Histoire de la violence

von Édouard Louis 
5,0 Sterne bei1 Bewertungen
Histoire de la violence
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Ehrlich, schonungslos und selbstentblößend.

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Inhaltsangabe zu "Histoire de la violence"

J'ai rencontré Reda un soir de Noël. Je rentrais chez moi après un repas avec des amis, vers quatre heures du matin. Il m'a abordé dans la rue et j'ai fini par lui proposer de monter dans mon studio. Ensuite, il m'a raconté l'histoire de son enfance et celle de l'arrivée en France de son père, qui avait fui l'Algérie. Nous avons passé le reste de la nuit ensemble, on discutait, on riait. Vers six heures du matin, il a sorti un revolver et il a dit qu'il allait me tuer. Il m'a insulté, étranglé, violé. Le lendemain, les démarches médicales et judiciaires ont commencé.


Plus tard, je me suis confié à ma sœur. Je l'ai entendue raconter à sa manière ces événements.


En revenant sur mon enfance, mais aussi sur la vie de Reda et celle de son père, en réfléchissant à l'émigration, au racisme, à la misère, au désir ou aux effets du traumatisme, je voudrais à mon tour comprendre ce qui s'est passé cette nuit-là. Et par là, esquisser une histoire de la violence.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9782757864814
Sprache:Französisch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:240 Seiten
Verlag:Points
Erscheinungsdatum:03.01.2017

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    leseleas avatar
    leseleavor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ehrlich, schonungslos und selbstentblößend.
    Exclu de sa propre histoire

    Histoire de la violence – in deutscher Übersetzung: Im Herzen der Gewalt – ist der zweite Roman des jungen französischen Schriftstellers Édouard Louis. Bereits sein hochgelobtes Debüt En finir avec Eddy Belleguelle/Das Ende von Eddy, das von der Kindheit eines homosexuellen Jungen im ländlichen, konservativen Frankreich handelte, trug eindeutig autobiografische Züge und auch in seinem zweiten Werk greift Louis auf die Möglichkeit zurück, persönliche Erfahrungen in literarische Formen zu verwandeln. Erzählt wird im dieses Mal, wie der französische Titel schon richtig zusammenfasst, von einer Gewalttat, die Edouard in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember widerfährt: Auf dem Weg nach Hause trifft er Reda, einen jungen Algerier und nimmt ihn mit in seine Wohnung. Sie kommen sich näher, erzählen sich Geschichten aus ihrem Leben, haben Sex. Am frühen Morgen bemerkt Edouard, dass Reda ihn bestohlen hat. Er konfrontiert ihn mit seinen Anschuldigungen, was eine unvorhersehbare Eskalation zu Folge hat: Reda bedroht ihn nicht nur mit einer Waffe, sondern erwürgt Edouard beinahe, bevor er ihn schließlich vergewaltigt. Das daraus resultierende Trauma sowie die juristischen Konsequenzen stehen neben dem eigentlichen Verbrechen im Zentrum des Romans.

    Histoire de la violence ist daher zunächst als schmerzlicher Erfahrungsbericht zu lesen, als Möglichkeit, das Widerfahrene zu begreifen und damit auch zu verarbeiten. Gleichzeitig ist das Erzählen dieser Begebenheit aber auch der Versuch, die Deutungshoheit über seine eigene Geschichte zurückzuerlangen, die Louis im Rahmen der polizeilichen, juristischen und medizinischen Befragungen sowie des Offenbaren des eigenen Traumas gegenüber Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten verloren zu haben glaubt. Dies wird besonders anhand der multiperspektivischen und komplexen Erzählstruktur deutlich: Denn in Histoire de la violence erzählt eigentlich Edouards Schwester, eine Außenstehende, von den intimen Erlebnissen der besagten Nacht; Louis selber nimmt hingegen die Rolle ein, in Vor- und Rückblenden, Exkursen und Kommentaren, das Gesagte zurechtzurücken, zu erläutern und zu vertiefen, um so das Erlebte wieder zu subjektivieren.

    Louis bleibt dabei seinem analytischen Schreibstil treu, den er schon in seinem Debütroman an den Tag gelegt hat, um sich dem eigenen Ich zu nähern. Auch Histoire de la violence weist eine sezierende, nüchterne, zugleich aber detaillierte Sprache auf, die das traumatische Ereignis und seine Folgen in einem Themenkomplex von Gewalt, Homosexualität, Xenophobie, sozialen Missständen und Angst verortet. Einerseits macht gerade das den Roman besonders reizvoll, wird diese schrittweise erfolgende Zergliederung doch nicht nur dem vielschichtigen Inhalt gerecht, sondern führt auch zu einem Herauszögen des Erzählens und damit zum Aufbau von Spannung in einer Geschichte, deren Ende eigentlich schon eindeutig ist. Andererseits weitet Louis die Erzählung hier auch oftmals zu sehr und springt beinahe ihren Rahmen; 240 Seiten scheinen manchmal nicht genug zu sein für die unzähligen Assoziationen und Gedankengänge, die Louis aus dieser einen Nacht heraus entwickelt, mögen sie noch so scharf und präzise sein. Eine gewisse Ermüdung – und ich erinnere mich, dass ich beim Debüt ebenso empfunden habe – stellt sich nach einer gewissen Seite beim Lesen also unvermeidlich ein.

    Nichtsdestotrotz muss der junge Autor für seine brutale Ehrlichkeit, seinem offenen Umgang mit Tabuthemen und seine Selbstentblößung gegenüber dem Leser, die zu einer beinahe zwanghaften Nähe zwischen Autor und Publikum führt, bewundert werden. Dass ihm darüber hinaus gelingt, diesen mutigen Inhalt literarisch ansprechend und gekonnt umzusetzen, zeigt sein schriftstellerisches Talent und macht die Lektüre seines Romans – bei aller Grausamkeit der Thematik – zu einem Genuss. 4,5 Sterne!

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