Der Papagei, das Telefon und die Bibliothekarin : Roman

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Inhaltsangabe zu „Der Papagei, das Telefon und die Bibliothekarin : Roman“ von

Autor/in: Coomer, Joe Titel: Der Papagei, das Telefon und die Bibliothekarin Gewicht: 400 g Verlag: Bertelsmann Erschienen: 1992 Einband: Hardcover Sprache: Deutsch Zustand: sehr gut leichte Gebrauchsspuren Kurzinfo: Lymann, 30 Jahre, Besucher unzähliger Collegekurs von Russisch bis Bogenschießen, hilft nachts gestrandeten Autofahrern weiter. eines Tages erhält er überraschenden Besuch in seinen Wohnwagen: ein Papagei fliegt ihm zu, führt sich mit den Worten" Ich bin ein Adler" ein und krempelt Lymans Leben um.

Warmherziges etwas anderes Indiebuch, mit schrägen Charakteren. Buch des Jahres 1993 der New York TImes

— rallus
rallus
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  • Vom Papageien zur Bibliothekarin

    Der Papagei, das Telefon und die Bibliothekarin : Roman
    rallus

    rallus

    21. March 2017 um 15:20

    Es gibt Bücher, an die geht man komplett ohne Erwartung heran. Wer ist Joe Coomer? Was ist das bloß für ein bescheuerter Titel? Wenn der Autor nicht bekannt ist, muss ein plakativer Titel her, dachte sich wohl der Verlag. Hätte ich nicht mal reingelesen und ich nicht gerade an dem Tag Lust auf ein Buchkauf gehabt, ich hätte das Buch sicher nicht angerührt. Höchstens mit den Augen, streifend von weitem. Im Nachhinein bin ich nicht nur froh es gekauft, sondern auch gelesen und einen neuen Autor entdeckt zu haben. Es ist eine der wenigen Indie-Buch-Perlen, die sich so wohltuend von der Masse der Bücher abheben. Einfach weil sie so erfrischend und so unliterarisch sind. (Jaja, das Buch ist ja auch Literatur, ihr wisst aber was ich meine) Erzählt wird die Geschichte von Lyman, der alleine in seinem Wohnwagen wohnt und die Nachtschichten auf dem Loop (so der Originaltitel), auf dem Autobahnring als Straßenwächter verbringt.Tagsüber bildet er sich weiter und hat schon etliche Fremdsprachen gelernt, sich ansonsten auch weitergebildet und viele Scheine für das College beschafft, wo er aber nicht hingehen will. Das Selbststudium verbringt er alleine, Familie hat er keine, seine Eltern sind bei einem Autounfall früh verstorben, die einzige tiefere Beziehung pflegt er zu Tieren. In seinen Jugendjahren wird er von einer Familie zur anderen gereicht. "Die mittlere Lebenserwartung eines Hundes betrug acht bis neun Jahre, Lymans Verweildauer in den Familien fünf bis sechs Monate. An die Namen der Hunde, mit denen er zusammengelebt hatte, konnte er sich besser erinnern als an die der Menschen. Kam er in eine Pflegefamilie, die keine Haustiere hatte, fand er Mittel und Wege weiterzuziehen. Nachdem er den Führerschein gemacht hatte, unternahm er in einem geliehenen Auto eine erste vorsichtige Fahrt durch die ganze Stadt, um die Hunde seiner früheren Pflegefamilien zu besuchen. Die meisten waren jedoch gestorben oder entlaufen, und er erkannte, dass zwei Leben sich nur kurz berührten, süß und heilend, um dann in lange währenden Kummer überzugehen." Lymans doch recht einsames aber klar geregeltes Leben erfährt eines Tages eine Veränderung. Ein Papagei fliegt ihm zu, der komische, teils kryptische Sätze spricht und offensichtlich verletzt ist. "Er beugte sich zu den gelben Augen hin und versuchte darin das Alter des Vogels zu erkennen, den Widerschein der Heimsuchungen eines Jahrhunderts. Aber alles, was er entdecken konnte, war eine dunkle Variante von etwas vage Vertrautem, etwas zwischen Netzhaut und Augenflüssigkeit Verborgenem." Lyman pflegt den Papagei und versucht dessen Besitzer festzustellen. Die Suche nach der Vergangenheit des Papageis, führt ihn zwangsläufig auf seine eigenes Leben zurück. Gerade die Arbeit in der Straßenwacht bringt ihn viel mit dem Tod in Berührung, meist sind es überfahrene Tiere, aber auch Unfälle mit Menschen passieren. Der Zufall lässt diese Menschen innehalten, am Straßenrand verweilen, der Fluss des Lebens ist plötzlich gestört.Lyman hat eine sehr klare, nichtreligiöse Art die Welt zu sehen. Das meiste was passiert ist Zufall. "Zum Laufen hilft nicht schnell sein, zum Kampf hilft nicht stark sein, zu Nahrung hilft nicht geschickt sein, zum Reichtum hilft nicht klug sein, dass einer angenehm sei, dazu hilft nicht, dass er etwas gut kann, sondern alles liegt an Zeit und Glück.Prediger 9, 11'Genau', rief Lyman, 'Das ist das erste Mal, dass ich das erlebe. Jemand, der es wissen muss, gibt zu, dass das Universum willkürlich ist. Dass das Gute nicht zwangsläufig belohnt wird. Dass das Böse nicht zwangsläufig bestraft wird. Dass der Schulhofschläger später nicht zwangsläufig büßen muss. Alles ist beliebig, alles ist Zufall, eine Laune des Universums. Ein einziges großes Glücksspiel. Und die einzige Philosophi, die zu funktionieren scheint, ist Wachsamkeit, Vorbereitetsein. Man muss auf der Hut sein'." Lymans Leben gerät nun gehörig in Unordnung, damit hat auch Fiona ihren Anteil daran. Fiona, die Bibliothekarin, mit dem treuen Hund Floyd, der sich, um nicht umzufallen, immer an feste Dinge lehnt (liebend gerne an Lymans Beine). Fiona deren Flüstern manche Schiffssirene übertönen würde. Fiona die, das spürt Lyman, Ordnung in sein Leben bringen würde. "Er dachte, wenn er sie liebte, würde er sie auch kennenlernen, sie endlich verstehen, die entnervende, strapaziöse Intensität ihrer Fragen ebenso wie die gewundenen Falten ihrer Genitalien." Der Papagei, das Telefon... ist eines dieser Bücher die man einfach lieben muss! Ob der schrägen und liebenswerten Charaktere, der sanften und doch manchmal so realistisch harten Geschichte, dieser Mix macht dieses insgesamt doch so zauberhafte, warmherzige und liebevolle Buch aus. Dabei ist es manchmal so schön schräg anders geschrieben, dass es sofort mein Herz gesichert hat. "Lyman spürte, wie etwas sich auflöste. Er schaut auf seine Schuhe hinab, aber sie waren geschnürt." The Loop wurde 1993 von der New York Times zum Buch des Jahres gewählt und 2001 verfilmt. Der Autor ist für mich jedenfalls die Entdeckung des bisherigen Jahres.  

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  • Schaurig-schön, ernst und schrullig... und einfach herzergreifend

    Der Papagei, das Telefon und die Bibliothekarin : Roman
    Mizuiro

    Mizuiro

    13. September 2014 um 21:37

    Der Papagei, das Telefon und die Bibliothekarin. Eines dieser Bücher, an dem du als Leser am Anfang völlig allein gelassen wirst. Man weiß nicht, wer die Figuren sind, von denen man liest, woher sie kommen oder was sie tun. Das alles ergibt sich erst mit der Zeit und zwar immer gerade an den richtigen Stellen. Früh genug um nicht völlig zu verzweifeln und gerade so spät, dass es lange genug spannend bleibt. Und nicht nur im Bezug auf die Figuren lassen sich solche Züge erkennen. Der Autor schafft es, immer im richtigen Moment mit wichtigen Details herauszurücken, die der Handlung jedes Mal aufs Neue Schwung geben. Und selbst in der Übersetzung (Notiz an mich: ich muss das Buch unbedingt im Original lesen!!!) ist das Buch unglaublich schön geschrieben. Unnötige Schnörkel werden weitgehend vermieden, nur ab und zu verlieren sich die Protagonisten in kurzen philosophisch-theologischen Diskursen. Und die schaurig schönen Stellen sind schlicht und ergreifend auch schaurig schön beschrieben, sodass man beim Lesen eine Gänsehaut bekommt. Im Zentrum steht die Frage nach dem Sinn des Lebens und verschiedene Ansichten zu diesem Thema werden durch verschiedene Figuren vermittelt. Und das alles ist dabei soo schöön! Dabei sind die Protagonisten nicht typische Sympathieträger. Aber sie werden mit ihren schrulligen Gewohnheiten und Makeln oder Glaubenssätzen unglaublich liebenswert gezeichnet. So gibt es einen Hund, der nicht gerne steht und sich lieber an den Beinen fremder Menschen oder Hauswänden anlehnt. Und die Hauptfigur Lyman - eigentlich ein in sich gekehrter Einzelgänger - umgibt sich hauptsächlich mit Menschen, denen irgend etwas fehlt... Ein Finger, ein Bein oder verschiedene bis alle Zähne. Und obwohl er nur wenig mit seinen Bekannten spricht, sind sie ihm doch so wichtig, dass er sie mit (schrullig-schönen) Geschenken überhäuft... Aber ich will nicht zu viel verraten, der letzte Absatz war schon schwer zu schreiben, ohne ernsthaft zu spoilern..  Kurz gesagt: Ich bin soo froh, dieses Buch so zufällig auf dem Flohmarkt gefunden zu haben und gebe eindeutige fünf Sterne!

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