Leben ohne Krankheit von David B. Agus
Der renommierte amerikanische Krebsarzt David B. Agus hält in diesem Sachbuch ein Plädoyer für die personalisierte Medizin der Zukunft.
Sein Antrieb ist die Unzufriedenheit mit der heutigen westlichen Medizin. Trotz enormer Anstrengungen in der Forschung werden kaum wesentliche Fortschritte bei der Heilung von Krankheiten erreicht, deren Ursache im System Körper begründet sind, wie z.B. Krebs. Als Onkologe wird er tagtäglich mit diesem Versagen konfrontiert und als Konsequenz hat er ein neues Gesundheitsmodell entwickelt. Dieses Modell, die Anwendung und die notwendigen Technologien werden im Buch vorgestellt, sowie gängige Gesundheitstipps sehr kritisch unter die Lupe genommen.
Gegliedert ist das Werk sehr übersichtlich in drei große Teile und 14 Kapitel, dazu ausführliche einleitende Worte, Schlusswort, einige Seiten mit den häufigsten Fragen und Antworten zum Thema und Danksagungen, auch an verstorbene Patienten wie z.B. Dennis Hopper, Steve Jobs.
Der Schreibstil ist ein sehr persönlicher, man wird als Leser durchgängig mit Sie angesprochen. So entsteht ein gewisses Gefühl der Exklusivität und daraus entwickelt sich eine zusätzliche Motivation zum Lesen der knapp 400 Seiten. Durchgängig pflegt der Autor einen leichten Plauderton, als ob man gegenüber säße. Viele, viele Beispiele werden angeführt und jedes Thema aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachtet. Damit zieht sich die Lektüre allerdings auch sehr in die Länge. Für ein Sachbuch insgesamt sehr leicht lesbar, sofern eine fundierte biologische oder medizinische Vorbildung vorliegt, denn ein Glossar enthält es leider nicht.
Im Teil 1 „Die Kunst, Ihre Gesundheit zu definieren“ werden z.B. die Vorsorge als das Beste gegen Krebs, ein Krankheitsfamilienstammbaum, Gentests zur Risikoabwägung für Krankheiten oder die neue Proteomik (Analyse von Proteinen zur Feststellung des Gesundheitszustandes) empfohlen. David B. Agus ist selbst Teilhaber von entsprechenden Firmen in den USA.
Im Teil 2 „Die Grundlagen eines gesunden Lebensstils“ sind die Vitamine und ihre sehr verbreitete prophylaktische Einnahme ein Themenschwerpunkt. David B. Agus führt zig Studien und Gegenstudien an, um zum Schluss natürliche Lebensmittel als Quelle für Nährstoffe und Vitamine zu empfehlen.
Im Teil 3 „Ihr zukünftiges Ich“ plädiert der Autor für einen Austausch der persönlichen medizinischen Daten im Internet, hofft auf Erkenntnisse durch Sammeln von Daten weltweit und fasst noch einmal die Gesundheitstipps zusammen.
Welche neuen Erkenntnisse habe ich nach der Lektüre für meinen Lebensstil gewonnen? Keine!
Dass der Körper ein System ist und auf Änderungen vielfältig, z.T. unvorhersehbar reagiert ist mir nicht neu. Dass Nährstoffe aus frischen Lebensmitteln wertvoller und besser dosiert sind als einzelne Nahrungsergänzungsmittel, auch nicht neu. Dass mir der Familienkrankheitsstammbaum Auskunft über mein Risiko an Krankheiten geben kann, ebenfalls nicht neu. Dass Vorsorgeuntersuchungen die besten Heilungschancen eröffnen, auch nicht neu.
Der Titel ist ja sehr viel versprechend, doch grundsätzlich legt sich der Autor mit seinen Aussagen nicht fest. Als Beispiel: D. B. Agus empfiehlt Mini-Aspirin als wirkungsvolle Vorsorge ab 50 Jahre im mehrseitigen Text. Aber dann: „Entscheiden Sie selbst darüber, damit Sie möglichst nur die Medikamente nehmen, die Sie auch brauchen.“ S. 97
Einen Ratschlag aus der Lektüre nehme ich mit, auch wenn dieser ebenfalls nicht neu ist: Denke selbst nach!
David B. Agus personalisierte Medizin lässt sich in einem Satz zusammenfassen. Erkenne deine Risiken und versuche aktiv, diese durch deine Lebensführung zu minimieren.
Fazit: Wer ein gut lesbares Buch über den Sinn eines gesunden Lebensstils lesen möchte, sollte zugreifen. Wirklich neue Erkenntnisse sucht man vergebens.