Neue Menschen! - Bilden, optimieren, perfektionieren

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Inhaltsangabe zu „Neue Menschen! - Bilden, optimieren, perfektionieren“ von

Alles wird besser. Auch der Mensch. Schon vor der Geburt beginnen die Optimierungsprogramme, die für spätere Höchstleistungen sorgen sollen. Der Körper wird trainiert und modelliert, Defizite werden durch die ästhetische Chirurgie, künstliche Implantate und intelligente Prothesen korrigiert. Das Hirn wird umfassend gefördert, die Seele wird durch Psychopharmaka stabilisiert. Am Ende dieser Prozesse steht die Version eines perfekten transhumanen Wesens, das reibungslos funktioniert und dem alles Menschliche fremd geworden ist. Über die Konzepte eines "neuen Menschen" und ihre Fragwürdigkeit diskutierten beim 19. Philosophicum Lech Vertreter aus Philosophie, Soziologie und anderen Wissenschaften.

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  • Beiträge des 19. Philosophicums

    Neue Menschen! - Bilden, optimieren, perfektionieren
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    16. June 2016 um 08:21

    Beiträge des 19. PhilosophicumsNicht nur das „Selbst-Logging“ zeigt die gegenwärtige Tendenz der gesellschaftlichen Haltung zu sich selbst auf. In fast jeder Sparte des öffentlichen und privaten Lebens stellt sich inzwischen, wie seit ehedem beim Sport, die Tendenz zur „Optimierung“ als zentral antreibende Kraft dar.„Neue Menschen! Bilden, perfektionieren, optimieren“ mit dem Blick auf neueste Fortschritte in der Technologie und der Biomedizin bildet daher ein hoch aktuelles, den Zeichen der Zeit zugewandtes Thema für die letztjährige Tagung des Philosophicum Lech.Das Thema, zu dem Konrad Paul Liessmann eröffnend seinen Beitrag auch als Eröffnung des Buches vorlegt. Und hier nicht ohne Grund eine, eigentlich angesichts der wahren Probleme der Zeit, Lappalie zunächst als Beobachtung setzt.„Am Anfang war der Thigh-Cap“. Jene Lücke, die im Stehen zwischen den Oberschenkeln einer Frau heutzutage wohl entstehen sollte, damit diese als „schön“ wahrgenommen wird. Zumindest deren Beine.Natürlich mag man fragen, ob die Menschheit nichts Wichtigeres auf den sozialen Medien zu diskutiere hat. Dennoch ist es ein kluger Verweis darauf, dass im Alltag, in der gesellschaftlichen Realität, anders als zu anderen Phasen der Geschichte, es eben solche „egozentrisch“ zu nennenden Themen sind, die das Denken und damit die Gegenwart mitbestimmen.„Der weibliche Körper ist eine einzige Kampfzone, muss ständig optimiert werden und passt dennoch nie“.Und dies kann und wird in den verschiedenen, sehr differenzierten Beiträgen im Buch „hochgerechnet“. Denn wie ist es bei der Arbeit, der Zeitverdichtung, der Freizeitgestaltung, der immens sich steigernden Schulden, der ökologischen Bilanz, der auseinanderbrechenden Gesellschaften in nicht weit entfernter Nachbarschaft? Wie ist es im Umgang mit dem eigenen Körper und mit den persönlichen Ideologien (ist vegan wirklich die neue Religion?)?Alles „Kampfzonen“ der Optimierung, Verbesserung, des Druckes von außen und des inneren starken Antriebs zur Selbstoptimierung. „Man kann solche Phänomene auch als Symptome einer Entwicklung deuten, die……den Menschen in all seinen Facetten als Kampfzone definiert“.Das Bild vom Menschen hat sich grundlegend gewandelt. Woher das kommt, wie das beschrieben werden kann und wohin das führen könnte, das ist aus vielen verschiedenen Richtungen her und mit sehr differenzierten Haltungen Inhalt der verschiedenen, im Buch gesammelten, Vorträge der Tagung.Kein einfaches Thema, umso erfreulicher ist, dass sprachlich die Beiträge sehr verständlich gehalten sind und dem Leser damit immer wieder einen guten Zugang zu den verschiedenen Ansätzen und Interpretationen ermöglichen.Und auch hier nimmt Liessman eine der wesentlichen Erkenntnisse thesenartig vorweg, um die im weiteren Verlauf die gesamte Diskussion in all den verschiedenen Themen kreist:„Im Grunde lässt sich Menschsein nur als offenes Projekt beschreiben“. In der Gegenwart mehr und deutlicher als zu allen anderen Zeiten der Geschichte und unter einem äußeren und inneren Anspruch, der für eine rasante Erhöhung der Geschwindigkeit des Hamsterrades sorgt, in dem der Mensch sich seit jeher letztlich befindet.Bis hin zu jener „Peinlichkeitskultur“, mit deren Betrachtung Ulrich Greiner das Buch abschließt.„Dem Schamverlust auf der einen Seite entsprach auf der anderen Seite eine Peinlichkeitsfurcht“. Die zudem nun zu allen anderen Faktoren hinzu als Antreiber wirkt. Die „perfektionieren“ will, um sich keiner Peinlichkeit auszusetzen.„Die Peinlichkeitsfurcht ist die Kehrseite einer scheinbaren Freiheit“.Eine faszinierende Sammlung kluger Beiträge zum „neuen Menschen“, zum Gefangensein zwischen weitgehender Freiheit und hoher innerer Gebundenheit an allgemeine Normen und Ideale samt einer ebenso klugen Reflexion dieser „Ideale“ und woher sie entstammen.

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