Bahnwärter Thiel. von, Fischers Bibliothek zeitgenössischer Romane ; 7,1

(1)

Lovelybooks Bewertung

  • 1 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(0)
(1)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Bahnwärter Thiel. von, Fischers Bibliothek zeitgenössischer Romane ; 7,1“ von

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Bahnwärter Thiel. von, Fischers Bibliothek zeitgenössischer Romane ; 7,1"

    Bahnwärter Thiel. von, Fischers Bibliothek zeitgenössischer Romane ; 7,1

    sabisteb

    21. November 2012 um 11:15

    In einem kleinen Dorf bei Neu-Zittau lebt Bahnwerter Thiel. Er ist ein ruhiger, phlegmatischer, praktisch veranlagter Mann. Nachdem seine erste Frau, die er aus Liebe heiratete, im Kindbett starb, heiratet er aus praktischen Gründen eine Milchmagd, damit ihm das Kind nicht stirbt. Seine neue Gattin erweist sich als wahrer Hausdrachen, zänkisch und herrschsüchtig. Sie macht ihm und dem etwas zurückgebliebenen Tobias das Leben schwer, erst recht, als sie selbst einen kleinen Sohn zur Welt bringt. Bahnwärter Thiel dürfte wohl einer der bekanntesten Romane von Gerhart Hauptmann sein, wobei ich Roman als übertrieben erachte, Kurzgeschichte trifft es in meinen Augen eher. Die Erzählung zählt angeblich zu den bedeutendsten Werken des Naturalismus. Dazu mag man stehen, wie man will, ich finde allgemein wird dieses dünne Geschichtchen arg überinterpretiert. Insgesamt liest sich diese Geschichte recht gut, sie ist stimmungsvoll, auch wenn man teilweise das Gefühl hat, einen Zeitungsbericht zu lesen. Einiges wunderte mich bei der Lektüre. Thiel hängt liebevoll an seinem Söhnchen aus erster Ehe, so wie er eigentlich alle Kinde liebt. In seiner Freizeit kümmert es sich um die Dorfjugend, umso erstaunlicher, dass er mit seinem Zweitgeborenen nichts anfangen kann, der ist doch auch ein Kind und zwar sein Kind. Thiel sieht diesen Sohn jedoch nur als Kind seiner zweiten Frau an, das ist schon seltsam. Aus heutiger Sicht eine nicht wirklich innovative Geschichte. Hier wird einfach nur das Leben einer Patchworkfamilie aus Arbeitermilieu erzählt. Beide Elternteile nicht sonderlich helle und schon gar nicht gebildet. Die Frau ein Drachen, der Mann ein liebevolles Weichei. Letztendlich eine Geschichte, wie man sie leider häufig in der Zeitung liest: Familiendrama nach Schicksalsschlag. Vater verliert den Verstand und tötet Frau und Kinder. Vielleicht wurde damals nicht so häufig in den Zeitungen über solche Fälle berichtet, vielleicht schwieg man derlei Vorkommnisse tot, vorgekommen sind sie sicherlich. Gerhart Hauptmann sah sich selber auch nie als Sozialkritiker. Er bestand auch bei seinen Webern darauf, dass er nur historische Ereignisse beschreibt und genau das macht er meiner Meinung nach auch in Bahnwerter Thiel. Gelungen transportiert er die Melancholie des Vaters durch seinen gesetzten Erzählstil, mehr auch nicht. Den einzig spannenden Augenblick spoilert der Autor leider selber: „Paß auf […] daß er den Gleisen nicht zu Nahe kommt.“ Danach noch ein Absatz, was sonst nicht in der Geschichte vorkommt, und jedem Leser ist klar, wie es weitergehen wird. Der Wink mit dem Zaunpfahl ist hier schon ein Telegrafenpfahl, leider. Das Buch enthält (leider) noch eine zweite Geschichte: Der Apostel. Hier wird die Geschichte eines möglicherweisen schizophrenen Ex-Soldaten erzählt, der sich für einen Apostel hält und den Menschen die Botschaft Gottes vermitteln möchte. Aus irgendeinem Grund ist er zu Pfingsten nach Zürich gereist, gekleidet in eine Mönchskutte mit einem Strick auf dem Kopf wie ein Heiligenschein. Wahn, Wirklichkeit und Visionen wechseln sich ab. Um was es letztendlich wirklich geht bleibt dabei jedoch im Unklaren. Der selbsternannte Apostel wettert in Gedanken gegen die Menschheit „Er begriff, daß der Mensch Ungeziefer sei. […] Städte waren nicht besser als Beulen, Auswüchse der Kultur.“ Was will mir der Autor damit sagen? Ich weiß es nicht. Diese Geschichte bekommt von mir nur 2 Sterne.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks