Phantastische Raumfahrt

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Inhaltsangabe zu „Phantastische Raumfahrt“ von

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    Phantastische Raumfahrt

    Jerron

    18. June 2010 um 23:17

    Eine Sammlung Sammlung historischer Texte der Weltliteratur, die sich mit Reisen zu den Sternen befassen, lange bevor das Genre der Science Fiction begründet wurde. Der älteste bekannte Text (ca. 1800 v. Chr.) zum Thema "Raumfahrt" behandelt die Legende des babylonischen Königs Etana, der sich von einem Adler in den Himmel tragen lässt. Als er aber die Erde unter sich immer kleier werden sieht, bekommt er es mit der Angst zu zun und lässt sich auf die Erde zurückfallen. Lukian von Samosata erzählt ca. im 2. Jhd. n. Chr. die "Wahre Geschichte" der Besatzung eines griechischen Schiffes, das von einem Sturm bis zum Mond hinauf getragen wird und dort in eine gewaltige Schlacht zwischen den Bewohnern des Mondes und der Sonne gerät. Komplett übertrieben mit den Armeeen voller Milliarden gemüseschmeißender Krieger auf ihren Reitvögeln aus Kohlblättern und andererlei abgefahrenes Zeugs. Alles total übertrieben, unglaublich bescheuert, krampfhaft exotisch und größenwahnsinnig... Im jüdischen "Henochbuch" aus hellenistischer Zeit durchwandert der Protagonist diverse Himmelsebenen voller Engel und Paradiese, bis er schließlich vor dem Allmächtigen steht. Ganz im Gegensatz dazu steht die Geschichte des "Ikaromenippos", noch mal von Lukian, der auf verbesserten Ikarusflügeln in den Himmel zu den Göttern fliegt, die sich bei ihm über dieses lästige Philosophenkroppzeug beschweren. Am Ende werden die Philosophen nur deswegen von Zeus nicht mit Blitzen niedergeschmettert, weil die Götter jetzt erst mal Urlaub machen... Im Volksbuch von "Doktor Faustus" aus dem 16. Jahrhundert fliegt der Titelheld auf einem Drachen in den Weltraum und betrachtet die Länder der Menschen von oben und beobachtet die Menschheit bei ihrem niederträchtigen Treiben. Im einzigen Prosatext des großen Astronomen Johannes Kepler lässt er einen Geist von den Gegebenheiten auf dem Mond erzählen, wobei er sich erst mal lang und breit über Tageslängen, Umlaufzeiten usw. auslässt, bis er auf die Lebensumstände der Bewohner zu sprechen kommt, die auf der sonnenzugewandten Seite des Mondes ständig Gefahr laufen, gebraten zu werden. Die Erzählung "Ein Spanier im Mond" von 1638 berichtet von ebenjenem Spanier, der von einer Schar Gänse auf den Mond getragen wird und dort die Gesellschaft der Mondbewohner kennenlernt. Hierbei handelt es sich wirklich um Weltenbastelei vom Feinsten, die etliche Aspekte der Mondgesellschaft beleuchtet: Von der aus Tönen und Melodien bestehenden Sprache über die nahrhafte Luft bis zur Gesellschaftsstruktur, in der kein Bedarf nach Verbrechen besteht. In der Geschichte "Die Reise der Fünf" von 1744 des Hobby-Astrologen Christian Kindermann reisen 5 Menschen, die die Namen der 5 Sinne tragen, auf einem Schiff mit Vakuumkugelantrieb auf einen neu entdeckten Marsmond. Und Fama, die Göttin des Gerüchtes, berichtet den Menschen auf der Erde von den Ereignissen dieser Reise. Auf dem Marsmond knallen die Reisenden erst mal mit Gewehren um sich und erklären sich zu Göttern, müssen dann aber erkennen, dass die Bewohner des Marsmondes dann doch nicht so doof sind wie gedacht. Und einen Jesus hat Gott natürlich auch auf ihren Mond geschickt, damit sie auch erlöst werden... Zum Schluss wird in "Mikromegas" von Voltaire mal die andere Seite betrachtet: Ein mehrere Meilen großer und hochentwickelter Bewohner des Saturn reist zusammen mit einem noch zehnmal größeren und höher entwickelten Bewohner des Sirius durchs Weltall. Dabei erreichen sie einen winzigen unbedeutenden blauen Planeten, auf dem ihrer Meinung nach unmöglich intelligentes Leben existieren kann. Als sie dann doch mit Hilfe von Kristallen als Vergrößerungsglas die mikroskopisch kleinen Bewohner der Welt entdecken, stellen sie aus abgeschlittenen Fingernägeln Sprechtröten her, mit denen sie die Stimmchen der Menschen auch hören können. Die Verständigung mit den Menschen bringt zutage, dass diese zwar naturwissenschaftlich halbwegs was drauf haben, aber moralisch komplett unterentwickelt sind. Und so beschließen die Besucher, den Menschen äh... hilfreiche Anweisungen zu hinterlassen, bevor sie nach weiteren Planeten suchen. Natürlich vermitteln diese Raumfahrtgeschichten vor allem einen Einblick in das Weltverständnis ihrer Schreiber. Mal werden Utopien geschaffen, mal werden die Umstände auf der Erde persifliert und verspottet. Auf jeden Fall ein interessanter und aufschlussreicher Einblick in die frühe Phantastik.

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