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Chibi-Chan

vor 1 Jahr

(4)

Meine Meinung
Allgemein
Der Anfang hat mich zunächst überrascht. Den ich hatte angenommen, dass das Buch nur aus wenigen Sichtweisen besteht. Doch da hatte ich mich getäuscht - zum Glück.
Sara soll das Dorf verlassen. Es besteht die Überlegung, dass das Postamt in dem sie arbeitet geschlossen werden soll und sie muss mit der Versetzung leben. Doch das will sie gar nicht und ebenso ihre Freunde. Daraufhin beschließt ihre engste Freundin Rosa eine Briefkette zu starten und das alles beginnt tief in der Vergangenheit verborgen. Doch jeder Mensch besitzt diese Erinnerung aus der Vergangenheit, die ihn einfach nicht loslässt. Den Drang etwas zu verändern, den Drang sich zu öffnen, sich jemandem mitzuteilen. Und so kommt es, dass eine Menge an Briefen geschickt werden, um Sara zu retten. Hierbei wird jedem Briefeschreiber ein Kapitel gewidmet. Natürlich gibt es nicht nur ein Kapitel über eine Person. Nach dem ersten Viertel des Buches wiederholen sich die Sichtweisen und man merkt, wie die Briefe anfangen Wirkung zu zeigen. Wie sich die Menschen ändern, wie es ihnen leicht ums Herz wird, wie sie Leben und Hoffnung schöpfen. 
Schon am Anfang dachte ich mir "An der Autorin ist eine Dichterin verloren gegangen." Sie schreibt poetisch, tiefgründig und mitreißend. Jede Geschichte ihrer Charaktere sind einzigartig und nicht alle nett und fröhlich.
Positiv aufgefallen ist mir, dass ich persönlich die Lebensart im Dorf und das Briefe schreiben als etwas altertümlich empfinde. Doch die Autorin wirft immer wieder Dinge ein, durch die man in die heutige Zeit zurückgeworfen wird und zurück zu dem Sinn des Buches gelangt: Zu vermitteln, dass auch heute nicht alles digital laufen muss.
Das letzte Viertel des Buches hatte es dann nochmal richtig in sich. Angefangen hat es mit wunderschönen Zitaten und für jedes habe ich mir Zeit genommen, um darüber nachzudenken. Das Buch regt im Allgemein an, sich Zeit zu nehmen und das Leben in einem tieferen Sinn zu sehen.
Weiter ging das Buch etwas trauriger. Durch das kleine Zitat am Kapitelanfang wusste man schon, was geschehen würde. Trotzdem hat mich der Teil tief mitgenommen und nicht selten hatte ich Wasser in den Augen.
Ebenfalls positiv aufgefallen ist mir, dass die Liebesgeschichte in diesem Buch sich nicht in den Vordergrund drängelt. Es geht oft um dieses Thema, doch kam mir dies eher nebensächlich vor. Trotzdem habe ich auch die Passagen gerne gelesen und genossen.
Selten passiert es, dass es mir so schwer fällt mich von einem Buch zu verabschieden. Die Charaktere sind mir ans Herz gewachsen und am liebsten würde ich ein paar davon im richtigen Leben kennen. Das Ende war perfekt und vor allem: Der Abschlusssatz! Auch das passiert mir eher selten: Ich lesen den letzten Satz im Buch und denke, genau so hat es Enden müssen, jeder andere Satz wäre falsch. Zudem geht das letzte Kapitel noch einmal auf den Anfang ein und rundet das Buch somit wunderbar ab.

Charaktere

Durch die Briefkette gibt es eine Menge an Charaktere in diesem Buch und jeder hat seine eigenen Macken und Charakterzüge. Seine eigene Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und doch verbindet sie alle dieselbe Sache: Wünsche.
Selbst Charaktere, die ich nicht auf Anhieb mochte, wuchsen mir im Laufe des Buches ans Herz, den man lernt ihre Gründe kennen. Gründe, die sie zu dem machten, was sie heute sind. Ihre Gedankenwelt.
Am liebsten jedoch mochte ich Álex. Einfach, weil er den meisten Tiefgang hatte und ich ihn am Besten verstanden habe. Er träumt groß und lebt klein. Weiß die kleinen Dinge im Leben zu schätzen und behandelt die Menschen in seinem Leben so, wie er es auch selbst gewollt hätte.

Schreibstil & Sichtweise

Der Schreibstil ist poetisch, tiefgründig und mitreißend. Die Autorin schafft es, jedem Charakter eine Persönlichkeit zu verleihen und man möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, da man jedes Schicksal weiter verfolgen möchte.
Geschrieben wurde aus der Sicht von mehreren Leuten, die an der Briefkette beteiligt waren, in der dritten Person. Insgesamt umfasst das Buch sieben Sichtweisen.

Cover & Titel 

Das Cover gefällt mir sehr gut. Es wirkt, durch die Radfahrerin, etwas dörflich, doch Porvenir ist ja auch ein Dorf. Der verlorene Brief zeigt das Thema des Buches und lässt darauf schließen, dass die Person auf dem Fahrrad ein Briefträger ist. Auch das ist sehr stimmig. Die Farben harmonisieren gut.
Der Titel regt ebenfalls zum Nachdenken an. Den direkt wird der schönste Grund nicht genannt, denn jeder hat seinen eigenen schönsten Grund. Im Allgemein würde ich sagen "sich mitzuteilen."

Besonderheit
Am Anfang eines jeden Kapitels steht ein Zitat, welches sich auf den Kapitelinhalt bezieht.

Zitat
" > Einen Brief zu schreiben ist ein guter Weg, um irgendwohin zu reisen, ohne etwas zu bewegen außer dem Herzen.< " - Seite 263

Fazit
Ein tief berührendes Buch, welches mich ständig zu Pausen anregen konnte, in denen ich über das gelesen nachdachte. Die Charaktere sind wahre Persönlichkeiten, die einem schnell ans Herz wachsen und das Ende war für mich regelrecht perfekt.

Autor: Ángeles Doñate
Buch: Der schönste Grund, Briefe zu schreiben
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