Berlin Alexanderplatz - Die Geschichte vom Franz Biberkopf - Nachwort von Walter Muschg; Ungekürzte Ausgabe, 22. Auflage (441.-470. Tausend)

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Berlin Alexanderplatz - Die Geschichte vom Franz Biberkopf - Nachwort von Walter Muschg; Ungekürzte Ausgabe, 22. Auflage (441.-470. Tausend)
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Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:B00457Z2NO
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:430 Seiten
Verlag:Deutscher Taschenbuch Verlag dtv, München
Erscheinungsdatum:01.01.1980

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    muhallebis avatar
    muhallebivor 3 Jahren
    Eintauchen in die weniger goldenen Zwanziger

    Alfred Döblins erfolgreichster Roman "Berlin Alexanderplatz" spielt im ärmlichen Osten der Hauptstadt und dreht sich um den gerade aus dem Zuchthaus entlassenen Franz Biberkopf. Dieser hat sich nach vierjähriger Haftstrafe fest vorgenommen, anständig zu werden. Die prekären Verhältnisse und einige zwielichtige Gestalten, an die er in seinem Kiez rund um den Alexanderplatz gerät, machen ihm dieses Vorhaben allerdings schwer...

    Als Leser begleitet man den Protagonisten dabei, wie er einige schlimme Krisen erlebt, aber auch, wie er sich verliebt und sich alte Freundschaften beweisen. Das Ganze wird durch eine Art Joyce'schen Bewusstseinsstrom erzählt, der allerdings nicht nur die Gedankenfetzen Biberkopfs widergibt, sondern auch sehr schnell von einer Person zur anderen springen kann. Außerdem sind die Kapitel immer wieder durchsetzt mit amtlichen Ankündigungen, Werbe-Sprüchen und Zitaten aus zeitgenössischen Liedern und Gedichten sowie aus der Bibel.

    Das mag erst einmal sehr kompliziert klingen und sicherlich ist die Lektüre dieses Buches einigermaßen anspruchsvoll. Allerdings tragen genau diese Bruchstücke und Auszüge aus dem allltäglichen Leben der 1920er Jahre unheimlich dazu bei, dass das Buch atmosphärisch und sehr authentisch wird. Außerdem bergen genau diese Stellen ein großes humoristisches Potential - ich habe einige Sprüche und Witze entdeckt, bei denen mir zwar klar war, dass sie alt sind, mich aber doch amüsiert hat, WIE lange sie tatsächlich schon kursieren. Leider sind meine Vorkenntnisse über das Leben der einfachen Bevölkerung  in der entsprechenden Zeit etwas begrenzt und ich kenne natürlich viele Marken und Produkte nicht mehr, auch bin ich überhaupt nicht bibelfest. Daher sind mir garantiert einige Anspielungen und Anekdoten verborgen geblieben, die ein anderer sicher erkannt hätte. Dennoch hat mir das Buch viel geben können und ich fühle mich durch die Lektüre durchaus bereichert.

    Ich möchte "Berlin Alexanderplatz" daher jedem empfehlen, der keine Angst vor anspruchsvolleren Romanen hat und sich für diese besondere Dekade in der Geschichte Deutschlands interessiert.
    Sicher kein Buch "für Zwischendurch", aber die Zeit, die man sich zwangsläufig dafür nehmen muss, lohnt sich.

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