Édouard Louis En finir avec Eddy Bellegueule

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Inhaltsangabe zu „En finir avec Eddy Bellegueule“ von Édouard Louis

"Je suis parti en courant, tout à coup. Juste le temps d'entendre ma mère dire "Qu'est-ce qui fait le débile là ?" Je ne voulais pas rester à leur côté, je refusais de partager ce moment avec eux. J'étais déjà loin, je n'appartenais plus à leur monde désormais, la lettre le disait. Je suis allé dans les champs et j'ai marché une bonne partie de la nuit, la fraîcheur du Nord, les chemins de terre, l'odeur de colza, très forte à ce moment de l'année. Toute la nuit fut consacrée à l'élaboration de ma nouvelle vie loin d'ici."

En vérité, l'insurrection contre mes parents, contre la pauvreté, contre ma classe sociale, son racisme, sa violence, ses habitudes, n'a été que seconde. Car avant de m'insurger contre le monde de mon enfance, c'est le monde de mon enfance qui s'est insurgé contre moi. Très vite j'ai été pour ma famille et les autres une source de honte, et même de dégoût. Je n'ai pas eu d'autre choix que de prendre la fuite. Ce livre est une tentative pour comprendre.

Édouard Louis a 21 ans. Il a déjà publié Pierre Bourdieu: l'insoumission en héritage (PUF, 2013). En finir avec Eddy Bellegueule est son premier roman.

Schonungslose Milieustudie für Aufgeschlossene. Nichts für Zwischendurch.

— SinjeB

Über weite Strecken mehr Milieustudie als Roman. Brutal ehrlich und erschreckend. Kein Buch für Zwischendurch!

— leselea

Depuis on ne peut qu'espérer que la fin représente un nouveau départ en même temps.

— Nicky_G

Sans recommandation

— Marie1971

Eine bittere Abrechnung mit der eigenen Kindheit, der Familie und des Milieus in dem er aufgewachsen ist.

— Gwenliest

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  • Leserunde zu "Das Ende von Eddy" und "En finir avec Eddy Bellegueule" von Édouard Louis

    Das Ende von Eddy

    Hermane

    Herzlich willkommen und bienvenue à tous!  Je m'appelle Hermine et je suis française. J'ai le plaisir de travailler depuis deux mois chez LovelyBooks et d'organiser cette semaine un challenge littéraire franco-allemand! Du kennst wahrscheinlich schon Gustave Flaubert und seine "Madame Bovary" oder Marcel Proust und seine "Suche nach der verlorenen Zeit". Diese Woche wollen wir dich bei LovelyBooks  andere Teile der französischen Literatur entdecken lassen. Wir schlagen dir vor, an unserer deutsch-französischen Leserunde teilzunehmen und ein Buch auf Deutsch oder auf Französisch gemeinsam mit mir und anderen Lesern zu lesen und anschließend zu rezensieren. Dafür habe ich mir ein ganz besonderes Buch ausgesucht, das vor allem in Frankreich für Furore sorgte: "Das Ende von Eddy" oder "En finir avec Eddy Bellegueule" von Édouard Louis! „An meine Kindheit habe ich keine einzige glückliche Erinnerung“ So beginnt das autobiografische Debüt des 22-jährigen Autors Édouard Louis. Bereits im Alter von 18 Jahren begann er "En finir avec Eddy Bellegueule" zu schreiben, das 2014 ein großer Erfolg in Frankreich war: Ein Buch, das sowohl eine scharfe Abrechnung mit seiner Herkunft ist, als auch eine Beschreibung von einer besonderen ländlichen Gesellschaft. Mehr zum Inhalt: "Ich rannte weg, ganz auf einmal. Gerade hörte ich meine Mutter noch sagen ›Was soll der Scheiß jetzt wieder?‹. Aber ich wollte nicht bei ihnen bleiben, ich weigerte mich, diesen Moment mit ihnen zu teilen. Ich war schon weit weg, ich gehörte nicht mehr zu ihrer Welt, der Brief besagte es. Ich kam zu den Feldern und wanderte einen Großteil der Nacht herum, auf den Feldwegen, in der Kühle Nordfrankreichs, in dem zu dieser Jahreszeit so intensiven Geruch der Rapsfelder. Die ganze Nacht über entwarf ich mein neues Leben fern von hier. Über den Autor: Édouard Louis wurde am 30. Oktober 1992 in Hallencourt in Picardie, Nordfrankreich, geboren. Sein richtiger Name ist Eddy Bellegueule. Seit 2011 studiert er Soziologie an der École Normale Supérieure in Paris, die als eine der angesehensten Privatschulen Frankreichs gilt. Mit 21 Jahren schreibt er seinen autobiographischen Debütroman "En finir avec Eddy Bellegueule", der Nr.1-Besteller in Frankreich wird und in 18 Sprachen veröffentlicht wurde. Im März 2014 bekam er für sein Engagement gegen Homophobie den Pierre Guénin-Preis. Heute wohnt er in Paris, wo er an seinen nächsten Roman arbeitet. Gemeinsam mit dem S. Fischer Verlag und mit dem französischen Verlag Seuil verlosen wir für diese besondere zweisprachige Leserunde 10 Exemplare von "En finir avec Eddy Bellegueule" und 15 Exemplare von "Das Ende von Eddy". In deinen Beiträgen sollst du genau angeben, ob du das Buch auf Deutsch oder auf Französisch bekommen willst und einfach auf diese Fragen antworten: Hast du bereits ein Buch auf Französisch gelesen? Wenn ja, welche ist es? Und hast du vielleicht einen französischen Lieblingsautor? As-tu déjà lu un livre en français? Si oui, lequel? Quel est, si tu en as un, ton auteur français préféré? Ich freu mich auf eure Kommentare auf Deutsch oder auf Französisch! Ich drücke euch die Daumen oder wie wir in Frankreich sagen: „Je croise les doigts pour vous !“ J'ai hâte de lire vos réponses! Bonne chance à tous! * Im Gewinnfall verpflichtet ihr euch zur zeitnahen und aktiven Teilnahme am Austausch in allen Unterthemen der Leserunde sowie zum Schreiben einer Rezension, nachdem ihr das Buch gelesen habt. Bestenfalls solltet ihr vor eurer Bewerbung für eine Leserunde schon mindestens eine Rezension auf LovelyBooks veröffentlich haben.

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    • 472
  • Mechanismen des Unerträglichen. Ein Schrei, den nicht jeder hören will.

    En finir avec Eddy Bellegueule

    SinjeB

    30. June 2015 um 10:20

    Zum Inhalt: Von klein auf passt Eddy nicht dazu. Nicht zu den anderen Kindern, nicht zu seiner Familie. Mit femininen Zügen ausgestattet, ist er früh schon als Schwuchtel verschrien, hat in der Schule Schläge einzustecken und kann in seinem ärmlichen Elternhaus, in dem es keine Türen für Privatsphäre gibt, Geschlechterrollen klar abgesteckt sind und von früh bis spät der Fernseher läuft, weder Verständnis noch Hilfe erwarten, ist er doch geradezu abstoßend für sie und Quell der Schande. Eddy will ausbrechen aus seinem sozialen Milieu, der Armut und der täglichen Gewalt. Ein erster früher Fluchtversuch scheitert, doch Eddy findet einen neuen Weg ... Meine Meinung: „En finir avec Eddy Bellegueule“, in Deutschland bei S. FISCHER unter dem Titel „Das Ende von Eddy“ erschienen, ist der autobiografische Roman des noch jungen Schriftstellers Édouard Louis. Äußerlich ‒ sowohl in der französischen Originalausgabe des für seine einheitliche Umschlaggestaltung bekannten Verlags Seuil als auch in der deutschen Ausgabe ‒ wie ein pädagogisches Fachbuch anmutend, bedarf es doch eines gewissen Interesses, nach dem Roman, der in Frankreich ein Überraschungserfolg war, zu greifen.  "En finir avec Eddy Bellegueule" entpuppt sich als Roman, der oft von so stark distanzierter Außenbetrachtung durchzogen ist, dass die Abgrenzung zur Autobiografie erschwert wird. Mit Anfang 20 reflektiert Eddy Bellegueule, inzwischen zu Édouard Louis geworden, seine Kindheit im französischen Norden. Wo Armut und Arbeitslosigkeit dominieren, zeichnet der junge Mann ein geradezu klischeehaftes Bild seiner ehemaligen Heimat, erzählt vom erdrückenden Dorfleben mit seinem vorgezeichneten Denken und seinen festgefahrenen Rollenbildern.  Der Legende um Louis’ Beststeller zufolge sei sein Manuskript zunächst unter anderem abgelehnt worden, weil man seinen Schilderungen kaum Glauben schenken könne.  Dabei sind es doch gerade seine Schilderungen von ländlichem Miefs über gelebte Kleingeistigkeit bis hin zur hausgemachten Ausweglosigkeit, die dem Leser, der schon mal den Fuß vor die Tore der Großstadt gesetzt hat, nicht unbekannt sein und hier besonders eindrücklich ins Bewusstsein rücken dürften.  Mit der Akribie eines Soziologen analysiert Louis das Umfeld seiner Kindheit, oft aber fehlt ihm Raum für persönliche Emotionalität. Der Eddy, der der Autor selbst war, bleibt hinter der Distanz zurück, wird ‒ absichtlich, möchte man meinen ‒ mit analytischen Betrachtungen von Herkunft, Gegebenheiten, aus denen so gar keiner ausbrechen will, und Gewalt unterdrückt.  Nähe bezieht Louis’ Roman aus Einschüben wörtlicher Rede. Ohne Punkt und Komma, nur in Kursivdruck deutlich gemacht, flicht der Autor die Sprache seines Dorfes, seiner Eltern, seiner Mitmenschen ein. Sie strotzt vor Argot, mangelnder Bildung. Deutlich ist sie, hart und bringt die Authentizität, die der Roman benötigt, um nicht an seiner eigenen Analytik zu ersticken, und gerade an dieser Stelle würde ich im Nachgang tatsächlich gern noch die deutsche Übersetzung lesen.  Ein großer sprachlicher Knalleffekt bleibt dennoch aus. Der junge Autor ergeht sich nicht in Wortgewalt, sondern bleibt trotz seiner Ausflüge in den schnoddrigen Argot, mit dem er aufgewachsen ist, erstaunlich nüchtern.  Nach vielen Seiten, die Eddys Leidensweg eingebettet in bisweilen als Entschuldigung anmutende Geschichten über Vater und Mutter schildern, schwenkt Louis schließlich über zu seiner sich von Anfang an andeutenden Suche nach seiner Sexualität.  Ist er homosexuell, wie ihm die Schmährufe und Schläge glauben machen wollen?  Welche „Neigung“ hat er?  Ist er der, für den ihn alle anderen halten?  Kann er sein wie die anderen?  Will er überhaupt dazugehören?  Auf seiner Suche nach seinem Platz macht Eddy ‒ und wir lesen hier von einem Kind, das noch nicht zum Lycée übergewechselt ist ‒ alles mit, lässt alles mit sich machen.  Hat der aufgeschlossene Leser bislang vielleicht wissend genickt, denn komasaufende Jugendliche, Gewalt auf dem Schulhof, die angeblich keiner sieht, oder Lehrer, die Flausen in Kinderköpfen demontieren, dürften wahrlich keine unbekannten Größen sein, so schabt Louis nun heftig an der Grenze des Erträglichen.  Szenen, in denen das Kind bei heimlichen Treffen in einem Hangar von seinem eigenen Cousin zu Geschlechtsverkehr gezwungen wird (und Gefallen daran findet (?)), lasten schwer und werfen die Frage auf, wie viel Direktheit Louis’ Schrei nach Veränderung und Toleranz überhaupt benötigt, um gehört zu werden.  Wie abgestumpft mag der Leser wohl sein, wenn er mit voyeuristischem Blick durch ein Brennglas jenseits der Romantik aufgeschreckt werden muss?  Mit Eddy stolpern wir von jenen homoerotischen Erfahrungen zu einem arrangierten Beziehungsversuch mit der 18-jährigen (!) Freundin seiner Schwester. Und immer wieder stellt sich die Frage, wo Autobiografie endet und Fiktion beginnt.  Der Wunsch, „mit Eddy abzuschließen“ ‒ aus Lesersicht durchaus zweideutig zu verstehen ‒, keimt mit jedem Bild, mit jedem Anflug von peinlicher Berührtheit und von sogar von Wut und Unverständnis.  Dem Autor gelingt es, seinen vermeintlichen Schicksalsweg zu verlassen. In Fiktion oder Realität setzt er zur Flucht an, bis er den Weg findet. Zu einer weiterführenden Schule mit Internat, eine Zugreise von seinem Dorf entfernt.  Doch kann er nun wirklich befreit über den Zuruf „Schwuchtel“ lachen? Wir erfahren es nicht, denn Louis endet seinen Epilog abrupt.  Was bleibt, sind die Mythen rund um den Bestseller eines jungen französischen Autors, der mit Eddy abgeschlossen hat, aber ‒ ohne dass an dieser Stelle die Unfähigkeit der Eltern entschuldigt werden soll ‒, tragische Figuren in einer Milieustudie der Ausweglosigkeit und ein schales Gefühl von einem Tropfen auf dem heißen Stein zurücklässt. Gesamteindruck:  4 von 5 Punkten

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  • Zwiespältiges Leseerlebnis

    En finir avec Eddy Bellegueule

    kleinegrauewolke

    03. June 2015 um 17:31

    Vermutlich spielen viele Kinder hin und wieder mit der Idee, dass sie vielleicht vertauscht worden sind, dass sie nicht in die Familie gehören, in die sie hineingeboren wurden. Eddy Bellegueule könnte man es nicht verdenken, wenn er so dächte – nicht nur seine Familie scheint falsch, auch das Dorf, die Gegend, das gesamte Umfeld sind fremde Welten, in die jemand wie er – ein empfindsamer, homosexueller, intelligenter Junge – so partout nicht passt. Für den Leser stellt sich zudem oft ein Gefühl der zeitlichen Disorientierung ein. Die Ereignisse, von denen berichtet wird, finden im 21. Jahrhundert statt, aber, von wenigen Erwähnungen technischer Geräte abgesehen, fühlt man sich in die fünfziger Jahre oder noch frühere Zeiten versetzt. Die dörfliche Enge (insbesondere in geistiger Hinsicht), die homophoben und fremdenfeindlichen Vorurteile, der ewige Kreislauf von früher Schwangerschaft, abgebrochenen Bildungswegen, vorgezeichnet erscheinenden Lebensläufen, geprägt von Fabrikarbeit, Arbeitslosigkeit und Alkoholismus scheinen kaum in eine Zeit zu passen, in der ein paar Tastenschläge neue Welten eröffnen können. Einem reinen Roman wurde man die Schilderungen vielleicht gar nicht abkaufen, aber „En finir avec Eddy Bellegueule“, auch wenn es sich Roman nennt, spielt mit der Verquickung von Protagonist und Autor, der teilweisen Identität von jenem Édouard Louis, der einst Eddy Bellegueule war, mit seiner Hauptfigur. Und vielleicht rührt daher mein Unbehagen mit diesem Buch – der Tatsache, dass man einerseits die Wahrheit des Geschilderten nicht anzweifeln kann (weil es ja „so war“), und der Autor andererseits den Widerspruch der Geschilderten (seiner Familie, anderer Dorfbewohner) mit der Bemerkung abwiegelt, er habe ja einen Roman geschrieben. Den groβen Erfolg des Buchs in Frankreich kann ich mir nicht recht erklären – es sei denn, die lesenden Franzosen genössen die frisson, sich vor der Unterschicht zu gruseln.

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  • Pas pour tout le monde

    En finir avec Eddy Bellegueule

    Marie1971

    14. May 2015 um 22:47

    Eddy Bellegueule raconte son enfance et ses perceptions de celle-là. Une autobiographie ou un résumé de cruautés d'enfance...... Il m'est difficile de m'exprimer. Néanmoins il faut respecter que l'auteur ouvre au public sans honte son jardin secrét. Mais je ne veux pas me prononcer sur une recommandation par peur que les lignes écrites dans le livre ne sont pas gérables ni digestes pour le grand public.

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  • Analyse einer Kindheit

    En finir avec Eddy Bellegueule

    leselea

    14. May 2015 um 17:54

    Eddy Bellegueules Kindheit ist eine, die man noch nicht mal seinem ärgsten Feind wünscht: Er wächst auf in einer Familie, in der das Geld knapp ist, der Fernseher dafür ständig läuft. Der Vater kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten gehen und prostet dem Alkohol daher umso öfters zu. Seine Mutter bemüht sich, das Familienkonto aufzubessern, bis der Vater beschließt, dass dies seiner Männlichkeit nicht zuträglich ist. Eddy hat kein eigenes Zimmer, putzt sich nicht jeden Morgen die Zähne und geht eher unregelmäßig zur Schule. Doch das ist nicht weiter schlimm, denn der Großteil der Bewohner in diesem kleinen Dorf in Nordfrankreich ist gefangen in einem Teufelskreis aus Armut, Arbeitslosigkeit, Alkohol, Gewalt und eingefahrenen Rollenmustern. Schlimm ist nach Meinung von Eddys Familie, seinen Mitschülern und den Nachbarn nur eins: Eddy benimmt sich nicht wie ein echter Kerl! Er prügelt sich nicht gerne, hat eine hohe Stimme und – das Allerschlimmste – er liebt Männer. Édouard Louis schildert in seinem Debütroman En finir avec Eddy Bellegueule seine eigene Kindheit – denn Eddy, das war Louis bevor er sich von seiner Familie, seinem Geburtsort und den Konventionen, in denen er aufgewachsen ist, gelöst hat. En finir avec Eddy Bellegueule ist zwar als Roman klassifiziert, der Geschichte haftet aber unübersehbar etwas Autobiographisches an – eine Vermutung, die letztlich von Louis selber in verschiedenen Interviews bestätigt wird. Das große Thema seines Buches ist die Homosexualität in einer Welt, in der so etwas nach Meinung ihrer Bewohner nicht existieren darf. Andersartigkeit wird bestraft. Sowohl für Frauen als auch für Männer gibt es vorgeschriebene Lebensentwürfe und Charaktereigenschaften, die es zu erfüllen gibt: Kein Schulabschluss, viele Kinder und ein Nebenverdienst als Verkäuferin oder Altenpflegerin auf der einen Seite, schnelle Fäuste, vulgäre Witze und ein übermäßiger Alkoholkonsum auf der anderen Seite. Die Welt des kleinen Dorfes ist geteilt in weibliche (der Platz vor der Schule) und männliche Orte (die Fabrik). Die Beziehungen der Menschen zueinander ist heterosexuell geprägt: Männer buhlen um Frauen, um harte Kerle zu werden; Frauen lassen sich viele Kinder machen, um nicht als frigide dazustehen. Eddy, der von klein auf Frauenkleidung mag, das Theater liebt und Männer sexuell erregender findet als Frauen, fällt aus diesem Rahmen – und bezahlt dafür mit Häme, Prügel, Erniedrigung und Liebesentzug. Louis erzählt das Aufwachsen in dieser harten Umgebung schonungslos und brutal. Die Sprache der Dorfbewohner, die er zitiert, ist vulgär, anstößig und verletzend. Schmerzhafte und demütige Szenen, die Eddy in der Schule erlebt, werden detailliert ausgemalt. Selbst sexuelle Praktiken zwischen Kindern, inspiriert von Pornofilmen, werden nicht ausgespart. Als Leser ekelt man sich, man windet sich, man will die Augen verschließen, doch Louis reiht eine furchtbare Begebenheit an die nächste. „Aneinanderreihung“ ist dabei ein wichtiges Stichwort: Eine wirkliche Handlung entbehrt der „Roman“ weitgehend. Es gibt keinen wirklichen Konflikt, keine Entwicklung, deren Zeuge man wird. Louis präsentiert eine Szene nach der anderen, die das Leben und die Konventionen der Dorfstruktur verdeutlicht. Ein Erzählen kommt daher ebenfalls weniger zustande, Louis nimmt Umstände und Bewohner eher analytisch aus, betrachtet sie rückblickend wie unter einem Mikroskop vergrößert. Dieser analytische Stil ist sicherlich mal etwas anderes und hat mir vor allem zu Beginn auch sehr gefallen; er trägt meiner Meinung nach aber nicht über 200 Seiten. Nach knapp 50 Seiten war für mich diese kleine Dorfwelt bereits komplett „durchanalysiert“, Wiederholungen und eine gewisse Eintönigkeit bestimmen daher für mich über weite Strecken die restlichen Seiten. Zudem bleibt durch diesen Stil der Zugang zum Protagonist verstellt: Natürlich ist es grausam, was dem kleinen Eddy passiert und man leidet auch als Leser – meiner Meinung nach aber eher an der drastischen Darstellungsweise als am Schicksal der Hauptfigur. Die Sprache Louis, die natürlich stark vom oben beschrieben Stil beeinflusst ist, hat mir, soweit ich das fürs Französische beurteilen kann, gut gefallen: Sie erscheint eloquent und aussagekräftig. Den stetig markierten Wechsel zwischen umgangssprachlichem Slang und gehobenem Französisch fand ich gelungen und authentisch. Generell ließ sich das Buch in der Fremdsprache einfach und leicht lesen. Natürlich habe ich hin und wieder einige Wörter nachgeschlagen, meist aber eher aus Interesse am Vokabellernen. Die Zusammenhänge des Geschilderten lassen sich aber auch gut ohne intensive Wörterbucharbeit verstehen oder aus dem Kontext erschließen. Fazit: Für mich mehr eine Milieustudie als ein Roman. Empfehlenswert für Leute, die gerne mal auch Erzählweisen jenseits des Mainstreams lesen und keine Probleme mit drastischen, teilweise auch überzogenen Schilderungen haben.

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  • En finir avec Eddy Bellegueule - Société terrifiante

    En finir avec Eddy Bellegueule

    Nicky_G

    11. May 2015 um 11:34

    Un livre sur un garçon qui essaie de se trouver, mais il y a des limites : son propre, celle de ses parents et celle de son village. Les limites ne sont pas que spatiales mais aussi spirituelles. La vie des gens dans le village est fixée et les laisse sans défense dans un environnement morne. S’ils ne peuvent pas trouver les mots, ils se défendent brutalement. Il semble n’y avoir aucune fuite de la société ou l'opinion dominante. Il ne faut pas être différent, ni physiquement ni mentalement, parce qu’on ne peut pas gérer. Chaque ligne parle d'un désespoir déprimant. Le style d'écriture est extraordinaire et éminemment. Le discours direct manque et l'intégration des déclarations des personnes dans le texte agit comme un reportage. Les scènes semblent parfois non structurées et désorganisée, comme si elles avaient revenu à la mémoire de l'auteur par écrit. L'histoire me rappelle un peu du film "Billy Elliot", parce que le protagoniste est dans une situation similaire qu’Eddy, en particulier en ce qui concerne le thème de l’altérité. Nul ne peut être en dehors de la norme du village et s’il est, alors il est soit ignoré ou vilipendé. Et même aussi par leurs propres parents! L'auteur dit sont fait à ses lecteurs, il ne les épargné rien. Il les implique dans ce monde de l'ignorance et de la bigoterie et fait le lecteur un spectateur impuissant, que a horreur de l’histoire mais il n’est peut pas détourner les yeux. Le lecteur reste les bras croisés. De temps à autre le langage gros rebute, mais en conjonction avec l'environnement social, qui est décrit, il adapte bien. L’histoire fait pitié et le désir qu’il ne se reproduise pas, afin qu’on sera plus réfléchie et ouverte.

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  • eine wirklich schwere & schockierende Lektüre

    En finir avec Eddy Bellegueule

    Gwenliest

    06. May 2015 um 21:57

    Eddy Bellegueule ist anders. Anders als sein Umfeld es von ihm erwartet. Er spricht anders, geht anders, mag kein Fußball, tanzt lieber und hört gern Schlagermusik. Deshalb wird Eddy bereits als kleines Kind in eine Schublade gesteckt und in der Schule und eigentlich auch sonst überall gemobbt – nicht nur verbal sondern auch physisch angegriffen. Seine Familie wohnt in einer Kleinstadt im Norden Frankreichs und gehört der Unterschicht an. Die Geschichte umfasst einen Zeitraum in Eddys Kindheit/Teenagerzeit (ca. 8-18), in dem seine Beziehung zu seinen Eltern, seinen Geschwistern und den restlichen Kleinstadtbewohnern beschrieben wird. Der Leser wird mit schrecklichen, brutalen Situationen und Verhaltensweisen konfrontiert, während er Eddys ersten Berührungen mit Sexualität, seine Verwirrung miterlebt und ihn auf seiner Suche nach sich selbst, seiner sexuellen Orientierung und seinem Platz innerhalb der Gesellschaft begleitet. Was das Ganze so tragisch macht, ist dass dies keine völlig fiktive Geschichte ist, auch wenn auf dem Buch Roman steht, sondern dass hier ein junger Mann sich alles von der Seele schreibt, was er jahrelang mit sich herumgetragen hat. Edouard Louis hat vor nur wenigen Jahren mit 18 begonnen über seine Kindheit zu schreiben (heute ist er 22), in dem Moment als er seinem alten Ich - Eddy Bellegueule – den Rücken zugekehrt hat. Ohne Rücksicht auf Verluste, seine Familie und völlig distanziert beschreibt er sein Leben. Dabei wechselt er gekonnt zwischen einem sprachlich sehr anspruchsvollen Niveau und Gossenjargon. Louis beschreibt nicht „nur“ seine Jugend, sondern skizziert nebenbei das Bild eines Milieus. Was man in diesem Buch liest, kann man fast gar nicht glauben. Er selbst sagt aber alles ist wahr und ich glaube ihm, dass es seine Wahrheit ist, so wie er seine Geschichte erlebt hat, aus seiner ganz persönlichen Erfahrung und Erinnerung. Ob nun alles was hier geschrieben steht der Realität entspricht, ist letztendlich für den Leser nicht wirklich relevant. Diese Thematik findet sich schließlich immer wenn man etwas Autobiographisches liest. Was wichtig ist, ist das Edouard Louis mit der Offenlegung seiner Geschichte gegen ein antiquiertes Rollenverständnis kämpft das es mancher Orts noch immer gibt, auf Missstände aufmerksam macht und darüber hinaus dem „Anderssein“ eine Stimme gibt. Er macht das ohne eine Lösung zu präsentieren, wie sollte er das auch können. Das Buch hat mich schockiert & fassungslos zurückgelassen. Aber ich bin sehr gespannt was dieser junge Mann noch so alles zu Papier bringen wird, vor allem wenn er über etwas schreibt, das ihm nicht so nah ist.

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