Rezension vom 12.09.2010
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"Flieh" von Jamie Freveletti ist ein brandaktueller Thriller, der sich mit dem Thema Piraterie vor Somalia befasst, was laut Autorin zum Zeitpunkt des Schreibens noch nicht so in die Öffentlichkeit gerückt war wie jetzt. Umso erschreckender ist das ausgedachte Szenario, dass eine Mischung aus Politthriller und Abenteuerroman ist.
Wie schon in "Lauf", dem ersten Buch von Freveletti, geht es auch hier wieder unter anderem um die Chemikerin Emma Caldrigde. Diese nimmt an einem Ultramarathon in Südafrika teil und bekommt nach einer Autobombenexplosion eine Substanz injiziert, die sie zu Höchstleistungen anstachelt. Parallel dazu befindet sich der im Auftrag für die amerikanische Sicherheitsfirma Darkview arbeitende Special Agent Cameron Sumner auf einem Kreuzfahrtschiff vor der afrikanischen Küste und bekommt es schon bald mit Piraten zu tun, die es offensichtlich auf die dubiose Fracht abgesehen haben. Carol Stromeyer und Edward Banner, die Geschäftsführer von Darkview müssen sich währenddessen in Washington mit einem politischen Kampf auseinandersetzen.
Nach und nach werden die einzelnen Handlungsstränge zu einem Gesamtbild verwoben - dabei erhält der Leser einen Einblick in alle Blickwinkel der Beteiligten. Die einzelnen Sprünge im Geschehen sind angemessen und erhöhen die Spannung im Lesefluss.
Insgesamt handelt es sich um einen gut aufgebauten Thriller, dem es nicht an Action mangelt.
Allerdings muss man bei der Glaubwürdigkeit doch einige Abstriche machen. Vieles wirkt zu starr konstruirt, vieles gänzlich unrealistisch. Um dazu einige Punkte zu nennen: Ein Mann mit einer einzelnen Waffe verteidigt ein ganzes Schiff vor Dutzenden von Piraten. Zufällig befindet sich ein Passagier an Bord, der mit dem, was man gerade zur Hand hat ein Granaten-Abfang-System bauen kann. Eine attraktive Frau kämpft sich problemlos durch eine von Bürgerkiegen geplagte Region und schafft es unbeschadet auf ein Schiff zu kommen. Eine amerikanische Geschäftsführerin einer Firma, weiß, dass es in der Nähe von Frankfurt in Bad Homburg ein Casino gibt usw. Leider trüben diese konstruirten Stellen das Lesevergnügen. Es scheint so, als wären die Ideen für weitere Verknüpfungen ausgegangen, so dass man kurz mit einigen Ungereimtheiten nachhelfen mussten.
Nichtsdestotrotz handelt es sich um einen sehr soliden und mitreißenden Thriller, der durchaus für eine gewissen Unterhaltung sorgt. Ich hatte keine Probleme das Buch in einem Rutsch durchzulesen, da der Handlungsaufbau und der Schreibstil sehr angenehm lesbar und gut zu verfolgen waren.
In meinen Augen handelt es sich um einen kurzweiligen, spannenden, jedoch nicht herausragenden Thriller, dessen Ende recht kurz gehalten ist und dessen Auflösung auch nach dem langen Spannungsaufbau einen etwas unfertigen Eindruck hinterlässt.
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