Literarisches Berlin 2008

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  • Rezension zu "Literarisches Berlin 2008"

    Literarisches Berlin 2008

    HeikeG

    04. September 2008 um 12:22

    Literarische Großstadtsinfonie in Berlin Die Hauptstadt als Mittelpunkt des kulturellen Lebens hat sich der Verlag "edition ebersbach" und seine Autorin Unda Hörner mit dem Wochenkalender "Literarisches Berlin 2008" verschrieben: eine gelungene Hommage an die 20er Jahre. Die 1961 geborene und seit 1982 in Berlin lebende, promovierte Romanistin Unda Hörner, die als Autorin, Lektorin und Übersetzerin arbeitet, hat sich in Wort und Bild der faszinierenden Zeit der 20er Jahre angenommen; einer Zeit, in der trotz der grauen politischen Wirklichkeit der Weimarer Republik, die Kultur einen rasanten und glanzvollen Aufstieg erlebte, und mit ihr die Literatur. Erinnert sei nur an die weltbekannten Klassiker wie Thomas Manns "Zauberberg" und Hermann Hesses "Der Steppenwolf". Das vielfältige kulturelle und literarische Leben in der Weimarer Republik erlaubte es auch schreibenden Frauen, ein neues Selbstbewusstsein zu entwickeln. Und wieder war es Berlin, die Stadt mit den meisten Verlagen, Zeitschriften, Theatern und Cafes, welche eine große Anziehungskraft ausübte. Berlin war Dreh- und Angelpunkt des künstlerischen Lebens und die Anonymität der Großstadt erleichterte es Frauen, sich von ihrer traditionellen Rollenzuweisung zu distanzieren und neue Lebensformen zu entwickeln. Schriftstellerinnen wie Vicki Baum zeichneten das Bild der "Neuen Frau" als kritische und selbstbewusste Protagonistin, deren Kennzeichen das mit Glasperlen und Pailletten bestickte knielange Hemdkleid und der Bubikopf waren. Auf 53 Kalenderblättern erinnert die Autorin an diese Epoche der damals drittgrößten Stadt der Welt. 53 literarischen Ur- oder Wahl-Berlinern, Inspiration Suchenden, Berlin-Besuchern oder -Durchreisenden hat Unda Hörner jeweils ein Kalenderblatt gewidmet. Wunderbar ist die Melange aus historischen schwarz-weiß Fotografien (Künstlerporträt, Theaterschnappschüsse oder Berliner Straßenszenen) dieser Glanzzeit, Infotext und Zitaten aus dem Werk des jeweiligen Schriftstellers. "Was ist eine Glanzzeit? Eine Zeit vieler großer Namen, in nächster Nähe voneinander, und zwar so, dass ein Name den anderen nicht erstickt, obwohl sie einander bekämpfen. Wichtig daran ist die ständige Berührung, die Stöße, die das Glänzende sich gefallen lässt, ohne zu erlöschen.", stellte der Literaturnobelpreisträger (1981) Elias Canetti fest, dem ebenfalls ein Kalenderblatt gewidmet ist. Und große Namen sind hier, in nächster Nähe, wahrlich vereint: die Geschwister Erika, Golo und Klaus Mann, Bertolt Brecht, Joachim Ringelnatz, Mascha Kalèko, Heinrich Zille, oder aber der damalige Feuilletonchef des "Berliner Tageblatts" Fred Hildebrand, Wladimir Nabokov, Kurt Tucholsky, Else Lasker-Schüler, Asta Nielsen und Joseph Roth sollen nur stellvertretend genannt werden. Und sie berühren einander, stehen aber trotzdem eigenständig, denn jedem Literat ist ein Kalenderblatt gewidmet. Dieser Kalender ist es eine fantastische literarische Reise in eine "Glanzzeit" und dieser Glanz strahlt auch auf den Betrachter, wenn er sich Woche für Woche dieser Großstadtsinfonie aussetzt: keine Stadt war so modern wie das Berlin der 20er Jahre. Fazit: Elke Heidenreich empfahl in ihrer letzten Sendung "Lesen!" den Wandkalender "Die schönsten Opernmorde 2008". Ich empfehle für jeden Liebhaber guter Literatur: "Literarisches Berlin 2008".

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