Die Ideologie des Verräters. Manieristische Kunst - Kunst des Manierismus

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Inhaltsangabe zu „Die Ideologie des Verräters. Manieristische Kunst - Kunst des Manierismus“ von

Zum Manierismus nicht nur als Kunstepoche zwischen Renaissance und Barock, sondern auch als Begriff für zahlreiche Spätformen verschiedenster Stile und Zeiten, hat, so meint man, der Kunstwissenschaftler Gustav René Hocke alles Wesentliche gesagt. Hocke hat die übersteigerte "manieristische Gebärde" generell als Ausdruck "der Krise und Weltangst" beschrieben, die versuche, den verlorenen Glauben an eine (göttliche) Weltordnung "durch artifizielle Konstruktion" zu überdecken. Betrachtet man die raffiniert überproportionierte, beinahe mathematisch konstruierte Schönheit von Parmigianinos "Madonna mit dem langen Hals" (um 1535), kann man ihm da auch im Bezug auf das 16. Jahrhundert nur zustimmen.
Auch der 61-jährige italienische Kunsttheoretiker Achille Bonito Oliva beruft sich in seiner Ideologie des Verräters mehrfach auf Hockes Studie und definiert den Manierismus als Ausformung einer krisenbewussten Spät- und Übergangszeit. Übergreifend, aber immer wieder auch im Hinblick auf die konkrete Epoche, stellt er das Selbstverständnis des manieristischen Künstlers in den Mittelpunkt der Betrachtung: den exzentrischen Außenseiter, der "durch überlegene Distanz und zwielichtiges Auftreten" die stilistischen und thematischen Ideale der Vergangenheit (so den Hang zu Drama, Mythos oder Tragödie im Renaissance-Gemälde) nur mehr zitiert, "um deren ursprünglichen Sinn zu kontaminieren" -- und damit verräterisch zu unterwandern.
Konsequenterweise hat Oliva seinem hin und wieder leider etwas arg verkünstelt geschriebenen Buch ein Motto Macchiavellis vorangestellt: "Mit Gewalt oder mit Betrug". Seine Abhandlung selbst allerdings ist alles andere als eine Mogelpackung und zeigt, das auch nach Hocke -- und auf hohem theoretischem Niveau -- noch Überraschendes zum Manierismus geschrieben werden kann. Wer allerdings einen ersten Überblick über die Kunst von Parmigianino, Bronzino, Pontormo, Salviati und ihrer Nachfahren bekommen möchte, sollte auch weiterhin eher zu Hockes Die Welt als Labyrinth. Manierismus in der europäischen Kunst und Literatur greifen. --Thomas Köster
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