Was an Oliver Plaschkas „Der Magier von Montparnasse“ natürlich zunächst auf erfreuliche Weise auffällt, ist die ausgesprochen liebevolle Gestaltung des Buches. Das Cover, die ansprechenden Karten von Paris auf der Innenseite, die mit Bedacht und Gespür ausgewählten Schriftarten – all das macht Lust auf das Werk.
Höchst bedauerlich ist nun allerdings, dass man im Hause Clett-Kotta offensichtlich der Verpackung mehr Aufmerksamkeit schenkt als dem Inhalt. Und so ist die zweite – diesmal weniger erfreuliche – Tatsache, die dem Leser ins Auge sticht und die Lektüre mitunter zum Ärgernis macht, die ausgesprochen schlampige Arbeit des Lektorats. Rechtschreibfehler zuhauf; der Unterschied zwischen Nominativ und Dativ scheint in Stuttgart völlig in Vergessenheit geraten zu sein.
Selbstverständlich sind diese handwerklichen Fehler dem Autor nur teilweise anzulasten.
Der Einstieg in den Roman ist ausgesprochen zäh. Die ersten Kapitel ziehen sich ungeheuer in die Länge; in überflüssiger Ausführlichkeit werden Details einzelner Zaubertricks dargestellt; der Wechsel zwischen sieben (!) verschiedenen Erzählperspektiven, die obendrein nur schwer voneinander abzugrenzen sind, da man stets nur die eine Stimme – diejenige Plaschkas - vernimmt, sind durchaus keine Erleichterung.
Das Erstaunlichste an diesem Buch jedoch ist, dass der Leser trotz so mancher Sperrigkeit hineinfindet in die dargestellte Welt. Dies ist in erster Linie der wohlklingend eleganten Sprache des Autors zu verdanken, die über so manche Schwäche hinweg trägt.
Lange bleibt unklar, worum es überhaupt geht. So hat es zunächst den Anschein, es drehte sich lediglich darum, dass Ravi, ein Bühnenzauberer, bei einer seiner Vorführungen aus großer Not heraus vor den Augen des Publikums zu echter Magie greift, was nach den Statuten der geheimnisvollen Gesellschaft der Zauberer verboten ist. Glücklicherweise kristallisiert sich allmählich heraus, dass es doch um ein wenig mehr geht; so sehen sich Ravi und seine Schicksalsgenossen bald einem rätselhaften Innehalten der Zeit gegenübergestellt, dass es in seiner Unergründlichkeit aufzulösen gilt.
Als problematisch erweist sich, dass Plaschka es liebt in Andeutungen zu sprechen statt wichtige Dinge klar auszusprechen. Einerseits schafft er dadurch eine durchaus geheimnisvolle Atmosphäre, andererseits aber bleibt zu vieles im Verborgenen; Handlung und Handelnde bleiben fern und unnahbar, allzu groß ist die Distanz, die der Autor entstehen lässt.
Die Zuspitzung des Geschehens am Ende und die Auflösung, die so recht gar keine sein will, geraten recht schwach.
Insgesamt ein mittelmäßiges Buch.