Die Geschichte ist der Anfang eines Mehrteilers - zumindest erscheint mir das Ende darauf hinzudeuten. Allerdings finde ich dieses Buch auch einzeln gelungen, wenn auch mit Mängeln, die vermutich aber nur Viel-Lesern auffallen dürften.
Inhaltlich schwimmt dieses Buch auf der riesigen Welle der Dystopien mit, auf der auch die Tribute von Panem zu finden sind. Es geht um zwei Jugendliche - den von der Obrigkeit des Militärstaats gejagten Day (Daniel) und June, die als Wunderkind der Republik ein absolut kontrastäres Leben führt. Die beiden Protagonisten sind im großen und ganzen sehr gegensätzich angelegt, was ihre Lebensumstände anbelangt. Day wuchs in einem Armenviertel auf, verlor früh seinen Vater und hätte eigentlich sterben sollen, wenn es nach den Mächtigen in der Republik ging. Er fiel durch den großen Test, den jedes 10-jährige Kind zu absolvieren hat und ihm gelang die Flucht in den Untergrund. Seither gilt er als Staatsfind Nummer 1 und es wird nach ihm gefahndet, obwohl keiner genau weiß, wie Day eigentlich aussieht. Das reiche Mädchen June hingegen, die als Vollwaise mit ih rem älteren Bruder zusammenlebt, hat als einziger dokumentierter Fall beim großen Test die volle Punktzahl von 1500 erreicht und wird nun an allen Ecken und Enden vom Staat gefördert, dem sie später dienen soll. Nachdem ihr Bruder ermordet wird, erklärt man ihr, dass Day der Möder sei und setzt sie darauf an, den Verbrecher ausfindig zu machen, so dass er verhaftet und hingerichtet werden kann. Als June durch die Armenviertel der Stadt streift, kommt sie einem Jungen näher, in den sie sich verliebt. Als sich herausstellt, dass dieser Junge Day ist, stehen sich die beiden Verliebten vor schwerwiegenden Entscheidungen und Gewissenskonflikten. Mehr möchte ich ungern verraten...
Besonders interessant fand ich die Beschreibung der Republik und die Andeutungen bezüglich der Geschichte dieses Landes. die militärdiktatur, die das gezeichnete Amerika beherrscht, ist ein beinahe beängstigender Ausblick, wie sich Kulturen entwickeln könnten. Als ich angefangen habe zu lesen, fühlte ich mich an George Orwells "1984" erinnert und zeitweise auch an "Die Tribute von Panem". Dieser Eindruck legte sich nach und nach und es gelang mir die Geschichte zu lesen ohne sie ständig mit einem anderen Buch zu vergleichen.
Schreibstil und Sprache:
Legend ist ein Jugendbuch und, so wie die Sätze klingen, auch von einem sehr jungen Menschen verfasst. Die Sprache ist einfach gehalten und komplizierte Wörter sucht man vergeblich. Anfangs haben Day und June noch eine eigene Sprache und es wird darauf hingewiesen, dass dies so ist, weil die Beiden aus so unterschiedlichen Welten stammen und unterschiedliche Schulbildung, Erziehung usw genossen haben. Dass sich das mit der Zeit verliert und man die gebildete June, die bereits mit 15 einen Universitätsabschluss hat, am Ende in der wörtlichen Rede nicht mehr vom kleinen Strassenmädchen Tess unterscheiden kann, finde ich schwach. Dafür ziehe ich einen Stern ab.
Aufbau:
Die Tatsache, dass der Leser je ein Kapitel aus Junes und eines aus Days Sicht erlebt, fand ich anfangs spannend, denn ich weiß, wie viel ein Autor damit machen kann. Im Mittelteil baut diese Konstruktion die Spannungskurve gut auf, da die beiden Jugendlichen ja nicht dasselbe Wissen haben über das, was um sie herum gerade geschieht. Gegen Ende verliert sich das leider und es ist beinahe schon egal, wer etwas erzählt. Hier dient die Trennung nur noch dazu Handlungen zu beschreiben, bei denen nur ein Protagonist anwesend ist. Es ist schade, dass sich die Spannungskurve nicht so ganz halten ließ.
Fazit:
Für Mädchen, so im Alter von ca 13 finde ich das Buch gelungen. Es ist kurzweilig und einfach geschrieben, so dass es wenig Mühe macht, in die Handlung einzusteigen. Day und June sind gut gezeichnet und man kann sich alles, was erzählt wird, sehr gut bildlich vorstellen. Für männliche Leser könnte evtl ein bisschen zu viel kitschige Liebesgeschichte darin sein, so denke ich, dass es eher ein Mädchenbuch sein könnte. Das buch hat ein kleines Teil-Happy-End und ist somit auch gut alleine lesbar, aber der Anschluss für den zweiten Teil (sofern es den geben soll) ist in meinen Augen vorbereitet. Das Buch kriegt von mir gute 3 Sterne, gäbe es halbe, wären es 3,5.