Ágnes Nemes Nagy

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Autor*in von Mein Hirn: ein See.

Lebenslauf

Ágnes Nemes Nagy studierte an der Péter-Pázmány-Universität Ungarisch, Latein und Kunstgeschichte und machte 1944 das Lehrerexamen. Sie heiratete 1944 den Literaten Balázs Lengyel. Während des Holocaust war sie gemeinsam mit Lengyels Mutter und Geschwistern an der Rettung von zwei Jüdinnen beteiligt.[1] Gedenktafel in der Királyhágó utca Grab auf dem Farkasréti temető Nach Kriegsende schlossen sie und Lengyel sich der Intellektuellenbewegung um die Literaturzeitschrift Újhold („Neumond“) an, in der Iván Mándy und János Pilinszky den Ton angaben. Nemes Nagy hatte erste Publikationen ihrer Gedichte und erhielt 1948 ein Rom-Stipendium. Nach der kommunistischen Machtübernahme wurde es ihr ab 1949 verboten zu publizieren. Sie widerstand den Zwängen, im Stil des Sozialistischen Realismus zu schreiben. In der stalinistischen Zeit lebte sie zum Teil mit Stipendien in Rom und Paris, zum Teil arbeitete sie als Lehrerin. Nach der Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstandes 1956 kam es zu einer sehr allmählichen Liberalisierung. 1958 kam es zur Scheidung von Balázs Lengyel, dem sie jedoch zeitlebens freundschaftlich verbunden blieb. Sie übersetzte Lyrik und Dramen von Jean Racine, Molière und Victor Hugo aus dem Französischen ins Ungarische und aus dem Deutschen Rainer Maria Rilke, Bertolt Brecht und Friedrich Dürrenmatt, sowie auch Kinderbücher mit Illustrationen von Fritz Baumgarten. Sie schrieb in gebundener und freier Metrik und Reim. Sie wird als die bedeutendste Lyrikerin Ungarns im 20. Jahrhundert bezeichnet. Als ihr bedeutendstes Werk gilt der Gedichtzyklus Ekhnaton jegyzeteiből (Aus den Aufzeichnungen des Echnaton). Auch als Essayistin leistete sie Bedeutsames. Nemes Nagy erhielt den 1948 den Baumgarten-Preis, 1969 den Attila-József-Preis und 1983 den Kossuth-Preis. Sie wurde 1997 als Gerechte unter den Völkern ausgezeichnet.[2] Ein Asteroid wurde 2021 nach ihr benannt: (474440) Nemesnagyágnes.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Ágnes Nemes Nagy

Cover des Buches Mein Hirn: ein See (ISBN: 9783906050898)

Mein Hirn: ein See

(1)
Erschienen am 03.01.2022

Neue Rezensionen zu Ágnes Nemes Nagy

Cover des Buches Mein Hirn: ein See (ISBN: 9783906050898)
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Rezension zu "Mein Hirn: ein See" von Ágnes Nemes Nagy

Trishen77
Lyristix

Am 3. Januar 2022 wäre sie hundert Jahre alt geworden:  Ágnes Nemes Nagy, ungarische Autorin und Übersetzerin. Zu diesem Anlass erschien bei roughbooks dieser Band "Mein Hirn: ein See", übersetzt (wenn nicht in Klammern anders angegeben) und herausgegeben von Orsolya Kalász und Christian Filips.

In seinem Nachwort weist Filips auf die vielen Perspektiven und Sprechweisen (man könnte viell. auch "Sounds" sagen) in Nagys Gedichten hin. Und in der Tat ist es spannend, wie in ihrer Poetik Betrachtung, Einfühlung und Anverwandlung verschmelzen. Statt zum Gemälde oder Stillleben zu gerinnen, entpuppen sich ihre Texte immer wieder als fruchtbares Gelände, als Humus, in dem einzelne Worte und Sätze prächtig gedeihen (oder vergehen) und das Geschilderte lebendig und beweglich bleibt, widerspenstig auch. Kein zementiertes Abbild sind sie, sondern ein flüchtig-fester Griff nach den ständigen Metamorphosen des Seins.

In Teilen hat mich Nagys Poetik an jene von Louise Glück, der Nobelpreisträgerin von 2020, erinnert. Glücks Gedichte machen eine Menge Ambivlanzen auf, was die Idee einer kultivierten, eingehegten Natur, einer menschlichen Dominanz angeht. Auch bei Nagy nehme ich diesen Zug war, wenngleich die beiden Werke auch vieles wieder trennt (allein schon die Sprachen, in denen sie verfasst wurden; Filips geht in seinem Nachwort kurz auf die Besonderheiten des Ungarischen ein, einer historisch und sprachfamiliär relativ isolierten Sprache).

Ansonsten können Nagys Texte, wie angesprochen, vieles aufbieten, nicht zuletzt: Humor. Und zwar Humor von der besten Sorte, nämlich einen, der dem Ernst einer Sache nicht zu entrinnen, sondern zu genügen versucht - zudem hier und da auch bisschen surreal und anarchisch ist. Weitere Vorzüge ergeben sich hoffentlich aus den Textbeispielen!

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