenswert wirken. Ganz im Gegenteil.
Sicherlich kann man jetzt hier argumentieren, dass das Buch doch eigentlich nur als kleines erotisches Literaturabenteuer für zwischendurch gedacht ist und dass man bei dieser Art Bücher doch auch besser das ein oder andere Auge zudrückt. Das geht aber nur dann, wenn die Autorin nicht selbst versucht, mit aller Macht noch einen tieferen Sinn in die Story zu bringen und ernste Themen wie Kindesmissbrauch anzusprechen. Dann darf man als Leser wohl auch erwarten, dass das angemessen ausgearbeitet wird.
Aber ich will das Buch auch gar nicht komplett verreissen. Wie gesagt, die "leichten" Momente des Buches, seien es Sexszenen oder glückliche Momente in Eva und Gideons Beziehung, sind wirklich schön und gut beschrieben und laden dazu ein, als Leser auch mal den ein oder anderen Tagtraum zu erleben. Denn schließlich ist das Leben der beiden doch auch schon ein kleiner Traum. Leben in Penthäusern, spontane Trips quer durch die USA, Übernachtungen in luxuriösen Strandhäusern, Wellnesstage zu Hause...das könnte ich mir schon auch gefallen lassen. Deshalb bekommt das Buch von mir dann auch eine mittlere Bewertung. Denn in dem Genre gibt es sicherlich auch noch zahlreiche Beispiele, wie man es wirklich schlecht macht.
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