Julia für immer
Autor(in): Stacey Jay
Verlag: INK Egmont
Seitenzahl: 344
Preis: 17,99 Euro
ISBN: 978-3863960216
Gestaltung:
Das Cover gefällt mir sehr gut. Das Mädchen hat dieses wahnsinnig grüne Auge und scheint damit direkt in die Seele des Lesers zu blicken. Aber auch die Verzierungen und vor allem die Farbe gefallen mir sehr gut. Und natürlich ist das Buch (wie alle Bücher des INK Egmont Verlages) auch ohne Schutzumschlag ein echter Hingucker.
Story:
Klappentext:
„Romeo und Julia sind nicht im Namen der Liebe gestorben. Nein, Romeo hat Julia ermordet, um selbst Unsterblichkeit zu erlangen. Doch auch Julia ist in Wahrheit nicht tot. Seit 700 Jahren sind beide in einer Mission unterwegs: Romeo verhindert, dass Paare sich finden, Julia dagegen spürt jene Menschen auf, die für eine ewige Liebe bestimmt sind. Als sie glaubt, ihren eigenen wahren Seelenverwandten gefunden zu haben, passiert es: Zum ersten Mal trifft sie Romeo selbst, der zum Feind wurde und nun alles daransetzt, ihr Glück zu zerstören ….“
Der Klappentext hat mich sofort für das Buch gewonnen. Ich liebe die Romeo-und-Julia-Story und die Idee, diese einmal anders zu erzählen, gefiel mir sehr gut.
Das Buch beginnt ja zunächst in Verona im Jahr 1304 und man erfährt wieder einmal um die große Liebe von Romeo und Julia und zwar aus Julias Sicht. Danach springt die Geschichte jedoch in die Gegenwart nach Solvang in Kalifornien. Und der Leser wird Zeuge eines Autounfalls von Ariel und Dylan. Doch Ariel ist nicht sie selbst. Julia ist in ihren Körper geschlüpft, um ihre Aufgabe, wahre Seelenverwandte zu finden und dafür zu sorgen, dass sie sich aneinander binden und zu ihrer Liebe stehen, zu erfüllen. Aber Ariel und Dylan können nicht das Liebespaar sein, denn Dylan hat Ariel etwas vorgemacht, um eine Wette zu gewinnen, weshalb Ariel das Lenkrad herumgerissen und so den Autounfall verursacht hat.
Als wären das nicht schon genug Probleme, erkennt Julia plötzlich, dass auch Dylan nicht mehr er selbst ist, sondern Romeo in ihm steckt und sie töten möchte. Julia kann sich gerade noch retten und lernt dadurch Ben kennen, den schnell die Aura eines Verliebten umgibt. Der scheint mit Ariels Freundin Gemma befreundet zu sein. Das ist ziemlich schwierig für Julia, da sie nicht denkt, dass die beiden wirklich zusammenpassen und außerdem kann sie „die Amme“ nicht erreichen, die ihr sonst immer Informationen über ihre Aufträge gibt.
Überhaupt scheint dieses Mal alles anders zu sein, als bei ihren früheren Aufträgen und auch Romeo verhält sich plötzlich sehr komisch. Julia erkennt schnell, dass es nicht nur um die beiden Liebenden geht, die es gilt zu finden, sondern dass mit diesem Auftrag auch ihr eigenes Schicksal und das von Romeo entschieden wird. Doch Julia hat nicht vor, sich ihre Entscheidungen abnehmen zu lassen, sie will selbst über ihr Schicksal entscheiden und endlich für ihre eigene Liebe kämpfen.
Charaktere:
Obwohl man nur am Rande etwas von Ariel erfährt, fand ich ihren Charakter sehr glaubwürdig. Durch ihre Narben ist sie gezeichnet und auch unsicher und klammert sich an ihre Freundschaft zu Gemma, die meist nicht mal besonders nett zu ihr ist. Sie leidet auch sehr darunter, wie ihre Mutter mit der Situation umgeht und trotzdem lässt sie sich nicht unterkriegen, sondern verabredet sich mit einem Jungen. Als sich diese Verabredung jedoch also böse Wette herausstellt, läuft sie nicht etwa weinend weg, sondern möchte, dass der Junge dafür bezahlt. Trotzdem ist sie bei Weitem nicht so taff wie Julia, doch diesen Persönlichkeitswechsel scheint niemand zu bemerken. Julia versteckt sich in Ariels Körper nämlich nicht hinter Makeup, sie sagt offen ihre Meinung (vor allem „ihrer“ Mutter gegenüber) und tritt sehr selbstbewusst auf. An Julia finde ich sehr schön, dass sie sich bemüht, dass Ariel (nachdem sie deren Körper verlassen hat) eine bessere Beziehung zu ihrer Mutter bekommt. Ansonsten finde ich, bemüht sie sich nicht besonders Ariels Leben besser zu machen. Sie beschließt, dass Gemma keine gute Freundin für Ariel ist, macht sich jedoch auch nicht die Mühe neue Freunde kennenzulernen. Überhaupt finde ich, dass Julia viel zu sehr mit ihrem eigenem Schmerz und Hass beschäftigt ist, als dass sie sich richtig um ihre Aufgabe kümmern könnte. Ich frage mich wirklich, wie sie ihre anderen Aufträge erfüllen konnte, ohne immer von ihrer Vergangenheit eingeholt zu werden. Erst zum Ende des Buches wird Julia für mich zur Heldin. Da erkennt sie, was wirklich wichtig ist und was sie all die Jahre nicht verstanden hat. Doch ich finde, dass ihre Erkenntnis leider durch das Ende ihrer Geschichte etwas zunichte gemacht wird und das ist wirklich schade.
Romeo war mir am sympathischsten, obwohl er manchmal sehr düster dargestellt wird. Er hat sich vor mehr als 700 Jahren dazu entscheiden, seine Seele an die Söldner zu verkaufen und dafür Julias Tod in Kauf zu nehmen. Das macht ihn zu „dem Bösen“ dieser Geschichte. Er kämpft darum, Seelenverwandte auseinanderzureißen und einen von ihnen auf seine Seite zu ziehen. Damit ist er natürlich Julias Gegenspieler und diese ist ständig auf der Hut vor ihm. Aber dieses Mal scheint er seinen Auftrag völlig vergessen zu haben, denn er möchte seine und Julias Seele retten und ihnen wieder ein normales Leben ermöglichen. Dafür braucht er jedoch Julias Hilfe und diese ist, durch ihre gemeinsame Vorgeschichte, schwer zu überzeugen. So rückt das unvermeidliche Ende und Elend immer näher und nagt an Romeos Gemüt und Verstand und es scheint, als würde er schön langsam dem Wahnsinn verfallen. Vor allem zu Ende des Buches scheint er durchzudrehen und ist kaum wiederzuerkennen. Doch sein Handeln passt in meinen Augen immer zu seinem Inneren, zu dem, wie es wirklich in ihm aussieht. Ich bin sehr gespannt, wie er sich im 2. Teil entwickelt.
Wirklich unsympathisch war mir Gemma, Ariels Freundin. Sie ist eine sehr egoistische Person, die sich stets einfach nimmt, was sie möchte, ohne Rücksicht auf Verluste. Vor allem, als herauskommt, dass Julia ihren Seelenverwandten gefunden hat und sich nicht immer alles um sie dreht, greift sie zu wirklich krassen Methoden, um Julias Glück zu zerstören, obwohl sie doch selbst längst die Liebe gefunden hat.
Auch mit Ben konnte ich mich nicht wirklich anfreunden. Zu Beginn fand ich ihn wirklich lieb. Aber nach und nach kam es mir so vor, als wollte die Autorin ihm nachträglich noch ein „Bad-Boy-Image“ verpassen, das so überhaupt nicht zu ihm passte. Schön ist allerdings, dass er zu seiner Liebe steht und für das Mädchen alles tun würde. Doch für mich war er irgendwie zu wenig „greifbar“, vielleicht weil man als Leser eigentlich nicht wirklich was von ihm erfährt.
Schreibstil:
Das Buch ist hauptsächlich aus der Sicht von Julia geschrieben, wobei ab und zu auch „Zwischenspiele“ aus Romeos Perspektive eingefügt werden, was mir persönlich sehr gut gefallen hat, da ich so auch Romeos Sichtweise besser verstehen konnte. Überhaupt legt die Autorin, Stacey Jay, sehr viel Wert auf Gefühle. So erfährt man als Leser den Schmerz von Ariel über ihre Narben und die daraus resultierende Ablehnung anderer. Man merkt, wie verletzt Julia ist und dass sie, trotz ihrer Aufgabe, aufgehört hat an die wahre Liebe zu glauben, sich jedoch nichts mehr wünscht, als einen Ort zu haben, wo sie hingehört, einen eigenen Körper und um ihretwillen geliebt zu werden. Und auch Romeos Verzweiflung darüber, dass er lebt und doch kein richtiges Leben hat, dass er nach und nach dem Wahnsinn verfällt und doch nie wirklich aufgehört hat Julia zu lieben, kommt sehr deutlich heraus. Stacey Jay versteht es wirklich, diese Gefühle dem Leser nahezubringen und ihn mitfühlen zu lassen.
Außerdem ist das Buch wirklich sehr spannend geschrieben. Schon zu Beginn des Buches, als Romeo zum ersten Mal wieder auf Julia trifft und diese attackiert, hielt ich den Atem an, so gespannt war ich, ob Julia es schafft, aus dieser Situation herauszukommen. Das ganze Buch über gibt es immer wieder solche Szenen, in denen man es als Leser vor Spannung kaum noch aushält.
Sehr gut gefiel mir auch, dass immer wieder Passagen aus Shakespeares Romeo und Julia in dem Buch vorkamen oder Teile, die an die Geschichte angelehnt waren. Vor allem Romeo zitiert gerne Shakespeare, dem er ja die „Lügengeschichte“ von Romeo und Julia verkauft hat. Diese Erklärung fand ich wirklich sehr schön und ließ mich richtig schmunzeln.
Allerdings muss ich zugeben, dass mir das Ende des Buches bzw. die Geschichte von Julia nicht besonders gut gefallen hat. Meiner Meinung nach wäre es viel dramatischer und auch nachvollziehbarer gewesen, wenn das Buch in der Gegenwart geendet hätte und nicht noch einmal ins Jahr 1304 gesprungen wäre. Dadurch wäre in meinen Augen die Bedeutung von wahrer Liebe offensichtlicher gewesen und das Ende wäre auch wieder näher an Shakespeares Romeo und Julia dran gewesen, was ja nicht umsonst eine der größten Liebesgeschichten aller Zeiten ist :)
Fazit:
Die Story des Buches ist wirklich originell und auch sehr spannend erzählt. Es hat wirklich Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Leider war mir das Ende etwas zu weit hergeholt und zu erzwungen.
Ich hoffe, dass es für Romeo im zweiten Band „Romeo für immer“ ein anderes, passenderes Happy End geben wird. Ich freue mich auf jeden Fall darauf zu lesen, wie es mit Ariel und Romeo weitergehen wird, denn das Ende von Band 1 hat mich sehr neugierig auf die Fortsetzung gemacht.
Von mir bekommt das Buch 3,5 Sterne von 5.