bin verblüfft: fast nur sehr gute wertungen hier. weil die aber immer auch als kaufgrundlage dienen, will ich da mal gegenschießen: keine kaufempfehlung. warum?
erste hälfte, also bis in buch 2 hinein, durchaus in ordnung – aber nicht mehr. nicht der beste murakami (kein vergleich zum "schafsmann", zum "aufziehvogel", zur "gefährlichen geliebten"), aber im großen und ganzen lesbar und unterhaltend. die gegeneinander kippenden zwei ebenen (tengo und aomane), die versteckten bezüge zueinander, die rätsel, die gänge ins nichts, die einsamkeit und der ganze postmoderne kram eben: gut, aber eigentlich inzwischen geschenkt. die postmoderne ist in der literatur zum glück abgeschlossen, ihre tricks (die lange spaß gemacht und fasziniert haben) sind bekannt und durchschaut; und auch ihr anderer großmeister paul auster hat uns nicht mehr das zu sagen, was er uns mit seiner new york trilogie oder der "musik des zufalls" zu sagen hatte. das war groß, und jetzt ist es vorbei. wie in der architektur, wo pompöse gänge ins nichts (oder durch ein gebäude hindurch) anfangs eine erleuchtung waren, heute aber eben nur noch aufgewärmt wirken.
so ähnlich empfand ich jetzt auch 1Q84. irgendwie alt, altbacken, als käme da einer nicht von seiner masche los. soviel zur ersten hälfte des buches…
richtig schlecht aber wird es ab seite 600 oder so: als es erstens zu lang wird und es zweitens murakami nicht schafft, die stränge so zu verknüpfen, dass der leser ein aha-gefühl erfährt oder sich ganz und gar im labyrinth verliert. es gibt weder das eine noch das andere. es ist nur zäh, wie murakami die ebenen und die personen zusammenführt. Da gibt es keine plausibilität mehr, da wird wirklich nur noch ein märchen erzählt. Aber das war doch früher die klasse bei murakami, dass er dieses „märchenhafte“ in unsere kompexe überzivilisierte high-tech-welt einweben konnte, dass der leser immer noch in dieser welt BLIEB. hier findet ein zusammenkommen von realität und mysterium nicht statt, hier ersetzt nur das eine das andere.
folge: wir können dem plot nicht aufrichtig folgen, ihn nicht wirklich mitgehen. Wir können ihn nur lesen. Und vielleicht eigene allegorien bilden, aber das kann ich auch über einen kalenderspruch. Das ist zu wenig, und verdammt: es ist auch nicht echt! Murakami bringt die story irgendwie zu ende, aber es wirkt, als hätte er selbst den glauben an sie verloren.
Und dann, dass er seine persönlichen leidenschaften und lieblingsmusiken etc. WAHLLOS auf seine figuren verteilt: das ist fast ´ne frechheit. Weil es künstlich wirkt. Fehlt nur noch, dass irgendeiner seiner protagonisten begeisterter schwimmer ist. Nee, Murakami, das ist nichts. Für alles vorher aber vielen dank.