Ich nannte ihn Krawatte von Milena Michiko Flasar (2012) Gebundene Ausgabe

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Inhaltsangabe zu „Ich nannte ihn Krawatte von Milena Michiko Flasar (2012) Gebundene Ausgabe“ von

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    Ich nannte ihn Krawatte von Milena Michiko Flasar (2012) Gebundene Ausgabe

    j125

    01. June 2017 um 07:32

    Meine Meinung:Schon auf der ersten Seite hat mich das Buch gefangen genommen. Ich fühle mich eigentlich mit einfachen Schreibstilen wohler, weil ich immer Angst habe nicht zwischen den Zeilen lesen zu können und sprachliche Bilder nicht zu verstehen. Hier ist das gar nicht der Fall. Es ist ein besonders schöner Schreibstil, mit vielen tollen Sätzen, aber dabei ist es meist sehr gut verständlich. Einzig die fehlenden Satzzeichen um eine direkte Rede zu kennzeichnen, haben mich gestört. Die Handlung hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Erst nach und nach lernt man die Protagonisten kennen. Erfährt Geschichten aus ihrem Leben und wie sie an den Punkt gekommen sind, an dem sie sich befinden. Auf der Parkbank, einen fremden Menschen als einzigen Gesprächspartner. Ich mag auch, dass die beiden Protagonisten bzw. ihre Vergangenheit, die Vergangenheit von irgendwem sein könnten. Dazu passt auch, dass man zwar die Namen der beiden Männer erfährt, diese aber weder im Gedächtnis bleiben, noch oft wiederholt werden. Man braucht sie nicht. Denn gerade in Japan, wo das Buch spielt, könnten diese beiden Männer irgendwer sein. Viele empfinden dort den Leistungsdruck, der unter anderem in diesem Buch angesprochen wird.Gegen Ende gibt es eine Entwicklung die ich nicht gebraucht hätte, aber das tut meinem positiven Eindruck keinen Abbruch. Dazu bleiben die vorherige Handlung, das Schicksal und die Sprache zu sehr im Kopf. Nach der Danksagung folgt ein Glossar, in dem sämtliche japanische Begriffe erklärt werden. Einiges hätte meiner Meinung nach keiner Erklärung bedurft, wie zum Beispiel Karaoke, aber lieber zu viel als zu wenig. Positiv anzumerken ist, dass die im Glossar genannten Wörter im Text markiert sind, sodass man nicht unnötig blättern muss. Fazit:Ich empfehle das Buch allen, die einen schönen Schreibstil schätzen (ich weiß, das ist immer relativ), zitierwürdige Texte mögen und sich vielleicht mal an Romanen abseits des Mainstreams versuchen möchten.

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  • Sich erinnern, Tag für Tag

    Ich nannte ihn Krawatte von Milena Michiko Flasar (2012) Gebundene Ausgabe

    Buecherschmaus

    Jeden Morgen kommt der zwanzigjährige Taguchi Hiro in den Park, sitzt den ganzen Tag auf einer der Bänke, allein und verschlossen. Was nach außen als Rückzug, als Einsamkeit erscheint, ist für den jungen Mann ein großer Schritt vorwärts, hinaus aus einer zweijährigen selbstauferlegten Isolation. Zwei Jahre hat er sich in sein Zimmer bei den Eltern verkrochen. Versteckt vor den Zumutungen des Lebens, dem Druck der Gesellschaft. Die Nähe von Menschen bereitet ihm Übelkeit, er kann das alltägliche Treiben kaum mehr ertragen. „Nichts soll mich ablenken von dem Versuch, mich vor mir selbst zu bewahren.“ Seine Eltern leiden unter der Schmach ihres versagenden Sohns, verstecken ihn, unterstützen ihn aber auch. Hikikomori nennt man in Japan diese Menschen und sie sind kein sehr seltenes Phänomen. Eines Tages setzt sich ein älterer Mann auf die Parkbank gegenüber. Er ist ein „Salaryman“, also einer jener unzähligen uniformen Büroangestellten Japans. Wegen seiner korrekten Kleidung nennt Taguchi ihn insgeheim „Krawatte“. Krawatte erscheint nun ebenfalls Tag für Tag, um Stunden im Park zu verbringen. Zwischen ihm und dem jungen Mann entsteht allmählich eine vorsichtige Annäherung. Sie machen sich vertraut, bis sich der Salaryman schließlich als Ohara Tetsu vorstellt. Er hat seine Arbeit verloren und sich bisher nicht getraut, es seiner Frau zu sagen. Eine alte Geschichte. Aber es steckt mehr dahinter, als die Angst, als Versager dazustehen. Ihn treiben Fragen wie „Wer hätte ich werden können. Wer war ich geworden. Wer werde ich sein, wenn sie (seine Frau Kyoko) herausfindet, wer ich bin.“ „Wie ist es dazu gekommen, dass wir uns so sehr verfehlten?“ Der Salaryman und der Hikikomori kommen ins Gespräch, erzählen sich von lange zurückliegenden Begebenheiten, in denen sie falsch gehandelt haben, die sie bis heute mit Schuld und Scham verfolgen. Auch deshalb sind sie den immer wieder neuen Anforderungen, die das Leben an sie stellt nicht gewachsen. Und weil sie in einem Umfeld des Schweigens leben. „Wir haben einen Pakt geschlossen: Lieber nichts wissen voneinander. Und dieser Pakt ist das, was Familien über Jahre zusammenhält. Wir waren Maskenträger.“ Taguchi Hiro und Ohara Tetsu erzählen sich aus ihrem Leben, langsam, sie lassen sich Zeit, bedrängen sich nicht. Dieses Zögernde, Tastende kommt auch in der Sprache zum Ausdruck, die vorsichtig, auch irgendwie tastend ist. Sie erzählt behutsam aus zwei erschütterten Leben. „Irgendwann glücklich sein. Es bedurfte dazu nur eines kleinen Sprungs. Hinüber auf die sichere Seite, hinüber zu denen, die nicht zu viel nachdenken, nicht darüber, wie weh es tut, nicht nur den anderen, sondern mit ihm sich selbst verraten zu haben Ich wollte dorthin, nahm Anlauf, war noch im Anlaufen.“ Aber: „Nein, nicht wahr, das wäre zu einfach. Um zu vergeben, um wirklich frei zu sein, muss man sich erinnern, Tag für Tag.“ Das ist beklemmend und zart zugleich, tieftraurig und doch auch – ja – heiter, dem Leben zugewandt. Ein leises, wunderbares Buch.

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