Das Buch der Unterschiede. Warum die Einheit keine ist

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Inhaltsangabe zu „Das Buch der Unterschiede. Warum die Einheit keine ist“ von

Über die west-östliche Zwietracht sind wir im Jahre zehn nach der Wiedervereinigung bereits vielfach unterrichtet worden. So klärte unlängst ein Buch mit dem Titel <i>It's a Zoni</i> über die "Ossis als Belastung und Belästigung" auf. Und auch eine Wuppertaler Arztgattin, die es -- weil ihr Mann eine Stelle in Frankfurt an der Oder annahm -- in die ostdeutsche Provinz verschlagen hatte, bekundete in ihrem Werk <i>NeuLand</i> ihren Unmut darüber, dass die Ostdeutschen in einem Kartoffelgratin nichts weiter als ein Bauernfrühstück ohne Eier zu erblicken imstande sind.<P> Angesichts derartiger Bekenntnisse ist es für einen west-östlich bewegten Leser ausgesprochen wohltuend, sich in das <I>Buch der Unterschiede</I> zu vertiefen. Jenseits auflagenheischender Polemik und fernab von prätentiösen Originalitätskrämpfen nähern sich hier dreiundzwanzig Autoren beiderlei Herkunft -- allesamt um die dreißig -- mit geradezu verblüffender Ehrlichkeit der Frage, "warum die Einheit keine ist". Ihre sehr persönlichen Texte zielen nicht auf bahnbrechende Antworten ab. Vielmehr entdecken sie, wie gut die Klischees selbst in gutwilligen und reflektierten deutsch-deutschen Köpfen funktionieren. So verendet für eine ostdeutsche Autorin die Lust am vielbeschworenen Dialog nicht selten in dem nett gemeinten Satz: "Bei dir merkt man gar nicht, dass du aus dem Osten kommst." Im Gegenzug kommt es für eine westdeutsche Journalistin einer Adelung gleich, wenn sie bei Recherchen in Brandenburg mit den Worten: "Auf jeden Fall hättste bei mir ooch als Ostlerin durchjehn können" verabschiedet wird. Und auch der Personalleiter in der Medienbranche, der ostdeutsche Bewerber beharrlich auf ihre Nähe zur PDS abklopft, während er westdeutsche Aspiranten vorzugsweise zu ihren Freizeitaktivitäten befragt, scheint alles andere als ein Einzelfall zu sein.<P> Beruhigenderweise deckt das <I>Buch der Unterschiede</I> aber auch Einigendes auf: Ossi wie Wessi leiden gleichermaßen unter einer Art diffusem Rechtfertigungszwang und peinigenden Unsicherheiten. Die Ossis -- ob jahrelangen Ausschlusses vom Telefonnetz gezwungenermaßen Verfechter spontaner "Überraschungsbesuche" -- zögern, unangemeldet bei ihren neuen Brüdern und Schwestern aufzutauchen. Und die Wessis schlagen sich noch immer mit der Frage herum, ob sie im Beisein ihrer ostdeutschen Freunde über das legendäre Plakat von der "Zonengaby" und ihrer ersten Banane lachen dürfen. <I>--Christine Wahl</I>
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