Árni Thórarinsson Ein Herz so kalt

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Inhaltsangabe zu „Ein Herz so kalt“ von Árni Thórarinsson

In Akureyri im Norden Islands ist Hochsommer, absolute Sauregurkenzeit - bis der Reporter Einar plötzlich einen mysteriösen Anruf von einer unbekannten Frau bekommt. Sie behauptet, in einem leerstehenden Haus würde es spuken. Doch statt Gespenstern entdecken Einar und Kommissar Ólafur Gísli dort die nackte Leiche eines Mädchens … 'Thórarinsson hat einen souveränen Krimi vorgelegt, mit einem traditionellen Krimihelden und einem klug gesponnenen Handlungsfaden. Island ist einem nach der Lektüre ein Stück näher.' Hessischer Rundfunk

Gelungener isländischer Krimi mit Lokalkolorit

— RosaEmma

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    Ein Herz so kalt

    RosaEmma

    01. August 2015 um 15:41

    Ein Herz so kalt ist der erste isländische Kriminalroman, den ich gelesen habe, und er hat mir sehr gefallen. Es ist der fünfte Band von Thórarinssons erfolgreicher Krimireihe um Abendblatt-Reporter Einar, Protagonist und Anti-Held, der gemeinsam mit Kommissar Ólafur Gísli in vertrackten Mordfällen ermittelt. Der Roman ist kein Thriller im herkömmlichen Sinne, denn neben der Geschichte erhält der Leser viele Informationen über Island, die Isländer (inkl. der gängigsten Klischees) und ihre ganz spezielle Lebensart. Dies macht den Roman aber in keiner Weise langweilig, wie es bei vielen Büchern oft der Fall ist, wenn zu viele Zusatzinformationen in die Geschichte katapultiert werden. Im Gegenteil: Es ist ein rundum stimmiger und spannender Krimi, der bis zum Schluss fesselt und der dem Leser darüber hinaus den isländischen Alltag näherbringt. Das Geisterhaus Die Geschichte spielt in Akureyki im Norden Islands. Einar, Reporter beim Abendblatt, den man von Reykjavík in diesen zutiefst provinziellen Ort versetzt hat, steht mächtig unter Druck: Aufgrund des Sommerlochs lässt sich keine zugkräftige Titelstory finden, und sein Vorgesetzter droht ihm auch noch mit der Schließung der Zeitungsfiliale, wenn er die Auflage nicht steigern kann. Und so geht er gemeinsam mit Kollegin und Fotografin Joá denn auch nur widerwillig einem mysteriösen Telefonanruf einer unbekannten Frau nach, die behauptet, dass es in einem verlassenen Haus spuken würde. Nachdem sich beide dort umsonst die Nacht um die Ohren geschlagen haben, ist Einar mehr als frustriert. Doch der Besuch seiner Tochter Gunnsa und ihrem Freund Raggi muntert ihn wieder auf. Zeitgleich findet auch noch das jährliche Festival in Akureyki statt, und die kleine Stadt und ihre Bewohner sind außer Rand und Band. Und als wäre das nicht alles schon Aufregung genug, erwartet man mit Spannung die Ankunft der US-Stars Kimberly Adams und Jack Mitchell inkl. ihrer Crew, die  - sehr zum Missfallen der Einwohner Akureykis - dort einen erotischen Hollywood-Thriller drehen wollen. Auch Einar ist hier keine Ausnahme: Er kann die Begeisterung seiner Tochter und ihres Freundes über den prominenten Besuch überhaupt nicht nachvollziehen, und der hysterische Trubel ist ihm zuwider. Ein grausiger Fund Die geheimnisvolle betrunkene Anruferin, die nur mit Einar sprechen will, lässt jedoch nicht locker. Sie hinterlässt ihm eine rätselhafte Nachricht Pandora hat ihre Büchse geöffnet und bittet ihn, nochmals zu dem leerstehenden Haus zu fahren. Etwas in ihrer Stimme beunruhigt Einar, so dass er beschließt, Kommissar Gísly zu informieren und mit ihm dort hinzufahren. Zu ihrem Entsetzen machen sie dort einen grausigen Fund: Sie entdecken die Leiche eines jungen Mädchen in einer Badewanne, in deren Faust ein Zettel mit der Aufschrift Pass auf Dich auf, Schätzchen steckt. Es gibt keine Hinweise, die Identifizierung des Opfers gestaltet sich als äußerst schwierig. Somit bleibt Einar keine Wahl: Er muss einem Treffen mit der Anruferin zustimmen, um weitere Hinweise zu erhalten. Doch auch dies scheint eine Sackgasse zu sein: Victoria ist Alkoholikerin, die gerade eine Entziehungskur macht, und damit nicht die verlässlichste Quelle, aber Einars Bauchgefühl sagt ihm, dass er auf sie bauen kann. Gefährliche Undercover-Recherchen Doch dann verstummt Victoria und gegen alle Widerstände ermittelt Einar undercover in Victorias Entzugsklinik. Dies ist für ihn keine leichte Übung, denn Einar hat schon länger ein Alkoholproblem und ist noch nicht lange trocken. Seine Ermittlungen bringen ihn in höchste Gefahr, aber seine Recherchen geben ihm schließlich einen überraschenden Hinweis auf Victorias wahre Identität. Doch kann er auch den Killer entlarven, den scheinbar nichts und niemand aufhalten kann? Reporter Einar: Verschroben-sympathischer Antiheld Thórarinssons Protagonist Einar ist kein Superreporter, sondern eher ein Antiheld. Geschieden, ex-alkoholabhängig und leicht verschroben kämpft der Vater einer aufmüpfigen Tochter mit den alltäglichen Problemen und insbesondere um seine ins Stocken geratene Karriere. Und genau das macht ihn zu einem nur allzu menschlichen Protagonisten - auch wenn er zugegebenermaßen schon ein komischer Kauz ist. Als Leserin fand ich Einar sofort sympathisch - mit all seinen Macken - und bin gerne in seine Gedankenwelt abgetaucht, was allein für sich schon ein Abenteuer ist.

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  • Rezension zu "Ein Herz so kalt" von Árni Thórarinsson

    Ein Herz so kalt

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    30. July 2012 um 13:20

    Dass in diesem Roman nicht allein das Verbrechen im Mittelpunkt steht, liegt an einer etwas anderen Konstellation: Der erzählende "Held" Einar ist Journalist der schreibenden Zunft und mit dem ermttelnden Kommissar freundschaftlich verbunden. Der Erzählstil ist frisch, frech bis ordinär und mit einer guten Prise isländischer Selbstironie gewürzt. Nicht selten habe ich hellauf lachen müssen - was ja naturgemäß bei Thrillern eher selten vorkommt. Möglicherweise liegt es daran, dass Árni Thórainsson, Mitbegründer der modernen, isländischen Literatur der 90er Jahre, selber Presse-, Radio- und TV-Journalist ist und sich ein wenig von ihm im Protagonisten Einar widerspiegelt. Leser sollten sich allerdings kritisch mit Sprache und Handlungen auseinandersetzen und erkennen können, dass es sich bei den z.T. sehr schnodderigen oder auch vulgären Äußerungen nicht um die Autorenmeinung handelt. Auch wäre für ein so modernes Buch ein etwas "differenzierterer" Umgang mit Abhängigkeitsproblematiken wünschenswert gewesen (es wird ohne Ende geraucht und die Sequenz um den Aufenthalt in der Entzugsklinik, na ja). Nach der für mich enttäuschenden, langatmigen Lektüre von Feuernacht: Island-Krimi und Nordermoor: Island Krimi hatte ich eine kleine Island-Krimi-Blockade, von der mich dieser Roman heilen half (auch wenn die vielen verwirrenden ...sons und ...dottirs in meinem Kopf ein Durcheinander schufen). Es war noch kein richtiger Hit-Durchbruch, hat aber für angenehme Kurzweil gesorgt.

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  • Rezension zu "Ein Herz so kalt" von Árni Thórarinsson

    Ein Herz so kalt

    savanna

    05. February 2012 um 21:22

    Anders als bei den meisten Kriminalromanen steht in „Ein Herz so kalt“ kein ambitionierter Kommissar im Vordergrund, sondern ein etwas unausgelasteter Lokalreporter. Einar schreibt in Akureyri, Islands größter Stadt der Nordregion, für das ‘Abendblatt’. Journalistisch gesehen befindet sich der Landstrich jedoch in einem trägen Sommerloch, bis ein legendäres Volksfest berichtenswerte Schlägereien und Drogenexzesse liefert. Zeitgleich erhält Einar den Anruf einer offensichtlich betrunkenen Frau, die sich selbst als hellsichtig beschreibt und von gespenstischen Vorgängen in einem leerstehenden Haus berichtet. Im Haus angekommen, werden Einar und der befreundete Kommissar Ólafur allerdings nicht auf die Folgen eines Spuks aufmerksam, sondern wahrscheinlich auf die Folgen eines Selbstmordes. Mit aufgeschnittenen Pulsadern liegt eine junge Frau in der Badewanne des gespenstisch leeren Hauses. Da die junge Frau nicht als vermisst gemeldet wurde und sich zudem die Hinweise auf einen Mordfall verdichten, versucht Einar in Absprache mit der Polizei die anonyme Anruferin ausfindig zu machen. Kaum ist er dieser wie immer betrunkenen Frau begegnet, weist sie sich selbst zu einer Entziehungskur ein und wird am Folgetag in der Klinik ermordet aufgefunden. Mit zwei Mordfällen hat Einar mit einem Mal diverse Schlagzeilen für die Titelseiten und ausreichend Gründe für tiefgehende Recherchen rund um das sogenannte Fanndal-Haus. Völlig eingenommen von diesen Entwicklungen, die mit den rätselhaften Anrufen begannen, entscheidet sich Einar zu einem Undercover-Einsatz in der Klinik. Da er sich selbst vor Jahren seinem Alkoholproblem gestellt hat, bedarf es gar nicht so viel, um selbst Ärzten gegenüber einen Alkoholkranken zu mimen und zeitgleich interne Informationen zu sammeln. „Ein Herz so kalt“ ist der mittlerweile dritte Kriminalroman aus der Feder des isländischen Autors Árni Thórarinsson, der in deutscher Sprache erschienen ist. Wie die mit viel Herzblut und einer guten Portion Zynismus ersonnene Figur des Einar, blickt Thórarinsson auf jahrelange Erfahrungen als Redakteur der Printmedien zurück. Insgesamt fünf Veröffentlichungen gibt es derzeit um Einar in Originalsprache, die Árni Thórarinsson in den Rang der beliebtesten Krimiautoren Islands gehoben haben. Weder blutrünstig noch spannungsgeladen ist diese Neuerscheinung, was für einen Krimi vielleicht erst einmal enttäuschend klingen mag. Dennoch sind die Geschehnisse so geschickt verstrickt, dass die Lösung der Fälle alles andere als vorhersehbar sind. Während das Buch die deprimierenden Themen Drogen, Gewalt und Missbrauch behandelt, ist es der einmalige Humor des Reporters, der auch die Sonnenseiten der Gesellschaft mit einfließen lässt. Gerade die Dialoge des immer drängenden Reporters und des genervten Kommissars machen viel vom Charakter dieser Neuerscheinung aus. Verbal besonders schlagfertig!

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  • Rezension zu "Ein Herz so kalt" von Árni Thórarinsson

    Ein Herz so kalt

    michael_lehmann-pape

    19. October 2011 um 13:21

    Isländische Lebensart und Mord Wie Einar, sein Alter Ego im Buch, ist Arni Thorarinsson Journalist mit Zeitungserfahrung, was man dem Buch durchaus anmerkt. Durchaus erhält der Leser Einblick in den ganz alltäglichen „Zeitungsstress“ samt dahinterliegendem Gerangel um Posten und Einfluss. Ebenso, wie Thorarinsson mit Herz und Seele Isländer ist und auch darin den Leser bestens mit „auf die Reise“ zu nehmen verseht in ein detailliertes Lokalkolorit, in Feiern und Feste, in den Umgang des „gemeinen“ Isländers mit Alkohol und anderen leiblichen Freuden. Frisch und lebendig schreibt Thoraronsson, leger, aber nicht flapsig, was vor allem den ausführlichen und breit angelegten Dialogen im Buch zugute kommt. „Rau, aber herzlich“ ist der Umgangston, ironisch und dennoch verbunden das Beziehungsgeflecht im Buch und ausgefeilt die Dialoge, welche die Geschichte im eigentlichen Sinne voranbringen. Allerdings, obwohl auf dem Deckblatt das Wort „Kriminalroman“ prangt, ganz so einfach ist das Buch diesem Genre nicht zuzuordnen. Bestenfalls in der zweiten Hälfte des Buches nimmt der Roman Fahrt in Richtung eines Kriminalromans auf, auch wenn der erste Mord bereits relativ zu Anfang der Geschichte im Raume steht. Zu sehr auf Nebengleisen aber liegt dieser Mord im Buch vor, fast so, als wäre das Geschehen um das tote, junge Mädchen in diesem merkwürdigen Haus zunächst nur der Aufhänger und leicht im Hintergrund mitlaufende rote Faden für eine ausführliche und breite Darstellung eben des isländischen Lebensstils und der persönlichen Verhältnisse des Einar im Blick auf seine Tochter, sein (ehemaliges) Problem mit Alkohol und sein darniederliegendes Liebesleben (ebenso, wie den lockeren, teils grenzwertigen, teils die Grenzen überschreitenden Umgang mancher Einheimischer mit der Sexualität, gerade auf Volksfesten in der Provinz). Ein Thema, was sich im Übrigen als eines der tragenden in der Geschichte herausstellen wird. Einar hat sich aus Reykjavik zurückgezogen und lebt nun als „Außenstellenreporter“ des „Abendblattes“ in Akureyi, tief im Norden Islands und eigentlich ein ganz ruhiger Flecken. Wäre da nicht einerseits der Einfall eines amerikanischen Filmteams samt „Sternchen“ und andererseits der Mord an einem jungen Mädchen in einem als „Geisterhaus“ bezeichneten Haus. Ein Haus, ein Mord , auf den Einar durch eine „Hellseherin“, Viktoria, per Telefon aufmerksam gemacht wird. Ganz langsam, aber durchaus stetig, gerät Einar tiefer in diesen merkwürdigen Mord hinein. Ohne Indizien, ohne Spuren, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben, was das Motiv des Mordes sein könnte (wie ebenso der Leser bis weit in das letzte Drittel des Buches hinein sich beständig fragt, worum es da eigentlich geht). Erst zum Ende des Buches hinein verwebt Thorarinsson geschickt viele lose Fäden im Buch und lässt den Nebel um all das Geschehen sich lichten. Nicht ohne seinen Protagonisten Einar im Übrigen noch schnell nebenbei in einer Entzugsklinik auch die eigene Person tief in den Blick nehmen zu lassen. Leger, frisch, lebendig geschrieben bietet Thorarinsson in seinem neuen Buch eine ausgefeilte Geschichte und intensiv vor Augen gelegte Charaktere, die durchaus anregend und flüssig zu lesen ist. Die klassischen Elemente eines Kriminalromans im Sinne von einer gewissen Spannung, gefahrvoller (und ebenso gefahrvoll geschilderten) Momenten und einer ausgefeilten „Mördersuche“ aber tritt in diesem Buch über weite Strecken deutlich nach hinten. Wer Spannung pur sucht, der wird vom Buch nicht unbedingt begeistert sein. Wer einen schönen Stil zu schützen weiß und eine sich langsam entfaltende Geschichte, in der es an allen Ecken „menschelt“, der wird auf seine Kosten kommen.

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  • Rezension zu "Ein Herz so kalt" von Árni Thórarinsson

    Ein Herz so kalt

    Ailis

    18. October 2011 um 13:13

    "Ein Herz so kalt" ist laut Krimicouch bereits der dritte Kriminalroman Thórarinssons, der auf Deutsch erschienen ist, doch für mich war es die erste Begegnung mit dem Reporter Einar, der im kleinen isländischen Städtchen Akureyri im Norden Islands für die Schlagzeilen im "Abendblatt" sorgt. Eigentlich freut Einar sich einfach nur auf den Besuch seiner sechzehnjährigen Tochter Gunnsa und ihres Freundes Raggi, doch Akureyri bereitet sich auf ein großes Festival vor, welches Tausende in die kleine Stadt schwemmt und mit ihnen auch Kriminalität, Drogen und sexuelle Übergriffe. Außerdem trifft auch noch ein Film-Team aus Hollywood in Akureyri ein, das einen erotischen Thriller in einem alten Haus drehen will, in dem es angeblich spuken soll. Für den Reporter Einar gibt es also eine Menge Arbeit und die Zeit für Gunnsa und Raggi wird knapp, doch die beiden scheinen eh mehr Interesse am Festival und dem Hollywood-Flair zu haben als an Einar. Und als Einar und der Hauptkommissar Ólafur Gísli nach einem anonymen Anruf in diesem alten Haus statt eines Spuks die Leiche eines jungen Mädchens finden, kann Einar nicht anders, als dieser Spur weiter zu folgen. Wer ist die anonyme Anruferin und woher wusste sie von der Leiche? Hat der Tod des jungen Mädchens etwas mit dem Festival zu tun? Und gibt es einen Grund, warum ihr toter Körper ausgerechnet in diesem Haus abgelegt wurde? Fragen über Fragen, denen Einar auf seine ganz eigene Art nachgeht... Ich muss gestehen, dass ich anfangs meine Probleme mit diesem Buch hatte: es ist in der Ich-Form geschrieben und der Erzähler - Einar - spricht seine Leser manchmal ganz direkt an, so, als würde er einen Brief schreiben. Dem widerspricht jedoch die gewählte Erzählzeit, denn das ist das Präsens, so dass es sich wiederum so anfühlt, als wäre man direkt mitten im Geschehen. Doch diese anfänglichen Schwierigkeiten wegen des ungewohnten Erzählstils lösten sich schnell in Wohlgefallen auf, denn Einar ist wirklich ein besonders gelungener Charakter. Und weil Thórarinsson ganz auf Dialoge baut, ist man als Leser sehr nah dran an den Figuren und lernt ihre Eigenarten kennen und in Einars Fall seinen ganz speziellen Humor. Und so kam es, dass mich dieser Kriminalroman mit jeder Seite mehr gefangen nahm und ich ihn für die letzten 150 Seiten gar nicht mehr aus der Hand legen mochte. Und das erreicht Thórarinsson nicht mit zunehmendem Tempo, blutiger Grausamkeit oder brenzligen Gefahrensituationen, sondern einfach mit einem Helden, dem man einfach überallhin folgen will, um die Geschichte durch seine Augen zu sehen. Davon gerne mehr!

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  • Rezension zu "Ein Herz so kalt" von Árni Thórarinsson

    Ein Herz so kalt

    Jare

    07. October 2011 um 14:59

    Das kalte Herz Die isländische Kleinstadt Akureyi steht kurz vor ihrem alljährlichen Sommerfestival. Zehntausende Gäste wollen dort ein großes Fest feiern. Der Reporter Einar weiß, dass das Fest immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Besonders seine Tochter Gunnsa ist davon angetan, da zeitgleich auch ein Hollywoodteam in der Stadt ist, um einen Erotik-Thriller zu drehen. Unterdessen bekommt Einar den Auftrag, ein leerstehendes Haus zu beobachten, in dem es, nach Information einer geheimnisvollen Frau, spuken soll. Doch statt Gespenstern entdecken Einar und Kommissar Olafur Gisli die nackte Leiche eines siebzehnjährigen Mädchens. Alles deutet auf Selbstmord hin, doch die Obduktion ergibt, dass sie vergewaltigt wurde. Abermals erhält Einar eine Nachricht der geheimnisvollen Frau, die ein Medium ist und ihm helfen will, den Mörder zu fassen. Doch dann wird auch diese Frau getötet. Einar ermittelt auf eine Faust und gerät in einen Sumpf aus Sex und Drogen. Mit „Ein Herz so kalt“ liegt nunmehr der dritte in Deutschland veröffentlichte Roman mit dem Reporter Einar als Hauptfigur vor. Neben einer gut durchdachten Krimihandlung sind es vor allem Thorarinssons Bilder der isländischen Gesellschaft, die den Roman lesenswert machen. Hinzu kommt, dass Einar über eine gesunde Portion eigenwilligen Humors verfügt, der in diesem Roman auch gut zum Ausdruck kommt. Zwei Merkmale machen den Roman besonders interessant: Die eher ungewöhnliche Erzählzeit Präsens, die zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig ist, sich später als richtige Zeit herausstellt, da man so noch näher am Geschehen ist. Außerdem ist der Roman im positiven Sinne sehr sprachlastig. In fast jedem Kapitel überwiegt der Dialoganteil im Vergleich zum erzählenden Text. Dadurch werden die Figuren, allen voran Einar, überaus lebendig. Warum es insgesamt nicht zu einer Höchstbewertung reicht? Letztlich ist „Ein Herz so kalt“ ein Kriminalroman und muss auch unter diesem Aspekt bewertet werden. Und hier braucht der Roman einige Zeit, bis die Handlung wirklich in die Gänge kommt. In der ersten Romanhälfte stehen klar die Charaktere und der isländische Lokalkolorit im Vordergrund, was eindeutig zu Lasten der Spannung geht. Hier kann der Roman erst in der zweiten Hälfte punkten. Dafür dann mit einer durchaus gelungenen Auflösung. Fazit: Mit „Ein Herz so kalt“ ist dem Isländer Arni Thorarinsson ein guter Roman gelungen. Auch wenn die Krimihandlung eher schleppend vorangeht, überzeugt der Roman durch gute Figuren, viel Lokalkolorit und einer Portion Humor.

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