Um es gleich mal vorweg zu nehmen: Für mich war es ein eher durchschnittliches Buch - weder außergewöhnlich schlecht noch gut.
Cassia, ein 16-jähriges Mädchen, lebt in einer Gesellschaft, in der von der Regierung bestimmt wird, wer Single bleibt und wer seinen Partner fürs Leben findet. Dieser Partner wird natürlich auch vorgegeben. Cassia jedoch schwankt zwischen zwei Burschen - Xander und Ky.
Der erste Kritikpunkt, der einem sofort ins Auge sticht, ist dass die Serie doch Cassia & Ky heißt. Also kann man von Anfang an eigentlich davon ausgehen, dass es sich ihre Gefühle eher um Ky drehen werden. Das finde ich nicht besonders gut gelöst. Denn ich möchte von Beginn an selber herausfinden und entdecken, was Cassia erlebt - ohne davor schon die Richtung zu wissen.
Ansonsten fehlte mir die Spannung. Das Buch ist relativ ruhig, es plätschert so vor sich hin, ohne dass viel passiert. Action sucht man hier vergebens. Das passt eben zur Hauptfigur, denn Cassia scheint ein ruhiges und nachdenkliches Mädchen zu sein. Wie auch immer, mir hätte ein bisschen mehr Spannung (oder überhaupt Spannung, haha) schon besser gefallen. Die Schreibweise hat mir aber gut gefallen und der oft kritisierte Ich-Erzähler stört mich sowieso nicht, weil das sogar meine liebste Perspektive ist.
Ich habe auch oft gelesen, dass die Charaktere nicht gut dargestellt wurden. Das kann ich nur teilweise bestätigen. In Cassia und Ky konnte ich mich ganz gut hineinversetzen. Sie werden nicht genau beschrieben, aber man liest schon viel über sie heraus, erkennt an ihren Handlungen und Gedanken wie sie so ticken. Allerdings war das bei Xander nicht der Fall. Hier waren kaum Emotionen sichtbar, man weiß nicht, was er denkt, was er fühlt.
Apropos Emotionen - es war zwar alles nett zu lesen, aber die großen Gefühle kamen nicht rüber. Ich kam nicht ins Schwärmen oder Träumen. Außerdem wurde auch viel zu wenig über das herrschende System erzählt. Vielleicht möchte sich das die Autorin für die nächsten Bände aufheben, aber ich hätte hier schon gerne mehr darüber gelesen. So war es eigentlich eine unspektakuläre Liebesgeschichte mit einer Andeutung von Dystopie im Hintergrund.
Ich musste mich aber nicht durchquälen, und habe das Buch sonst eigentlich ganz gerne gelesen.