Jugend ohne Gott

von Ödön von Horvath 
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Jugend ohne Gott
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Positiv (319):
M

Plädoyer, die Wahrheit zu sagen, auch wenn man selbst geschädigt wird

Kritisch (54):

Ich mochte dieses Buch nicht so besonders :/

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Inhaltsangabe zu "Jugend ohne Gott"

Der dritte Roman Ödön von Horvaths 'Jugend ohne Gott' schildert den Alltag eines jungen Geschichtslehrers im dritten Reich aus der Perspektive des Ich-Erzählers.
Der junge Lehrer steht dem NS-Regime kritisch ablehnend gegenüber und ist zunächst fassungslos über die unmoralische Haltung seiner Schüler und deren Äußerungen, die bereits durch die NS-Propaganda beeinflusst sind. Dennoch verhält er sich systemkonform, auch um den neuen Arbeitsplatz nicht zu gefährden. Als die Klasse in einem Zeltlager die Osterferien verbringt, nehmen die Ereignisse Fahrt auf. Ein Fotoapparat verschwindet, eine Affäre fliegt auf und ein Mord geschieht. Dann kommt es zum Prozess, und die Sache mit Gott kommt auch noch zur Sprache.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783744830072
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:124 Seiten
Verlag:Books on Demand
Erscheinungsdatum:11.09.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.01.2010 bei MONO VERLAG erschienen.

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    Michael4319vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Plädoyer, die Wahrheit zu sagen, auch wenn man selbst geschädigt wird
    Mut zur Wahrheit

    „Jugend ohne Gott“ ist der dritte Roman von Ödön von Horváth und erschien 1937.

    Zum Inhalt: Die Geschichte spielt während der Machtergreifung der Nazis. Der Protagonist, ein Lehrer der immer noch an das Gute im Menschen und ein baldiges Ende der grausigen Zeit denkt, wird an der Schule immer wieder mit der vorherrschenden Ideologie konfroniert. Während dem Korrigieren eines Aufsatzes streicht er voller Ärger eine Äußerung des Schülers N durch, der die Schwarzen abwertend beschreibt.

    Als er den Schüler darauf anspricht, wird er als Konsequenz vom Vater des N aufs tiefste beschimpft. Er würde versuchen, durch „Humanitätsduselei die Seelen der Kinder zu unterhöhlen trachten“.

    Der Lehrer macht sich während diesen Zeiten immer wieder Gedanken zu Gott, ob es ihn überhaupt gebe und wie er der Menschheit gegenüber eingestellt wäre.

    Während einem Zeltlager schließlich wird ein Schüler, N, ermordet. Es kommt zu einem Gerichtsprozess, bei dem auch der Lehrer unter Verdacht gerät. Um den Verdacht abwenden zu können, muss der Lehrer schließlich eingestehen, dass er selbst Unrecht begangen hat. Erst dadurch kommen weitere Tatsachen ans Licht, die bei der Aufklärung des Falles helfen.

     

    Der Roman zeigt sehr plastisch auf, wie sich Menschen, vor allem junge Kinder, von einem System beeinflussen lassen. Die Kinder werden in der Schule durch Lektüre gezielt in ihrem Denken beeinflusst (Der Weiße steht über dem Neger, wäre mehr wert etc).

    Der Lehrer hadert die ganze Zeit über mit seinem Bild zu Gott. Er gesteht ein, den Glauben an ihn während dem ersten Weltkrieg verloren zu haben. Auch wird die emotionale Kälte und der blinde Gehorsam, dem die Menschen unter dem Regime ausgesetzt, mit einem Fisch verglichen(„Die Buben lesen alles. Aber sie lesen nur, um spötteln zu können. Sie leben in einem Paradies der Dummheit und ihr Ideal ist der Hohn. Es kommen kalte Zeiten, das Zeitalter der Fische.“)Der Fisch taucht immer wieder als Metapher für Kaltherzigkeit auf.

     

    Das Werk steht für den Mut, auch in grausamen Zeiten für Ideale einzustehen und ihnen zu folgen, komme was wolle. Während der Großteil der Schüler den blinden Gehorsam der Masse darstellt, die blindlings einem Führer nachlaufen, kann man im Lehrer einen Individualisten erkennen, der die Zeichen der Zeit erkennt, anfangs noch versucht, sich unterzuordnen, sich schließlich aber für die Wahrheit zu interessieren und gegen widrige Umstände (da auch sein Lehrerposten durch eine Aussage seinerseits gefährdet ist) nachzuforschen beginnt, um das Rätsel um den Mord des N zu klären.

     

     

     

     

     

     

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    Miri1135s avatar
    Miri1135vor einem Jahr
    Kann man mal gelesen haben...

    Eine Schule in Zeiten des totalitären Regimes: Der vierunddreißigjährige Geographie- und Geschichtslehrer der Unterstufe ist, obwohl er mit den Werten der herrschenden Faschisten nicht einverstanden ist, zunächst ein Mitläufer des Systems. Auf einer Klassenfahrt realisiert er, dass die Erziehung der Schüler zum Militarismus lediglich zu Kälte, Mangel an Toleranz und Gottlosigkeit führt. Als er sich in einen Streit der Jugendlichen einmischt, lädt er selbst Schuld auf sich.


    Hmm, für mich geht das Buch eher um Moral und kaputte Familienverhältnisse und ihre Auswirkungen, als um den Nationalsozialismus.
    All die Charaktere, die dort beschrieben werden, findet man leider auch heute noch zu Genüge wieder.
    Nervig ist, dass alle Namen immer mit dem Anfangsbuchstaben abgekürzt werden und der Lehrer ist auch manchmal etwas schräg drauf.
    Aber es ist eine nette und gut zu lesende Geschichte. Jedes Kapitel hat irgendwie eine besondere Aussage und man kann unheimlich viel interpretieren.
    Sicherlich ein gutes Buch für den Deutschunterricht.

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    Yurelias avatar
    Yureliavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Klassiker, der einen düsteren Einblick in die damalige Zeit gibt und zu heutiger Zeit eine Art Warnung ist. Drückend aber lehrreich.
    Ödön von Horváth: »Jugend ohne Gott«

    Dieses Buch habe ich vor über 10 Jahren in der Schule gelesen. Im Deutschunterricht. Ich weiß noch, dass ich es damals gehasst habe. Es hat mich aufgeregt, dass der Lehrer seine Schüler mit Anfangsbuchstaben abkürzt. Das war auch so ziemlich das Einzige, was ich von dem Buch behalten hatte. Alles andere hatte ich vergessen.
    Nun wird das Buch (erneut) verfilmt und ich sah den Trailer im Kino mit meiner Freundin. Ich erzählte ihr von dem Buch und sie wurde neugierig und fing, noch während ich bei ihr zu Besuch war, das Buch an zu lesen. Durch ihre Kommentare zu diesem Buch, bekam ich selbst auf einmal Lust, es zu lesen und zu rezensieren. Ich muss das damals gewusst haben, dass ich es eines Tages noch mal mit dem Buch versuchen werde, da ich es noch in Besitz hatte und nicht entsorgt hatte.
    Tjaaa, und heute denke ich tatsächlich anders drüber. Das liegt wohl auch daran, dass ich damals den Kommentar nicht las. Dazu war im Unterricht nicht die Zeit und ich war einige der Wenigen mit dieser Ausgabe.
    Diesmal habe ich den Kommentar gelesen und dadurch habe ich wirklich einiges mehr verstanden. Die Bezüge zu Horváths eigener Situation, die er hat mit einfließen lassen. Wie alt dieses Buch tatsächlich schon ist ...
    Es gab Jahre, da fand ich solche Literatur unnötig. Überall wurde man zugeballert mit Hitler, NS-Zeit, Drittes Reich etc.pp.
    Aber wenn ich mir die politische Situation heute angucke, kann dieses Werk Horváths als Warnung gelten. Als Warnung davor, wie es nicht sein sollte und nie wieder sein darf. 80 Jahre nach dem Erscheinen dieses Werkes.

    Einige Dinge haben mich auch diesmal wieder aufgeregt. Wie schwach und angstvoll der Lehrer am Anfang ist. Dass er die Schüler mit Anfangsbuchstaben abkürzt, hat mich immer noch genervt. Die Ansichten der Welt von damals. Dass man lieber vorher überlegt, ob das, was man Kommentieren möchte, schon im Radio Thema gewesen war, bevor man seine Meinung kundtut. Ist man unsicher oder anderer Meinung, hält man lieber den Mund.
    Oder dass der Lehrer die Privatsphäre seines Schülers gestört hat, indem er einfach sein Tagebuch las. Hätte er dies gelassen, wäre es nie zu so einem Ende gekommen.
    Alles Dinge, die mich ankotzen und immens aufregen. Aber ich weiß, dass dafür der Autor nichts kann. Es war ja damals leider wirklich so. Auch diese elendige Spionage.

    Horváths Schreibstil gefällt mir übrigens sehr. Ich mag es, wie er durch Mikro- und Makrokomposition am Ende eines Kapitels Bezug zum Anfang des Kapitels nimmt oder auch Rückverweise macht und Kapitel aufeinander beziehen lässt; sie miteinander verknüpft.
    Unbekanntere Wörter sind übrigens in dieser Ausgabe erklärt. Ich musste nichts nachschlagen. Dadurch wurde mein Lesefluss nicht beeinträchtigt.
    Der Schreibstil liest sich einfach und macht eigentlich Spaß, wäre da der Inhalt des Buches nicht. Spaß gemacht hat mir das Buch tatsächlich nach wie vor nicht.
    Es war ein wenig lehrreich aber die größte Zeit fand ich es drückend. Würde ich dem Buch eine Farbe geben müssen, wäre es grau mit brauner Schrift. Grau, düster mit einem Hauch von Angst und Verzweiflung und einer winzigen Spur Abscheu.

    Mein Fazit:
    Klassiker, der einen düsteren Einblick in die damalige Zeit gibt und zu heutiger Zeit eine Art Warnung ist. Vor einem Reich, wie es nie wieder eines geben darf... Vorsicht, drückt auf die Stimmung. Eher lehrreich als unterhaltsam.

    Kommentare: 4
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    Orishas avatar
    Orishavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Horvaths Büchlein kann ich nur empfehlen: halb Kriminalgeschichte, halb Gesellschaftskritik, bringt es die Zustände auf den Punkt.
    Die Moral der Jugend

    „Ein kleines Buch empfehle ich Ihnen, eine Erzählung Jugend ohne Gott von Horváth. Sie ist großartig und schneidet quer durch den moralischen Weltzustand von heute.“ (Hermann Hesse an Alfred Kubin, 1938)

    Ein Lehrer, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Ein Jugendcamp. Ein Mord. Der namenlose Lehrer traut seinen Augen nicht, als, in einem Aufsatz, eine Menschengruppe als minderwertiger angesehen wurde als eine andere. Den Schüler daraufhin ansprechend, gerät der Vorfall schnell aus dem Ruder, der Lehrer findet sich beim Rektor wieder mit einer Verwarnung.
    Ein paar Tage später reist die Klasse zu einem Ausflug in den Wald. Der Hitlerjugend ähnlich geht es um die Erziehung der Jugend, sie sollen exerzieren lernen, der Lehrer muss als Begleitung mit. Argwöhnisch beobachtet er seine Jungs und als der Lehrer etwas Ungewöhnliches entdeckt, tritt er eine Entwicklung los, dessen Folgen er nicht absehen kann. Ein Mord geschieht, doch nichts ist wie es scheint.

    Horvaths Kritik am nationalsozialistischen Regime ist gekonnt und mutig. Mutig, weil er jenes Büchlein bereits 1937 veröffentlichte und kaum verwunderlich, landet sein Werk nur ein Jahr später auf der Liste verbotener Bücher. Horvath zeigt die Verrohung der Jugend auf. Eine Jugend, die zu Mitläufern erzogen wird, die nicht mehr eigenständig denkt. Phrasen nachplappert, ohne sich deren Bedeutung vollends bewusst zu sein. Eine Jugend, der alles egal ist, die gleichgültig mit dem Strom schwimmt. Der Zweifel an Gott ist somit nicht weit. Gott, der sich im Gewissen, im moralischen Wesen des Individuums zeigt. Ein Gott, an den der Lehrer nicht mehr glaubt, lässt er doch solche Zustände zu. Dabei sind sie Menschgemacht, das erkennt auch der Lehrer und zieht seine eigenen Konsequenzen.

    Fazit: Horvaths Büchlein kann ich nur empfehlen: halb Kriminalgeschichte, halb Gesellschaftskritik, bringt es die Zustände auf den Punkt und auch sprachlich ist das Buch ein Genuss. Einfach und verständlich geschrieben, ohne dabei langweilig oder trivial zu werden.

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    VroniMarss avatar
    VroniMarsvor 2 Jahren
    Das Zeitalter der Fische

    »Wie gerne würden sie krepieren auf irgendeinem Feld! Der Name auf einem Kriegerdenkmal ist der Traum ihrer Pubertät.« Sie ist verroht, gefühlskalt, unmoralisch jene »Jugend ohne Gott«, die Ödön von Horváth (19011938) von seinem Ich-Erzähler, einem namenlosen Lehrer, beschreiben lässt. Eingebettet in die Geschichte eines Mordes zeichnet Horváth gekonnt das verstörend eindrückliche Bild einer gedankenlosen, ideologisch verblendeten Jugend am Beginn des NS-Regimes. Der szenisch komponierte Roman erschien erstmals 1937 in Amsterdam und wurde schon kurz danach in acht weitere Sprachen übersetzt. Trotz des 1938 folgenden Verbots durch die Nationalsozialisten machte er seinen Autor schnell international bekannt.


    Auch wenn das Buch wirklich sehr schmal und dementsprechend in einem Rutsch zu lesen ist, hat der Roman sehr viel zu bieten. Da wäre zum einem die Suche nach dem Mörder, wodurch sehr viel Spannung erzeugt wird. Zum anderen sind die vielen Anspielungen auf das NS-Regime, was ich sehr interessant finde. Des Weiteren handelt das Buch auch von der Suche nach Gott/Gewissen, was mich persönlich auch zum Nachdenken angeregt hat. 


    Der Schreibstil des Autors hat mir sehr zugesagt. Der Ich-Erzähler kann einem sehr gut mit seinem zynischen Kommentaren für sich einnehmen. Es gibt viele Stellen, die einem schmunzeln lassen und mindestens genauso viele, die einem schockieren. 


    Ich habe diesen Roman mit einer elften Klasse gelesen, welche von der Thematik des Buches sehr angetan waren. 

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    SonnenBlumes avatar
    SonnenBlumevor 4 Jahren
    Jugend ohne Gott - Ödön von Horvath

    Jugend ohne Gott ist in der Zwischenkriegszeit angesiedelt, in der die Jugend hauptsächlich für den Kampf genutzt werden soll. Dies ist auch der Grund, warum sie „moralisch“ erzogen wird. Allerdings haben die Burschen des Gymnasium nicht wirklich ein Gewissen oder gar Moral. Sie sehen andere Menschen oftmals als wertlos an, was ihrem Lehrer sehr missfällt. Dieser lässt eine Bemerkung fallen, dass Neger doch auch nur Menschen seien und muss sich sogleich mit dem Vater eines Jungen und sogar dem Direktor auseinander setzen.
    Die Jugend zu dieser Zeit ist skrupellos, gewissenslos und eiskalt. Nur der Lehrer, nur er ist einer der Einzigen, die sich Gedanken machen und Kritik üben, wenn vielleicht nicht öffentlich, dann zumindest hinter verschlossener Tür oder nur für sich selbst, rein in Gedanken. Er ist ein Mann mittleren Alters, der oft philosophiert und sich in seinen Gedankengängen verliert.
    Als dann das Osterlager vor der Tür steht, in dem die Burschen weitere militärische Grundausbildung genießen sollen, graut es dem Lehrer bereits vor den zehn Tagen. Irgendwo in den Bergen, mitten im Nirgendwo.
    Im Lager selbst spielen sich dann aber die verschiedensten Szenen ab. Es wird gerauft, es wird geliebt, es wird gestritten und es wird gemordet. Denn plötzlich, am vorletzten Abend, ist einer der Schüler tot. Er wird irgendwo entfernt vom Lager aufgefunden, von zwei Waldarbeitern, die erschrocken über so eine grausame Tat sind.
    Die Ermittlungen beginnen, bereits ein halbes Jahr darauf ist die Verhandlung. Einer der Mitschüler wird verdächtigt, den anderen erschlagen zu haben. Aber der Lehrer hat eine ganz andere Vermutung, möchte dem Gericht jedoch selbst erst einmal reinen Wein einschenken, bevor er mehr oder weniger auf eigene Faust Ermittlungen anstellt.

    Ich kann mir vorstellen, dass das Buch zu der Zeit, zu der er veröffentlicht wurde, ein regelrechter Skandal war. Gerade in diesen Jahren war Kritik an der Politik im wahrsten Sinne des Wortes tödlich und Ödön von Horváth schreibt gleich ein ganzes Buch voller unterschwelliger Kritiken.
    Es zeigt aber auch genau so, dass der Schein trügt. Nicht alle sind der Meinung, dass die politische Situation zu dieser Zeit in Ordnung ist, es gibt auch Schüler, die der Allgemeinheit nicht zustimmen.

    Am Anfang stellte ich mir das Buch sehr viel schlimmer vor, als es letztendlich war. Man muss sich zwar zu Beginn an die Sprache gewöhnen, was aber sehr schnell geschehen ist. Oft kommen Wörter in anderer Verwendung vor als heute, wenn man aber genau liest, kann man die Bedeutung gut erfassen. 

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    Arunvor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Historisches Zeugnis
    Historisches Zeugnis

    Hier ein für mich „Moderner Klassiker“ des Autors Ödön von Horváth – Jugend ohne Gott.
    Das Buch erschien 1937 in Amsterdam und wurde ein Jahr später in Deutschland verboten.

    Klappentext des Verlags:
    Alles Denken ist ihnen verhasst. Sie pfeifen auf die Menschen! Sie wollen Maschinen sein, Schrauben, Räder, Kolben, Riemen - doch lieber als Maschinen wären sie Munition: Bomben, Schrapnells, Granaten. Wie gerne würden sie krepieren auf irgendeinem Feld! Der Name auf einem Kriegerdenkmal ist der Traum ihrer Pubertät.

    Meine Meinung:
    Der Autor beleuchtet für uns einen Teil des Lebens aus dem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte dem sogenannten
    „3. Reich“
    Ein Gymnasiallehrer für Geschichte und Geographie unterrichtet eine Klasse mit vierzehnjährigen Schülern. Ihm fällt beim korrigieren von Klassenarbeiten auf dass sich viele Schüler vom Zeitgeist und Propaganda leiten lassen. Als er die Schüler darauf anspricht kommt es am nächsten Tag schon zu Beschwerden von Seiten der Eltern welche der NS-Ideologie stark verhaftet sind.
    Unser Lehrer spürt das es seine Schüler nur noch schlecht erreichen kann, viele vertreten andere Standpunkte zudem spielt auch die Pubertät eine nicht geringe Rolle.
    Bei einer Vormilitärischen Übung die als eine Art Zeltlager durchgeführt wird kommt es sogar zu einem Mord der einen Gerichtsprozess nach sich zieht.

    Der Autor hält seiner Leserschaft einen Spiegel vor was zum Zeitpunkt des Erscheinens des Romans wahrscheinlich nicht von allen gern gesehen wurde.
    Gut gefallen hat mir zum Beispiel die Umschreibung eines gewissen „Führers“ als „Oberplebejer“

    Das nur knapp 140 Seiten umfassende Buch sollte man als Zeitdokument gelesen haben, es enthält wie der Titel schon aussagt auch einige religiöse Aussagen auf die ich jetzt aber nicht eingehen möchte.

    Kommentare: 2
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    Stephanuss avatar
    Stephanusvor 5 Jahren
    Ein Klassiker der Literatur - immer noch Aktuell

    Ein Lehrer in der Zeit des Nationalsozialismus steht dieser Bewegung kritisch gegenüber, wagt jedoch selbst nicht dagegen vorzugehen. Er erkennt die immer stärker werdende Kraft des Nationalsozialismus auf die Jugend und der damit einhergehenden Manipulation, Verrohung und dem Verfall von Werten. Selbst gerät er dabei immer stärker in diesen Kreislauf und findet sich, nachdem ein Schüler bei einer militärischen Übung ermordet wird, sich selbst darin verstrickt und seine eigenen Werte verlierend. Erst im Glauben findet er schließlich den Mut zur Wahrheit und bleibt letztlich als Verlierer zurück, während die Jugend immer weiter und stärker vom perviden und menschenverachtenden nationalsozialistischen Gedankengut infiziert wird.

    Vom Autor wird in sehr ausgefeilter und stilistisch hervorragender Weise eine Systemkritik am Nationalsozialismus und dessen pervertierter Gedankenwelt geschaffen, die viele Ereignisse des kommenden 2. Weltkriegs vorausahnt.

    Das Buch ist aber nicht nur eine Lektüre für diese Epoche sondern auch heute noch immer aktuell mit seinem schonungslosen Aufdecken von manipulativer Kraft und Indoktrination und für mich, auch nach dem dritten Mal lesen immer noch empfehlenswert.

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    WildRoses avatar
    WildRosevor 6 Jahren
    Ein guter Klassiker

    "Jugend ohne Gott" hat mir ziemlich gut gefallen. Ich lese zwar nicht allzu oft "Klassikerr", doch Ödön von Horváths Roman fand ich sehr interessant  und die Themen, die darin behandelt werden, sind auch heute noch aktuell. Das Buch wirft verschiedene Fragen und Gedanken auf und regt so zum Nachdenken an. Allerdings fand ich "Jugend ohne Gott" sehr, sehr kurz und somit war es nicht ganz so eindringlich, wie ich mir das von einem Buch erhoffe, dass so interessante Themen behandelt. Vieles hätte ausführlicher beschrieben sein können. Dennoch bin ich froh, es gelesen zu haben und denke auch, dass es jungen Leuten einen Denkanstoß geben könnte.

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    Heanes avatar
    Heanevor 6 Jahren
    Rezension zu "Jugend ohne Gott" von Ödön von Horváth

    Darin ein Lehrer der verzweifelt eine Nische für sich und seine Ansichten sucht. Auffallen will er um keinen Preis, seinen Schülern aber verkommene Werte vermitteln auch nicht, so windet er sich zwischen den Stühlen und scheitert wohl gerade durch diese Unentschlossenheit am Allermeisten.

    Als es auf einem Zeltlager zu einem tragischen Zwischenfall kommt verändert sich nicht nur für den Lehrer das komplette Denken und Handeln.

    Aus der Ich-Perspektive des Lehrers werden die Ereignisse geschildert, dabei tritt auch der Charakter dieser Person deutlich zu Tage. Klar und mit umsichtig gesetzten Worten führt uns Horvàth in die Lebenswelt des Protagonisten und macht ihn für uns mit allen seinen Schwächen und den wenigen Stärken, die er sein Eigen nennen mag lebendig.

    Mit „Jugend ohne Gott“ legte Ödön von Horvàth einen sozialkritischen Roman vor, der Seinesgleichen sucht. Auf 182 Seiten bemüht der Autor Metapher um Metapher, zitiert die Bibel und andere bekannte Schriften und spart nicht an kritischen und sarkastischen Aussagen.

    Kein Wunder, dass der Roman 1938 auf der „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ geführt wurde und im gesamten Reichsgebiet eingezogen wurde, zu offensichtlich waren die Vergleiche zum Deutschen Reich und seiner Propagandamaschinerie.

    Mehr als nur einmal fragt man sich bei „Jugend ohne Gott“, welche Generation Horvàth wohl gemeint haben mag, die gottlos durch ihr Leben geht. Die damaligen Jugendlichen, oder vielleicht doch die Erwachsenen, denen es nicht gelingt Verständnis für die Jüngeren aufzubringen und damit eine Brücke zu deren Einstellungen zu schlagen?

    Am Ende mag ich für mich herauslesen, dass jede Generation gottlos ist und es immer an uns selbst liegt, dies zu ändern oder noch zu verstärken. Im Kleinen wie im Großen.

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