Rezension vom 15.01.2013
(6)
Dieses Buch las ich langsam mit viel Genuss, um nur ja kein Wort auszulassen, keinen Gedanken zu überspringen.
20 Jahre lang führteJacques ein Restaurant an der französischen Atlantikküste zusammen mit seiner innig geliebten Frau Elli. Gemeinsam schufen sie einen Ort, an dem jeder Gast das Beste der französischen Küche genießen durfte. Nun ist Elli bereits sieben Jahre nicht mehr am Leben, sieben Jahre in denen Jacques das Kochen, das Restaurant und fast auch sich aufgegeben hat. Sein Leben scheint in Trümmern vor ihm zu liegen, dem Restaurant droht der Ruin.
Doch dann wird er fast schon gezwungen, die Hilfe seiner Freunde und eines finanziell gutgestellten Interessenten anzunehmen und eine Zukunft für sein verloren geglaubtes Paradies zu planen. Beim Kramen in alten Sachen findet er ein Notizbuch seiner Frau mit Rezepten, die er bisher nicht kannte und in der Nacht heimlich, damit bloß keiner merkt, dass er so vermessen ist, zu glauben, er könne auch ohne Elli etwas zustande bringen, nachzukochen beginnt. Wie glücklich ist er, als ihm dabei seine Frau erscheint. Diese Nachtmahle im Paradies machen den verschlossenen Griesgram offener und lassen ihn auch tagsüber seine Mitmenschen und sein Leben mit anderen Augen sehen, helfen ihm, wieder nach vorn zu blicken und, für ihn selbst unerwartet, einen Neuanfang zu beginnen.
Ich selbst fühlte mich bereits nach wenigen Seiten einbezogen in das Leben von Jacques, seinem Restaurant nebst Pferd und sprachgestörtem Esel, seinen alten und neuen Freunden. Wer schon mal in ländlichen Regionen Frankreichs sein durfte, wird sich sofort wieder dorthin versetzt fühlen. Dem Autor Ben Bennett gelingt es, den Leser den Wind, den Duft der Felder und den Geschmack der Speisen spüren zu lassen. Wer noch nicht dort war, wird sicherlich versuchen, irgendwann nach Frankreich zu reisen.
Jacquesl und seine Freunde sowie selbst Elli sind lebendig, fast schon zum Anfassen. Was die Spannung betrifft, ist das Buch sicher nicht mit einem Abenteuerroman oder Thriller vergleichbar, obwohl es durchaus Momente gibt, in denen ich dachte: jetzt verdirbt er sich alles! Doch richtige Sorgen machte ich mir eigentlich nicht, das ließ die Atmosphäre der Handlung gar nicht zu.
Ich finde, „Nachtmahl im Paradies“ ist ein tolles Buch, das glücklich und Lust auf Frankreich und, natürlich, aufs Kochen macht.
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