Rezension vom 19.04.2009
(4)
Um den sinkenden Auflagenzahlen einer westfälischen Kleinstadtzeitung entgegenzuwirken darf der Lokalredakteur Paul Elmar Litten unter weiblichem Pseudonym einen Fortsetzungsroman auf Seite 1 veröffentlichen. Der Roman handelt von Hannah, der Zwillingsschwester Jesu, auf der verzweifelten Suche ein normales Leben zu führen. Der Fortsetzungsroman spaltet die Bevölkerung, die Beziehung von Paul Elmar kriselt, kurzum das Leben gestaltet sich in der Fortsetzung recht turbulent.
Das signalgelbe Cover finde ich sehr ansprechend und hätte mich in der Buchhandlung sofort dazu verleitet, das Buch aus Neugier in die Hand zu nehmen. Gelesen habe ich die 284 Seiten innerhalb zwei Tagen, was für den Unterhaltungswert des Buches spricht. Ich bezeichne diese Art von Literatur gerne als "Fast-Food-Literatur", da man schnell drin ist, die Sprache nicht zu anspruchsvoll ist und sich das Buch sehr gut in einem Rutsch durchliest und man es gar nicht mehr weglegen möchte. Ideale Reiselektüre, wie sie in Buchhandlungen an Bahnhöfen und Flughäfen liegen sollte.
Das Buch an sich hat mir mittelmässig gefallen, es hat sicher auch nicht den Anspruch "Schwere Kost" zu bieten. Ich fand es ganz unterhaltsam, aber richtig zum Lachen gebracht hat es mich nicht. Die Idee mit der Messias finde ich ganz gut, die ersten Folgen haben mir auch gut gefallen. In der zweiten Hälfte des Buches sind die Folgen aber dann etwas hektisch und abgedreht - vielleicht soll das ja die tatsächliche Situation von Paul Elmar und seiner westfälischen Kleinstadt widerspiegeln. Es kann natürlich auch daran liegen, dass der Chef plötzlich vorschreibt wie die Geschichte weitergehen soll.
Man merkt genau, dass der Autor Drehbücher für Serien wie "Alles Atze" geschrieben hat - das Buch liest sich wie eine niedergeschriebene Comedy-Sendung. Stilmittel wie Dialoge in denen die Personen lange aneinander vorbeireden finde ich etwas zu häufig eingesetzt.
Zwischendrin gibt es ein Kapitel, das auf den ersten Blick so gar nicht zum bisher Gelesenen und zu den Charakteren passt. Es klärt sich dann ziemlich schnell auf, dass die ganze Handlung nicht real war.
Wenn ich ganz ehrlich bin - ich würde das Buch nicht noch einmal lesen, das Genre "deutsche Comedy - jetzt wollen wir bemüht lustig sein" ist wohl einfach nicht mein Fall. Alles in allem habe ich mich aber trotzdem gefreut, dass ich das Buch testlesen durfte - als leichte Reiselektüre hat es seinen Dienst auf jeden Fall getan.
Mehr
Weniger
0 Kommentare