Rezension vom 07.09.2009
(7)
John Elder Robison merkt recht schnell, dass er nicht ist wie die anderen Kinder. Er findet keine (oder nur schwer) Freunde, und scheint immer das Falsche zu sagen und zu tun. Erst als Erwachsener erfährt er, dass es für sein Verhaltensmuster inzwischen einen Namen gibt: John hat das Asperger-Syndrom, eine milde Form des Autismus. Er ist nicht in der Lage, sozial zu interagieren oder seine Gefühle auf die gleiche Weise auszudrücken wie "Nicht-Aspergianer". Als sein Vater stirbt, wird John von seinem Bruder ermutigt, seine Geschichte aufzuschreiben, um damit zu zeigen, dass "wie roboterhaft wir Aspergianer auch erscheinen mögen, wir durchaus tiefe Emotionen haben [Vorwort]".
Die Gedanken- und Gefühlswelt, in die man mit diesem Buch einen Einblick hat, ist erstaunlich. Von Anfang an hat mich fasziniert, wie unterschiedlich und doch nachempfindbar diese Welt ist. Die Szene, in der er beschreibt, wie er sich als Beleuchter bei einem großen Konzert fühlt, empfand ich als reine Poesie - und in anderen Momenten, wenn er z. B. die Liebe seiner Frau mit logischen Mitteln zu analysieren versucht, kann ich nur staunend "davorstehen" und die Gedanken nicht nachvollziehen. Genau dieser Gegensatz macht den Reiz des Buches aus.
Fast eine Pflichtlektüre für alle, die Asperger-Patienten kennen oder sich über diese Krankheit allgemein informieren möchten - und außerdem die sehr gut erzählte Geschichte eines ungewöhnlichen Lebens.
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