Érik Orsenna , Holger Fock (Übers.) Lied für eine geliebte Frau

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Inhaltsangabe zu „Lied für eine geliebte Frau“ von Érik Orsenna

„Orsenna verwandelt Kummer in Literatur. Er tut dies mit Zartgefühl und einem traurigen Lächeln. Ein wunderschönes Buch.“ Le Figaro „Welches Bild von ihr kann ich für immer in mir bewahren, welches Bild, das niemand mir stehlen kann, nicht einmal das Leben, das weitergeht?“ Nur vier gemeinsame Jahre waren dem Erzähler dieses Romans und seiner einzigen wahren Liebe vergönnt, bevor sie an einer Krankheit starb. Alleingelassen, will er einen Weg finden, wie er mit der Geliebten weiterleben und die Verbindung mit ihr aufrechterhalten kann. Dazu begibt er sich auf die Suche nach seinen Erinnerungen – und nach dem Ort, an dem die Toten sind. Er befragt die Menschen in seiner Umgebung, er wendet sich an Experten, an fremde Religionen und Kulturen. Und während er sich weigert, seinen Verlust hinzunehmen, wird die Geliebte erneut zur Begleiterin für sein Leben, das gleichwohl nicht in der Vergangenheit stehenbleibt. Orsennas Buch, diese postume Liebeserklärung, ist ein Stück erzählter Autobiographie, das Märchen einer großen Liebe und der Bericht von einer philosophischen Wanderung. Es spricht von der Verzweiflung, aus der den Erzähler am Ende nur dreierlei rettet: sein stiller Humor, seine unaufdringliche Weisheit und die Entschlossenheit, seine Suche nach der Toten nicht aufzugeben.

eine poetische Liebeserklärung. immer wieder aufs neue einfach WOW !! absolut empfehlenswert

— schlaura

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  • Rezension zu "Lied für eine geliebte Frau" von Érik Orsenna

    Lied für eine geliebte Frau

    WinfriedStanzick

    22. March 2012 um 08:37

    Erik Orsenna ist ein französischer Intellektueller, der viel in der Welt herumgekommen und in der französischen Politik als zeitweiliger Redenschreiber von Mitterand zu hohen Positionen gelangt ist. Einiges aus dieser Zeit plaudert sein Alter Ego in dem vorliegenden Roman auch aus. Doch das steht nicht im Zentrum eines Textes, der sich auf eine literarisch dichte und leidenschaftliche Weise, wie man es selten vorher gelesen hat, mit der Trauer um eine Frau befasst, die einzige Frau in seinem Leben, die er wirklich und wahrhaft geliebt hat. Sein jüngerer Bruder hat früh geheiratet und redet immer wieder von seiner Frau als seiner „einzigen Liebe“. Der jüngere Bruder wirft dem älteren immer wieder vor, oberflächlich zu sein, wenn der, nach wenigen Monaten nur, schon wieder eine neue Frau zu den Einladungen der Familie des verheirateten Bruders mitbringt. Der verteidigt sich, obwohl er, was zwischen den Zeilen deutlich wird, in seinem Inneren spürt, dass sein Leben, seine Unruhe und Unrast so etwas wie eine uneingestandene Angst davor sind, sich wirklich liebend auf eine Frau einzulassen. Doch eines Tages begegnet auch er seiner großen, „einzigen“ Liebe. Doch bald erkrankt die wunderbare Frau und nach nur vier gemeinsamen Jahren, zum Schluss geprägt durch hektisches und angstvolles, letztlich aber vergebliches Suchen nach einer medizinischen Lösung, stirbt sie. „Welches Bild von ihr kann ich für immer in mir bewahren, welches Bild, das niemand mir nehmen kann, nicht einmal das Leben, das weitergeht?“ So fragt er sich und seine Leser schon am Beginn des Buches und macht sich dann, nachdem er seinen familiären Hintergrund und sein Verhältnis zu dem jüngeren Bruder, dem mit der einzigen Liebe, erklärt hat, auf die Suche nach der Verstorbenen. Er weigert sich, den Rat der traditionellen Trauerarbeit anzunehmen und loszulassen. Er sucht nach Wegen, weiterhin mit seiner wahrhaft geliebten Frau zu leben. Als gebildeter Mensch befragt er antike Mythen (Orpheus und Eurydike), das tibetanische Totenbuch, Mediziner, Philosophen und Physiker und die Religionen auf der Suche nach einer Antwort. Und er erlebt auf eine den Leser bewegende Weise, dass, je mehr er die Geliebte sucht, auch die Nähe zu ihr wieder größer wird und ganz neu entsteht. Orsennas Roman ist ein Buch über den Zauber der Liebe, ein überzeugendes und ehrliches Stück Autobiographie und ein erschütterndes Zeugnis großer Trauer über einen verloren geglaubten Mensch. Orsenna ist als Romancier ganz nah an der Erkenntnis, die insbesondere der Psychotherapeut Roland Kachler in den letzten Jahren in vielen Büchern formuliert hat, nachdem er sich nach dem Tod eines Sohnes an der von Freud schon formulierten Prämisse der Trauerarbeit , dem „Loslassen“ abgearbeitet hatte. Er spricht immer wieder davon, dass die Liebe zu dem Verstorbenen eben nicht losgelassen zu werden braucht, denn sie ist das tragende Element, das aus der Trauer heraus führt und eine dauernde Verbindung zu dem Verstorbenen aufrecht erhält, ohne dass die das weitere Leben des Trauernden behindern, einschränken oder verunmöglichen würde. Erik Orsenna findet das auf seine Weise heraus. Er kann seine einzige und wahre Liebe bei sich behalten und sich dennoch dem Leben und auch der Liebe wieder öffnen. Mich hat das Buch sehr bewegt und mich daran erinnert, jeden Tag mit meiner einzigen Liebe zu schätzen und bewusst zu leben. Nichts, auch nicht dereinst der Tod wird mir das jemals nehmen können.

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  • Rezension zu "Lied für eine geliebte Frau" von Érik Orsenna

    Lied für eine geliebte Frau

    Clari

    23. November 2010 um 16:43

    Liebe als unendliches Versprechen. Zwei Brüder, die sich ähneln, und die doch verschieden sind, beschäftigen sich beruflich mit Menschen: der eine als Schriftsteller, der andere als Arzt und Psychoanalytiker. Der jüngere von beiden ist beständig in seinen Liebesbeziehungen. Der andere, der Dichter, kann bei keiner Frau verweilen, bis ihm die einzige und wahre Liebe seines Lebens begegnet. Sie ist seine „Sonne“, die seinem Leben Glanz verleiht und ihn zu ungewöhnlichen poetischen Bewunderungsklängen verleitet. Nur vier Jahre währte das Glück mit ihr. Dann raffte sie eine schwere Krankheit dahin. Die Geschichte zeigt das Können eines Schriftstellers, der sich in feinster Manier auszudrücken versteht. Seine Irrfahrten zum Glück und seine Liebesbeschreibungen sind voller Andeutungen und sinnfälliger poetischer Ausrufe. Man spürt die zarte Frau, die zusammen mit ihrer Tochter Louise als „Sonne“ in sein Leben tritt. Es sind freie Assoziationen, mit denen Erik Orsenna in die Geschichte einer Liebe eintaucht, die sich nicht im Alltäglichen verfängt. Der Tod wächst als Ungeheuer aus dem Jetzt und bläht sich zu einem Ungetüm auf, dem man nicht entrinnen kann. Man spürt die Traurigkeit, und man ahnt die Wut und Verlorenheit nach dem Tod der Geliebten, die den Protagonisten in der Wüste des Alleinseins zurücklässt. Mit autobiographischen Zügen versehen lässt uns Erik Orsenna in seinem „ Lied für eine geliebte Frau“ teilnehmen an der Suche nach dem Glück und an der Heiterkeit und Leichtigkeit einer Liebe, die der Mann zeitlebens gesucht und nun endlich gefunden hatte. Dass ihnen zusammen nur eine kurze Zeit beschieden war, zeigt die Unwägbarkeit von Zeit und Stunde, in denen wir uns ausruhen dürfen „bis dass der Tod uns scheidet“. Nach dem Tod der geliebten Frau begibt sich der Held der Geschichte, der so lange auf die perfekte Liebe gewartet hat, auf die Suche nach dem Ort der Toten, weil er nicht wahrhaben will, dass die Trennung durch den Tod endgültig ist. Er besucht ferne Länder und Kontinente, sucht in anderen Kulturen und deren Mythen nach dem Heil der erneuten Begegnung mit der toten Geliebten und muss erkennen, dass Zeit und Raum vorhanden und doch unfassbar sind. Er entdeckt die „ vollendete Zukunft“, einen Begriff, der ihm fremd war, und den er nachzuvollziehen lernt. „ Egal, wie eine Geschichte ausgehen mag; wir werden sie erlebt haben.“ Mit tiefsinnigen Überlegungen, erkenntnisreichen philosophischen Analysen und einer langen Zeit der Trauer endet dieser Roman über eine ungewöhnliche Liebesbeziehung. Ob es für den verlassenen Geliebten einen Neuanfang geben wird? Erik Orsenna ist ein feinsinniges, nachdenkliches und hoch philosophisches Buch gelungen. Er erhielt zahlreiche Preise für seine Werke und ist Mitglied der Académie Française.

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  • Rezension zu "Lied für eine geliebte Frau" von Érik Orsenna

    Lied für eine geliebte Frau

    HeikeG

    07. November 2010 um 14:14

    Vollendete Zukunft . Érik Orsenna, seit 1998 Mitglied der Académie Française und bereits mit diversen Preisen ausgezeichnet (unter anderem mit dem Prix Goncourt), ist ein unglaublich vielseitiger Schriftsteller. Sein Oeuvre offenbart sich so breitgefächert wie wohl kaum bei einem anderen Autor. Egal, ob er über Baumwolle („Weiße Plantagen“), die Faszination des Golfstroms („Lob des Golfstroms“), die Antarktis („Großer Süden“), unser Lebenselixier („Die Zukunft des Wasser“) oder seine Zeit als Ghostwriter von François Mitterrand und das Alltagsleben im Elysée-Palast schreibt, wenn man seine Bücher liest, gewinnt man schnell den Eindruck, einem Autor begegnet zu sein, der aus unbändiger Neugier am Leben und den Risiken, die die Menschen scheuen und doch gerade in der Natur immer wieder suchen, seinen literarischen Stoff strickt. Er gehe jedenfalls gern Risiken ein, erzählt er in einem Interview. Denn wer nichts riskiere, habe nur ein einziges Leben. „Diese Vorstellung ertrage ich nicht.“ . In der Liebe und im Leben verhalte es sich übrigens analog, sagt Orsenna. „Lied für eine geliebte Frau“ ist beredtes und vor allem sehr persönliches Zeugnis dafür. Doch was, wenn die Liebe das Leben verlässt? „Wie soll ich es Ihnen mit einem Wort erklären? Sie haben sie ja nicht gekannt. Wie kann ich ihr gerecht werden, jetzt, da sie nicht mehr da ist? Welches Bild von ihr kann ich für immer in mir bewahren, welches Bild, das niemand mir stehlen kann, nicht einmal das Leben, das weitergeht?“ Mit diesen Fragen beginnt der Roman des 1947 geborenen französischen Autors. . Sein Protagonist, Orsennas Alter Ego, hat Angst vor dem „Gespenst der Liebe“. Unstet tingelt er durch eine Welt „voller Neurosen, manischer Theorien und leidenschaftlicher Liebesverhältnisse (von denen die einen Stückwerk und die anderen einzigartig waren)“. Bis an einem schönen Novembertag DIE Frau in sein Leben tritt. „Diese Frau war eine Sonne. (...) Eine Sonne, die - Sie haben es erraten - sich sehr von unserer offiziellen Sonne unterschied: Sie kannte keine Routine auf ihren Bahnen. Sie konnte immer und überall aufgehen, an jedem beliebigen Ort zwischen Himmel und Erde“. Mit ihrer Lebendigkeit, ihrer Fröhlichkeit, dem Unverhofften und der Freiheit bezähmt sie seine Unruhe. Vier glückliche Jahre bleiben den beiden, von denen der Leser jedoch kaum etwas erfährt. Sie „haben keine Geschichte. Vielleicht, weil das erfüllte Leben keinen Raum für Worte lässt. Und erst recht nicht für die Art von Andeutungen, wie es Erinnerungen sind.“ Nach vier Jahren verlässt sie ihn allerdings wieder. Eine heimtückische Krankheit fordert ihren Tribut... . Trennung und Tod gehören unbestritten zu den schwierigsten seelischen Erfahrungen eines Menschen. Am Anfang stehen Schock und Verleugnung. Leere und Schmerz nehmen von der Seele Besitz, beherrschen das ganze Wahrnehmen und sein Denken. Später brechen schmerzhafte Gefühle auf, Rat- und Hoffnungslosigkeit, Angst vor der Einsamkeit, vielleicht auch Schuld. Der Körper antwortet mit Unruhe oder Erschöpfung. Man kann sich nicht mehr konzentrieren, isst und schläft zu wenig, zieht sich von der Außenwelt zurück oder stürzt sich in verschiedenste Aufgaben. Erst langsam findet der Betroffene wieder zu sich selbst. . Auch Orsennas Protagonist muss lernen, sich in seinem Ein-Personenstück namens „Anatomie der Trauer“ neu zu orientieren. Ihn treiben Fragen um, wo sich die Menschen aufhalten, wenn sie einmal gestorben sind, wohin sie nach dem Tod gehen oder ob das Leben von Neuem beginnt? Er setzt sich nicht wie der „Faulpelz Orpheus“ in eine Barke und spielt sein Liedchen, sondern er versucht die Türen zu allen Welten, zu mythischen Orten zu öffnen, um seine Sonne wiederzufinden. Er reist über den ganzen Globus, lernt tanzen, weil auch sie dies leidenschaftlich liebte und besucht Kongresse des International Council für Philosophy and Humanistic Studies. Dort bewirken die Worte eines alten Afrikaners ein Umdenken: „Man muss sich immer wieder vor Augen führen: Dass man etwas weder sehen noch anfassen oder fühlen kann, ist noch kein Beweis, dass es nicht existiert.“ Diese Aussage öffnet ihm den Weg in die Zeit - die Zeit der Erinnerung. Denn „Erinnerungen sind Gespenster, die die Waffen gestreckt haben.“ . Die spanische Dichtung sei ein Land, das mit Schlössern übersät sei, in denen viele Schätze verborgen sind, erklärte ihm „seine Sonne“. Doch nicht nur die spanische Literatur vermag dies. Érik Orsenna ist ein ebensolches wunderbares Kleinod gelungen, voller unentbehrlicher Wahrheiten, „verkleidet als Düfte, Melodien, Echos, Gärten...“. Dass die Gesamtmelodie dennoch nicht süßlich klingt, liegt an der ironisch heiteren Art, mit der der Autor zwischen Realität und fantastischer Überhöhung Geschichten auszuschmücken versteht. „Lied für eine geliebte Frau“ offenbart sich als poetisches, feinfühliges, geistreiches und philosophisches Gedanken- und Erinnerungsfragment, das neben der posthumen Verarbeitung einer großen Liebe gleichzeitig auch von der Annäherung an seinen jüngeren Bruder berichtet, mit dem ihn ein zwiespältiges Verhältnis verbindet. „Tief in sich fühlten sie, dass sie einer gemeinsamen Sache bedurften, um wieder zueinander zu finden. Die Suche nach dem mythischen Ort (...) diente diesem Ziel besser als alles andere: Sie würde ihr Gral sein und der Zement ihrer neuen Freundschaft, die stärker und fester sein sollte als die alte, die Risse bekommen hatte.“ . Fazit: Érik Orsennas Roman, obwohl er den Verlust eines Menschen zum Inhalt hat, offenbart sich als komplexes Plädoyer für das Leben. Trauer, Tod, Erinnerung und Sehnsucht, Liebe, Resignation und Aufbruch sowie Wahrung der eigenen Identität sind die Themen, die der Autor auf der einen Seite mit Leichtigkeit, mitunter gar Humor, auf der anderen mit großem Tiefgang verarbeitet.

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